Harburg
Meisterin der leisen Tön

Birte Gäbel mag Clubkonzerte

Birte Gäbel singt gern über die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen

Birte Gäbel singt gern über die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen

Foto: Birte Gäbel / HA

Die Hamburger Sängerintritt gern gern in kleinem Rahmen auf. Ihre Strategie: unaufgeregt sie selbst sein.

Lüneburg.  Birte Gäbel wirkt mit ihren blonden Haaren, dem dezenten Make-up und dem freundlichen Lächeln so echt und unaufgesetzt, dass man sich ihr sofort verbunden fühlt. Dabei arbeitet sie in einer Branche, in der viele in eine laute und exzentrische Rolle schlüpfen: sie ist Musikerin.

Seit dem Besuch eines Konzerts der schwedischen Popband „Roxette“, im Alter von zwölf Jahren, weiß Gäbel, dass es für sie keinen anderen Beruf gibt. „Singend und klavierspielend, so trifft man mich an“, erklärt sie lachend. Beim Musikstudium in Hannover mit klassischem Schwerpunkt beginnt Gäbel, auch ihre Songtexte selbst zu schreiben. Als sie merkt, dass ihr Stil eher in die moderne Pop-Richtung geht, wechselt sie an die „School of Music“ in Hamburg und absolviert eine zweijährige Ausbildung. „Ich habe mich dort unterstützt gefühlt und man hat mir geholfen, meine individuelle Stimme zu finden“, so Gäbel.

„Ich hab noch nie in den Mainstream reingepasst. Ich wusste ich werde kein Pop-Sternchen, dafür bin ich nicht der Typ.“ Trotzdem hat sie geschafft, was nicht viele können: Sie ist sich selbst treu geblieben, ob nun auf der Bühne, oder im privaten Leben. Es ist nicht das Rampenlicht und die immer größeren Auftritte, die Gäbel antreiben, sondern die Aussagen, die sie mit ihren Songs vermittelt. „Über Liebe schreib ich nicht so viel, eher über die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen.“ Und genau damit hebt sich die Hamburger Sängerin ab und macht sich bei denen, die sie hören, so beliebt. „Eine Frau sagte mir einmal nach einem Konzert, sie habe während der ersten Lieder nur geweint, weil sie sich selbst so gut darin erkenne. Solche Augenblicke sind meine Motivation.“

Denn der Weg ist als Musikerin nicht immer leicht. „Das Musikbusiness und die Medien fokussieren sich oft nur auf einen kleinen Ausschnitt, alles was anders und neu ist hat es schwer.“ Sie sieht es kritisch, dass sich die Branche in vielerlei Hinsicht zu einer „Wegwerfkultur“ entwickelt, so dass es nur wenige Leute gibt, die sich länger halten können.

Trotzdem möchte Gäbel sich nicht beschweren, sie nimmt die Dinge lieber wie sie sind. Besonders wichtig sind ihr aus diesem Grund neben der Musik auch Freunde und Familie, die ihr Rückhalt geben, wenn sie sich unsicher ist. Ihr Mann ist selbst Musiker, er spielt Bass und Schlagzeug und begleitet sie ab und zu bei Konzerten auf dem Cajon. Zusätzlich ist er auch Musikproduzent und nimmt gemeinsam mit Gäbel ihre Songs auf.

Ihre Eltern besuchen ihre Konzerte, wann immer es ihnen möglich ist. „Die Unterstützung tut unheimlich gut“, sagt die Sängerin. Zusammen mit ihrer Schwester, Anne-Brit, ist Gäbel auch häufig im Duo unterwegs, gestaltet unter dem Namen „It’s a Sistersact“ Hochzeitszeremonien und gibt seit 2013 die sogenannten Wohnzimmerkonzerte. „Die Veranstaltungen finden bei Privatpersonen statt. Das ist dann vielleicht ein Publikum von 30 Menschen, also sehr intim und familiär“, erklärt die Sängerin das Konzept. „Es sind weniger Menschen, aber es ist was ich möchte. Anstatt eine Halle zu füllen, in der ich untergehe, berühre ich lieber 30 Leute wirklich und bin danach glücklich.“

Man merkt schnell, dass diese Frau meint, was sie sagt. Sie will nicht den großen Ruhm, indem sie sich von anderen zurechtbiegen lässt, sondern mit ihren Songs eine Verbindung zu ihrem Publikum aufbauen. „Weniger ist manchmal mehr“, lautet ihr Vorsatz dabei. Ihre Einstellung spiegelt sich auch in ihren Songs wider, die manchmal mehr nach Pop klingen, dann wieder mehr nach Latin oder Jazz. Je nach Stimmung immer verschieden, aber trotzdem immer authentisch.

Bei ihrem Konzert am 27. Mai in der Pianokirche in Lüneburg steht Gäbel gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Konzertprogramm „Urlaub von der Welt“ auf der Bühne. Die Mehrstimmigkeit kommt so am besten zur Geltung. Sie singt über das Leben und denn ganz normalen Alltag, aber in einer ganz besonderen Weise.

Pianokirche Lüneburg, 27. Mai, 19.30 Uhr. Karten gibt es für 15 Euro, ermäßigt für 10 Euro. Infos über den Vorverkauf im Internet unter www.pianokirche-lueneburg.de/konzerte