Harburg
Wohnungsmarkt

Landkreis will bezahlbare Wohnungen für alle

Bei der Vergaben von Aufträgen sollen vor allem regionale und lokale Handwerksunternehmen bedacht werden

Bei der Vergaben von Aufträgen sollen vor allem regionale und lokale Handwerksunternehmen bedacht werden

Foto: Arno Burgi / dpa

Anteil an der geplanten Wohnungsbaugesellschaft wird auf 17 Millionen Euro erhöht. Grundstücke sind ausreichend vorhanden.

Harburg/Winsen.  Mehrfamilienhäuser mit acht bis zehn Wohnungen, Stadtvillen und Wohnungen mit barrierefreien Räumen für Senioren, die für sich in ihrer Heimatgemeinde eine adäquate, moderne Bleibe suchen: Sie sollen vom Spätsommer an auf baureifen Grundstücken im Landkreis entstehen. Den Startschuss für die kommunale Wohnungsbaugesellschaft soll der Kreistag am 21. Juni geben.

Wenn es nach dem Ersten Kreisrat Kai Uffelmann geht, werden alle zwölf Gemeinden und Städte nach der Gründung per Ratsbeschluss in die Gesellschaft einscheren. „Unser Modell wird akzeptiert. Wir gehen diesen Weg weiter“, versicherte Uffelmann im Gespräch mit dem Abendblatt.

Den Kurs hat der Kreis bereits mit den Gemeinden und in einer Arbeitsgruppe der Bürgermeister erklärt und abgesteckt. Erste Anwärter auf die Neubauten sind Jesteburg, das Flächen ausgewiesen hat, aber auch Salzhausen, Winsen und Buchholz mit seinem Stadtentwicklungskonzept. Aufbringen sollen die Gesellschafter 45 Millionen Euro und damit 30 Prozent der Bausumme von 150 Millionen Euro. So lassen sich die für fünf Jahre geplanten 1000 Wohnungen solide finanzieren.

Der Landkreis will jetzt noch einmal nachlegen, um den Gemeinden ihre Beteiligung zu erleichtern. So soll sein Anteil von bisher 25,1 auf nun 37,8 Prozent und die Einzahlung damit von 11,3 auf 17 Millionen Euro steigen. Die zusätzlichen knapp sechs Millionen Euro will Kreis-Finanzchef Uffelmann in den Haushalt 2018 einstellen.

Zusammen mit der Sparkasse Harburg-Buxtehude, die weitere zehn Prozent des Eigenkapitals bereitstellen wird, werden die Gesellschafter 47,8 Prozent halten. Beide Seiten haben dabei darauf geachtet, nicht zusammen auf eine Mehrheit zu kommen. So bleiben 52,5 Prozent bei den Gemeinden.

Durch den höheren finanziellen Einsatz des Kreises reduziert sich den Anteil der großen Gemeinden Buchholz, Seevetal und Winsen von 4,4 auf 3,65 Millionen Euro, Tostedt und Neu Wulmstorf sollen jetzt 2,18 statt 2,75 Millionen Euro bereitstellen und für alle anderen Gemeinden sinkt ihr Anteil von 1,5 auf 1,17 Millionen Euro. „Wichtig für uns ist, dass von allen Seiten signalisiert wurde, dass Bauland vorhanden ist“, sagte Uffelmann.

Nach der Beteiligung wird auch die Zahl der jeweils für die Orte vorgesehenen Neubauten gestaffelt. In den drei großen Kommunen sollen jeweils 150 Wohnnungen entstehen, in den beiden mittleren je 100 und die sieben kleineren Gemeinden bekommen jeweils 50. Die neuen Häuser werden nicht gebündelt, sondern werden neben privat finanzierten Gebäuden stehen. Die Mieten liegen bei acht Euro pro Quadratmeter und bei 5,60 Euro im sozialen Wohnungsbau. Klar ist, dass die Wohnungen nicht aus der Förderung herausfallen und danach teurer angeboten werden können.

Von den Aufträgen sollen vor allem Handwerker und Baufirmen aus der Region profitieren. „Wir werden die Losgrößen auf mittelständische Firmen abstimmen, die sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen können“, sagte der Erste Kreisrat. Ein zentrales Treffen mit Wirtschaft und Vertretern von Baufirmen ist für kommenden Mittwoch in der Kreishandwerkerschaft in Winsen geplant.

Bezogen auf die Sparkasse Harburg-Buxtehude setzt der Kreis auf eine strategische Partnerschaft. „Wir sehen vor allem die Immobilienkompetenz, die wir uns so nicht erst erarbeiten müssen“, sagte Uffelmann. Immerhin hat die Sparkasse, deren Hauptgesellschafter der Kreis ist, seit 1997 bei mehr als 40 Projekten gut 2000 Grundstücke vermarktet.

„Für uns ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. Selbstverständlich wollten wir dabei sein“, sagt Bodo Ihlenburg, Direktor des Marktbereichs Investoren- und Immobilienprojekte der Sparkasse. Zwar steht die abschließende Entscheidung des Aufsichtsrats noch aus. Doch für ihn ist klar: Bei Mieten von zehn bis sogar 15 Euro pro Quadratmeter im Kreis reicht der bezahlbarer Wohnraum längst nicht mehr. Hintergrund dafür sei auch, dass es bisher keine Wohnungen im Besitz der Kommunen gebe und nur in Winsen und Meckelfeld Genossenschaften etabliert seien.

„Wir müssen für alle Schichten Wohnraum schaffen. Das ist derzeit nicht garantiert“, sagt der Volkswirt. „Wenn Handwerker, Pflegepersonal oder Erzieher im Kindergarten sich keine Wohnungen mehr leisten können, haben wir ein Problem. Letztlich nicht nur bei der Versorgung der Menschen, sondern auch, wenn es um neue Mitarbeiter für Firmen geht.“ Die würden sich kaum für den Kreis entscheiden, wenn sie nicht vor Ort wohnen könnten. „Die Wohnungsbaugesellschaft ist für uns ein nachhaltiges Engagement. Sie deckt einen Bedarf, der für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig ist,“ sagt Ihlenburg.

Uffelmann und Ihlenburg sind inzwischen häufig gemeinsam unterwegs, um über die Pläne zu informieren und Fragen zu beantworten. Der nächste Termin des Ersten Kreisrates ist am morgigen Dienstag in Winsen. Dort hat die SPD-Fraktion beantragt, dass sich die Stadt an der Wohnungsbaugesellschaft des Kreises beteiligen soll. Der Countdown zum 21. Juni läuft.