Harburg
Binnenhafen

26.000 feiern mit Lady Bump und Daddy Cool

Sonnenbrille auf, dazu Haarband oder eine schrille Perücke – und ab dafür!

Sonnenbrille auf, dazu Haarband oder eine schrille Perücke – und ab dafür!

Foto: Katharina Geßler / HA

Beim 3. Harburger Disco Move gab es eine neue Rekordbesucherzahl – und ein knallbuntes Spektakel für die ganze Familie.

Harburg.  Bernd Langmaack, der Veranstalter des Disco Moves, war am Ende selig: 26.000 Menschen machten mit bei dieser dritten Veranstaltung, von der viele sagen, sie sei jetzt, spätestens, zur kleinen Schwester des Schlagermoves herangewachsen, der auf der anderen Seite der Elbe alljährlich Menschen aus aller Herrenländer nach St. Pauli lockt.

Fest steht, es war eine große Sause, wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten. Zur Warm-Up-Party am Freitagabend kamen nur ein paar Hundert Gäste. Feuerwerk hin oder her, Partystimmung kam da eher nicht auf. Und auch die US-Car-Show mit sechs Straßenkreuzern in XL-Format blieb nicht nur übersichtlich, sondern auch weitgehend unbeachtet.

Ganz anders dann der farbenfrohe Umzug mit elf Trucks, die dreimal die 1,5 Kilometer lange Strecke durch den Binnenhafen im Schritttempo zurücklegten. Wobei es nicht nur ordentlich auf die Ohren, sondern auch viel zu sehen gab. Vor allem grelle Neonfarben, große Sonnenbrillen, schrille Perücken und Menschen, die Schuhe trugen mit dicken Plateausohlen.

Und schon von weitem zu hören: Disco , der Sound, der so typisch war für die 70er- und 80er-Jahre wie damals Orange als Trendfarbe und das ausgestellte Beinkleid, das es als Schlaghose in den allgemein Sprachgebrauch geschafft hat und inzwischen eine Renaissance erlebt. Hätte man sich von einer Weile auch noch nicht vorstellen können, oder?!

Herrje, ist das lange her, schießt es einem in den Kopf, solange man nur guckt und nicht hört. War das echt mal angesagt: bunte Stirnbänder zu Wallemähne, Glitzerkleidchen zu Schuhen, deren Absätze aussehen wie Klötze? Ja, doch! Wer in den 60ern geboren wurde, hat davon wahrscheinlich mehr im Schrank gehabt, als er heutzutage bereit ist, sich – und anderen – einzugestehen. Sowieso ist das alles Makulatur, wie weggewischt, wenn es dann aus den Boxen dröhnt, mit durchdringenden 120 bis 130 Beats pro Minute, direkt ins Ohr und gleich durch bis in die Zehenspitzen. Dann ist alles da: vom Grinsen im Gesicht bis zur Erinnerung an damals. Saturday Night Fever und John Travolta im weißen Anzug, mit hüftenger Hosen und geschmeidigem Schwung auf dem Parkett – wer damals jung war, hat das bis heute nicht vergessen. Stehen Sie ruhig dazu. Notfalls einfach auf Goethe, Johann Wolfgang, zurückgreifen: „Wenn man seine Kindheit bei sich hat, wird man nie älter.“ Da soll noch einer was sagen!

Tatsache ist, viele die sich beim Disco Move im Binnenhafen tummelten, haben das Alter erreicht, in dem es eine wahre Freude ist, wenn Musik es schafft, sich noch mal zu fühlen wie früher. Und weil das soviel Spaß macht, kamen sie zu zweit, mit Freunden und Familie, mit Kindern und manche auch mit Enkeln. Und selbst diejenigen, die zur Hochzeit des Disco-Sounds noch nicht mal geboren waren, ließen sich mitreißen und feierten – ausgelassen, fröhlich und meistens friedlich.

Auf dem Kanalplatz selbst war es Michael Wittig, DJ im Musik-Tower von NDR 90,3, der dem Tanzvolk ordentlich einheizte: Ob „Y.M.C.A“ von den Village People, „Daddy Cool“ (Boney M.) oder „Fly, Robin, Fly“ (Silver Convention), was damals funktionierte, klappt auch heute noch. Hände in die Höhe, Mitsingen beim Refrain. Und tanzen, tanzen, tanzen, auch den „Lady Bump“. Sie erinnern sich? Locker in die Knie, Kick mit der Hüfte. . . Ein Hit der Sängerin Penny McLean, auch Mitglied der Silver Convention. Es darf getrost angenommen werden, dass ihr ein solcher Erfolg nicht in die Wiege gelegt war. Geboren wurde sie jedenfalls im österreichischen Klagenfurt, und zwar als Gertrude Wirschinger. Zeigt wieder mal, (fast) alles ist möglich.

Das mag sich auch Tino Matthies, 35, aus Hannover gedacht haben. Für ihn gab es jedenfalls kein Halten mehr. Er machte Freundin Sabrina Soeteberer, 34, aus Lüneburg, kurzentschlossen und total überraschend, wie beide beteuerten, einen Heiratsantrag – dafür überließ DJ-Michael Wittig im Musik-Tower dem jungen Mann gerne mal das Mikrofon. Und die Braut? Freute sich unbändig und sagte „Ja“, auch zum Termin, den Tino gleich verkündete: Am 18. Mai 2018 geht’s aufs Standesamt. Ob das für das Paar dann wirklich der schönste Tag im Leben wird, bleibt abzuwarten. Aber dieser Antrag beim Disco Move, den werden sie ganz sicher nie vergessen. Wann hat man das schon mal, Applaus von 26.000 Menschen, die sich freuen, dass zwei den Bund fürs Leben schließen wollen!