Harburg
Wilhelmsburg

Ausstellung über die Schönheit des Aktes

Der bulgarische Künstler Branimir Georgiev zeigt eine seiner Aktzeichnungen in der  Ausstellung „Nackt!“ im Atelierhaus23 in Wilhelmsburg

Der bulgarische Künstler Branimir Georgiev zeigt eine seiner Aktzeichnungen in der Ausstellung „Nackt!“ im Atelierhaus23 in Wilhelmsburg

Foto: Thomas Sulzyc

Künstler Branimir Georgiev zeigt, dass Nacktheit auch in der übersexualisierten Gesellschaft eine Herausforderung sein kann.

Wilhelmsburg.  „Nackt!“. Wie die Überschrift in einer Boulevardzeitung, die nach Aufmerksamkeit lüstert, kommt der Titel der neuen Ausstellung von Branimir Georgiev in Wilhelmsburg daher. So, als müsste der Künstler in unserer heutigen, ohnehin übersexualisierten Gesellschaft, in der unbekleidete, menschliche Körper nur noch in seltenen Fällen Aufmerksamkeit erregen, eine Apologie (Verteidigungsrede) des Aktes in der Kunst verfassen. Muss er nicht.

Denn im Gegensatz zur inszenierten Selbstentblößung der Stars und Sternchen in den Boulevardblättern ist die Aktkunst, die Darstellung des menschlichen Körpers in all seinen Facetten, eine Herausforderung geblieben. Der heute in Wilhelmsburg lebende, 40 Jahre alte bulgarische Künstler Branimir Georgiev, hat Kunst in seinem Heimatland in Veliko Tarnovo studiert. Derart präzise Studien des menschlichen Körpers sind in der Ausbildung Westeuropas eher selten.

Hier erforschen Künstler die Kunst des Aktes oft ohne Anleitung von Professoren auf eigenen Faust sozusagen. Vielleicht auch deshalb ist die Ausstellung von Branimir Georgiev die erste mit Akten, die das Atelierhaus23 in Wilhelmsburg seit seiner Eröffnung Ende des Jahres 2013 zeigt.

„Nackt!“ zeigt fünf Gemälde und etwa 20 großformatige Aktzeichnungen. Die Werke sind schnell und intuitiv entstanden, mit Kohle, Markerstiften, schwarzer und roter Kreide. An der Aktmalerei reizen Branimir Georgiev die Linien und Proportionen. Seine Zeichnungen zeigen auch einige männliche Akte. Die Modelle fand er an Kunstakademien und Kulturhäusern.

Eine Aktmalerei des italienischen Künstlers Amedeo Modigliani (1884 bis 1920) gilt heute als das zweitteuerste Kunstwerk der Welt. Ein chinesischer Sammler hatte die Schönheit, die sich nackt auf einem roten Sofa räkelt, im November 2015 für mehr als 170 Millionen Euro ersteigert. Als die „Nu Couché“ vor knapp 100 Jahren in Paris zum ersten Mal ausgestellt wurde, sorgte das für einen Skandal. Schaulustige vor dem Fenster forderten die Polizei empört auf, alle freizügigen Gemälde aus der Ausstellung zu entfernen.

Auch heute loten Künstler auf der Suche nach neuen Sichtweisen des menschlichen Körpers die Grenzen des Erlaubten aus: Die australische Street­art-Künstlerin Illma Gore malte den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump – nackt mit einem mickrig kleinen Penis.

„Nackt!“, Ausstellung von Branimir Georgiev, 21. Mai bis 5. Juni, Atelierhaus23 in Wilhelmsburg, Am Veinghof 23, Vernissage; Sonnabend, 21. Mai, 16 Uhr