Harburg
Neu Wulmstorf

Den Grünen gelingt der Neuanfang

Bereit für den Neuanfang: Die Grünen haben endlich Kandidaten für den Wahlkampf um die Neu Wulmstorfer Gemeinderatssitze gefunden

Bereit für den Neuanfang: Die Grünen haben endlich Kandidaten für den Wahlkampf um die Neu Wulmstorfer Gemeinderatssitze gefunden

Foto: Bianca Wilkens / HA

Ortsverband in Neu Wulmstorf hat Kandidaten für Kommunalwahl im September gefunden. Viele fürchten Vormarsch der AfD.

Neu Wulmstorf.  Gerade noch einmal die Kurve gekriegt: Nach mehreren Anläufen haben die Grünen in Neu Wulmstorf jetzt endlich Kandidaten gefunden, die sich für den Gemeinderat zur Wahl stellen. Die Grünen drohten in Neu Wulmstorf komplett von der Bildfläche zu verschwinden.

Sowohl Fraktionschef Joachim Franke als auch Grünen-Mitglied Michael Krause wollen nach 15 Jahren Ratsarbeit nicht wieder zur Kommunalwahl im September antreten. „Ich finde es nicht mehr zeitgemäß, an den Sitzen zu kleben. Wir brauchen frischen Wind und neue Ideen“, sagte er.

Hinzu kam, dass auch Anja Martens und Sonja Stey, die das Grünen-Quartett im Neu Wulmstorfer Rat voll machen, ebenso ihre Arbeit niederlegen. Die eine aus beruflichen, die andere aus familiären Gründen. In zwei Workshops versuchten die Grünen daraufhin, politisch Interessierte für sich zu gewinnen. Den durchschlagenden Erfolg brachte das nicht. Die Scheu vor der Ratsarbeit war offenbar zu groß.

Seit Donnerstagabend ist das anders. Nach der dreistündigen Sitzung ging Ortsverbandssprecher Michael Krause mit neun Kandidaten auf seiner Liste nach Hause. Ungewohnt viele Menschen erschienen zur Sitzung. „Das ist ein ganz anderes Feeling, in so einer großen Runde zu sitzen“, sagte Krause.

Sie alle kamen, weil sie die Nachricht vor einem drohenden Aus der Grünen in Neu Wulmstorf aufgeschreckt hatte. Martin Mohr füllte als erstes einen Antrag auf Mitgliedschaft aus. „Es kann nicht sein, dass sich die Grünen nicht mehr zur Wahl stellen. Gerade in der jetzigen politischen Situation ist es wichtig, dass die Grünen dabei sind“, sagte er.

Also kandidiert er eben selbst, auch wenn der studierte Mathematiker politisch ein völlig unbeschriebenes Blatt und derzeit beruflich in Kiel tätig ist, dadurch also ohnehin schon viel unterwegs sein muss. „Ich will nicht nur darüber reden, dass vieles schief läuft, sondern auch dafür sorgen, dass es anders wird“, sagte Mohr, der ursprünglich aus Jesteburg stammt und seit fünf Jahren in Neu Wulmstorf wohnt.

Ähnlich geht es Helmut Herfort. „Ich empfinde den Vormarsch von rechter Seite immer bedrohlicher“, sagte er. Bis zuletzt war fraglich, ob sich Kandidaten für die vorderen Listenplätze, die in der Regel auch die größten Chancen auf einen Einzug in den Gemeinderat haben, finden lassen. Sowohl Herfort als auch Mohr signalisierten jedoch, ganz vorne mitmischen zu wollen. „Ich bin bereit etwas zu tun“, sagte Herfort. Der gebürtige Münchner und Erziehungswissenschaftler wohnt seit 2009 in Neu Wulmstorf und hat sich als Kita-Coach und Berater für soziale Einrichtungen selbstständig gemacht. Seine Frau ist Inhaberin des Bücherforums in Neu Wulmstorf.

Noch ganz frisch in der Gemeinde und schon startklar für die Ratsarbeit ist Tilo Wilkens. Erst seit drei Jahren lebt der Sozialarbeiter in Neu Wulmstorf und ist durch die Medienberichte auf das drohende Aus der Grünen gestoßen. „Das hätte ich schade gefunden“, sagte er. Politisch ist auch er bislang nicht aktiv gewesen. „Jemand muss mal anfangen. Also fange ich an.“

Außerdem möchten sich auf die Liste setzen lassen oder in anderer Form die Grünen unterstützen: Kerstin Münnich-Krüger, Wolfgang Franke, Günter Bellmann, Peter Boser, Dr. Gorch Hollederer, Wolfgang Fuchs und Sonja Stey. Damit kann die Fraktion in Neu Wulmstorf jetzt aufatmen. Christiane Melbeck vom Vorstand der Grünen im Kreis Harburg hatte die Situation in Neu Wulmstorf auch Kopfschmerzen bereitet, zumal die Grünen meistens gute Wahlergebnisse erzielen: „Die Bürger nehmen unsere Arbeit vor Ort schon wahr. Es mangelt dann nur an den Kandidaten, die die Arbeit übernehmen.“

Krause ging zufrieden mit der langen Kandidatenliste nach Hause. Er will sich aber nicht zu früh freuen und wartet jetzt erstmal die Wahlversammlung Ende Mai in Neu Wulmstorf, ab, auf der die Wahlliste festgezurrt wird. „Die ist entscheidend“, sage er.