Harburg
Kreisverband Harburg

Dem DRK fehlen Spenden und Helfer

Über diese Spende freuen sich Ursula Röhrs (l.), ehrenamtliche Helferin, und Susann Henkel (DRK) besonders: Kinderwagen werden dringend gebraucht

Über diese Spende freuen sich Ursula Röhrs (l.), ehrenamtliche Helferin, und Susann Henkel (DRK) besonders: Kinderwagen werden dringend gebraucht

Foto: Katharina Geßler / HA

Appell der Helfer: Dringend gebraucht werden Kinderwagen, Sommersachen – und Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.

Harburg.  Der Appell des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Harburg, ist dringlich: „Gute erhaltene gebrauchte Kleidung gehört nicht in den Müll!“ Schon gar nicht in Zeiten wie diesen, da es gilt, nicht nur Harburger Bedürftige einzukleiden, sondern auch all die Flüchtlinge, die es hierher verschlagen hat, und die in den Erstaufnahme-Stellen untergebracht sind. Das Problem ist nur: In der zentralen Kleider-Sammelstelle des DRK an der Hohe Straße 4 gehen inzwischen weit weniger Spenden ein als noch im vergangenen Jahr. Und auch die ehrenamtliche Hilfe lässt mittlerweile zu wünschen übrig.

„Wir können gut ein paar mehr Menschen brauchen, die mit anpacken“, sagt Susann Henkel, die beim DRK Harburg Annahme und Verteilung der Kleiderspenden koordiniert. Dass es zu Einbrüchen bei den Spenden gekommen ist, dafür nennt sie zwei Gründe: Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln, aber auch Hamburg, als Frauen von Männern – etliche von ihnen sollen Flüchtlinge gewesen sein – umzingelt, begrapscht oder sonst wie belästigt wurden. Außerdem spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass viele schon viel gespendet haben, Privatleute wie Firmen – die Weide ist abgegrast, sozusagen.

Gleichwohl setzt das DRK darauf, dass etwas nachwächst, denn der Bedarf ist nach wie vor groß. Vor allem Unterwäsche, Socken oder Sommerbekleidung werden dringend benötigt. Und Sportbekleidung für Erwachsene und Kinder gleichermaßen. Ebenso Rucksäcke, Taschen, Koffer: „Die nutzen die Menschen oft als Schrankersatz“, sagt Ursula Röhrs, 47. Die Verkäuferin ist regelmäßig in der Kleiderkammer des Lagers am Schwarzenberg im ehrenamtlichen Einsatz. Sie würde sich wünschen, dass vermehrt Herrenschuhe, T-Shirts und Hosen in kleinen Größen gespendet werden: „L oder gar XL sind für unsere Leute meist zu groß.“ Wer etwas abzugeben hat, sollte sich allerdings nicht von der Frage leiten lassen: „Was will ich loswerden?“ Wichtiger ist, vorher abzuklären: „Was wird gebraucht?“

Die Antwort darauf weiß Susann Henkel, die am besten per Handy zu erreichen ist (01 63/808 74 36): „Es macht Sinn, das zu filtern.“ Wie wichtig das ist, unterstreicht Ursula Röhrs: „Die jungen Leute wollen natürlich auch nicht gerade in viel zu großen Opa-Pullis rumlaufen.“

In der Flüchtlingsunterkunft Neuland II an der Schlachthofstraße, wo auch viele Kinder leben, fehlen neben den bereits genannten Sachen vor allem Kinderwagen oder -karren, erzählt Angela Witt, 54. Auch sie ist Verkäuferin, arbeitet in einem Obstladen, und lebt mit ihrer Familie in Over (Seevetal). Trotzdem hilft sie Woche für Woche in der Kleiderkammer von Neuland II. Und erlebt regelmäßig, wie groß der Mangel an ehrenamtlichen Helfern ist: „Die Menschen müssen oft eine Woche oder länger auf einen Termin zur Ausgabe der Kleider warten.“ Und das, obwohl diese Kleiderkammer seit Herbst des vergangenen Jahres außergewöhnliche Unterstützung erfährt: durch Schüler einer 10. Klasse der Goethe-Schule Harburg. „Eine supertolle Hilfe“, sagt Witt, „vor allem weil diese Jugendlichen oft die Sprache der Flüchtlinge sprechen.“

Es sind Helferinnen wie Angela Witt oder Ursula Röhrs, die der DRK-Koordinatorin Susann Henkel die Mails schicken, in denen genau aufgelistet ist, was in den jeweiligen Einrichtungen gebraucht wird. Entsprechend packen dann Henkel und ihrer insgesamt zwölf ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer Kisten und Kartons. Die bestücken sie mit den Sachen, die im Lager an der Hohe Straße 4 auf rund 170 Quadratmetern im Keller in den Regalen liegen. Was fehlt, wird bei dem Verein Hanseatic Help geordert, dessen Kleiderkammer an der Großen Elbstraße die größte ganz Hamburgs ist. Und es ist einiges, was Susann Henke dort bestellen muss: „Von Hanseatic Help kriegen wird jede Woche um die 100 Kartons.“

Klar, dass bei dem Arbeitspensum den Helfern einiges abverlangt wird. Ganz zu schweigen von der psychischen Belastung: „Wir kriegen so einiges mit, das ist nicht immer einfach“, sagt Bettina Radke-Barnick, auch sie regelmäßig am Schwarzenberg im Einsatz. Trotzdem, sie möchte die Arbeit in der Kleiderkammer nicht missen: „Es ist anrührend zu sehen, wie sehr sich die Menschen über unsere Hilfe freuen.“ Natürlich, nicht immer ist der Umgang unproblematisch. Angela Witt bringt es auf eine griffige Formel: „Es ist wie bei uns im Dorf. Da gibt es auch Leute, die nur nerven und andere, die sind einfach liebenswert.“

Was das Beste an ihrem Ehrenamt ist, darüber müssen die Frauen nicht lange nachdenken. „Wir tun was Sinnvolles“, sagen sie unisono. Und sind all jenen mindestens eine Nasenlänge voraus, die alle möglichen Vorurteile pflegen, aber nie Kontakt zu Flüchtlingen hatten. „Wir können uns ein eigenes Bild machen“, sagt Angela Witt. Genau das ist es, was auch Ursula Röhrs begeistert: „Es nimmt einem jede Angst.“

Wer Kleider für Flüchtlinge spenden möchte, wendet sich an Susann Henkel, Hamdynummer 0163/808 74 36. Wer sich ehrenamtlich in den Erstaufnahmen engagieren will, ruft unter der Telefonnummer 040/76 60 92 64 an oder schreibt eine Mail: info@drk-harburg.hamburg Wer Kleider für bedürftige Harburger abzugeben hat, ruft die Nummer 040/766 09 20 an.