Harburg
Neubaupläne

Zieht die Seevetaler Polizei in einen "Schuhkarton"?

Das neue Polizeigebäude soll im nördlichen Bereich des Maschener Sonnenblumenfeldes errichtet werden

Das neue Polizeigebäude soll im nördlichen Bereich des Maschener Sonnenblumenfeldes errichtet werden

Foto: Architekturbüro Plan 2 A / HA

Am Maschener Ortseingang soll das neue Seevetaler Kommissariat gebaut werden. Die ersten Entwürfe sind allerdings umstritten.

Maschen.  Maschens Ortseingang wird bald ein völlig neues Gesicht erhalten. Auf dem sogenannten Sonnenblumenfeld zwischen Hamburger Straße und Autobahn, wo sich derzeit noch die Halme im Wind wiegen und im Dezember Weihnachtsbäume verkauft wurden, soll der Neubau des Seevetaler Polizeikommissariats entstehen. Der bisherige Standort an der Straße Vogelsang in Hittfeld ist den Beamten nach 34 Jahren zu klein geworden.

Bei dem Neubau handelt es sich um einen zweigeschossigen, modernen Flachdach-Flügelbau aus Klinker, der von der Hamburger Straße aus zu erreichen wäre. Neben der Polizei soll auf dem Areal auch Gewerbe angesiedelt werden, doch derzeit stehen noch keine Nutzer fest. Das Fachmarktzentrum, von dem die Rede war, lässt weiterhin auf sich warten und wird von der Politik aufgrund der schon jetzt stark belasteten Verkehrsinfrastruktur mittlerweile eher kritisch gesehen.

Nur wenn zusätzliche Abbiegespuren geschaffen würden, wäre es realisierbar – ein solcher Umbau würde Maschens Ortseingang allerdings noch stärker verändern als es die Neubauten bereits tun. Bei den weiteren Planungen will sich die Gemeinde deshalb nicht mehr auf ein Fachmarktzentrum, sondern verstärkt auf die Ansiedlung von Gewerbebetrieben mit schwach ausgeprägtem Verkehr konzentrieren.

Bleibt zunächst also nur die Polizei. Der Maschener Ortsrat, dem der Neubau aus der Feder des Hamburger Architekturbüros Plan 2 A erstmals öffentlich präsentiert wurde, nahm die Pläne bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen zur Kenntnis.

Die Meinungen waren gespalten unter den Politikern. So war beispielsweise Renate Clausen-Sainer (SPD) der Ansicht, dass das Gebäude zeige, dass Maschen auch modern sein könne. Ihr Parteikollege Andreas Rakowski (SPD) war da ganz anderer Meinung. „Das Gebäude passt dort nicht hin, es ist ein Bruch mit dem, was dort schon steht“, sagte er. Er befürchtete, dass man mit so einer Bauweise „die Büchse der Pandora öffnet“ und zukünftig weitere Gebäude dieser Art entstünden. Schon jetzt sei man in Maschen mit manchen Gebäuden nicht glücklich, das müsse man mit nicht verstärken.

Ortsbürgermeisterin Angelika Tumuschat-Bruhn teilte diese Ablehnung. Sie persönlich sei gegen diese Schuhkarton-Bauweise, sagte sie. Zugleich erinnerte sie aber daran, dass Seevetal daran gelegen sein müsse, das Polizeikommissariat in der Gemeinde zu halten und es nicht etwa an Rosengarten, das ebenfalls zum Zuständigkeitsbereich der Beamten gehört, zu verlieren. Deshalb war sie bereit, in den sauren Apfel zu beißen.

Auch der lange Zeitraum, in dem nach einem neuen Standort gesucht worden war, dürfte eine Rolle spielen. Bereits Ende 2013 hatte die Oberfinanzdirektion Hannover über den Landesliegenschaftsfonds Lüneburg in einer öffentlichen Anzeige nach einer neuen Unterkunft für die Polizei Ausschau gehalten. Der Wortlaut: Zur Anmietung in zentraler Lage seien ab Juni 2015 im Stadtbereich Hittfeld cirka 1000 Quadratmeter Büroflächen sowie Stellplätze und Garagen für eine Polizeidienststelle gesucht.

Auf diese Anzeige meldete sich der Eigentümer des Sonnenblumenfelds und bekam aus Hannover den Zuschlag. Das Land wird dort allerdings nicht selbst bauen, sondern greift auf ein Investorenmodell zurück. Der Bauunternehmer Günter Effinger aus Maschen wird das Haus errichten, die Polizei wird als Mieter einziehen. Auch am Vogelsang war die Polizei nur Mieter, Eigentümer des Gebäudes ist die Gemeinde Seevetal.

In dem 1959 errichteten Haus war zuvor eine Berufsschule untergebracht, 1982 zog die Polizei ein und erweiterte es 1996. Trotzdem war es zuletzt zu eng geworden. Das Problem ist aber, dass das Baurecht eine weitere Erweiterung in die Breite an dieser Stelle ausschließt. Nur in die Höhe dürfte hier gebaut werden, doch das ist wirtschaftlich nicht darstellbar.

Somit war die Entscheidung für einen Umzug an den Ortseingang von Maschen unumgänglich.