Harburg
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Modellbau: Wenn die Kleinen im großen Stil baggern

Jason steuert seinen Muldenkipper gekonnt rückwärts zum Beladen

Jason steuert seinen Muldenkipper gekonnt rückwärts zum Beladen

Foto: Lars Hansen / xl

Die Mitglieder des Truck-Modellbau-Clubs graben, schaufeln, kippen und transportieren mit ihren Konstruktionen maßstabsgetreu.

Harburg.  „Das ist doch kein Truck, das ist ein Lkw, Manno!“, ruft Jason empört, als man ihn auf sein Modell anspricht, „Siehst du doch: Das ist ein ganzer Wagen, ohne Auflieger.“

1:0 für den sechsjährigen Experten, der jetzt seinen Modell-Lkw per Funkfernsteuerung geschickt im Rückwärtsgang an den Sandhaufen und den Bagger heranmanövriert. Eine La-Cucaracha-Hupe ertönt. Der Bagger erwacht zum Leben und schaufelt Kies aus dem großen Haufen auf Jasons Ladefläche. Vier Schaufeln und der Laster ist beladen. Jason macht Platz für den nächsten. Die Modell-Lenker drängeln sich in einem Unterstand. Zwar funktionieren ihre Modellmaschinen so gut wie die Originale, aber sie sind nicht so wetterfest – und es gießt schon den ganzen Tag lang.

Das ist ärgerlich, denn heute feiern die Männer vom Truck-Modell-Club (TCM) Hamburg an der Hörstener Straße ihre Saisoneröffnung. Eigentlich wollten sie jetzt draußen spielen, auf ihrer gut 400 Quadratmeter großen Freianlage. Hier gibt es Straßen, Brücken, Unterführungen und vor allen Dingen Baustellen, denn Lastwagen sind zwar schön und gut, die wahre Herausforderung für den Modellbauer sind jedoch komplexe Maschinen – so genannte Funktionsmodelle. Fast jeder der etwa 20 Anwesenden hat nicht nur ein Lkw-Modell, sondern auch einen Bagger, einen Radlader oder zumindetst einen Kipper im Maßstab 1:25 oder 1:31 dabei.

„Mit unseren Geräten und Trucks bewegen wir dann Material vom Depot zu den Baustellen und wieder zurück“, erklärt Cristoph Bräsch, Vorsitzender des TMC. „Unser Traumziel ist es, auch die Straßen mit den Modellen bauen zu können.“

Dazu fehlen den Harburgern allerdings noch einige Geräte, aber es gibt nichts, was es nicht auch im kleinen Maßstab gibt, und wenn man sich dazu andere Vereine einladen muss. „Wir haben Modellbaukameraden im Lipperland, die haben eine komplette Kiessortieranlage gebaut. Die nimmt aber auch vier bis fünf Quadratmeter ein“, sagt Bräsch.

Der TCM hat 28 Mitglieder. Alle sind mit Leidenschaft dabei. Einige seit Generationen: Jason hat seinen Lkw natürlich noch nicht selbst gebaut. Er hat ihn von seinem Vater Jörn Weigand, der wiederum das Modellbau-Gen von seinem Vater Herbert erbte. Opa, Papa und Enkel sind heute alle drei da. Vereinsmitglied Jens Schröder erklärt die Leidenschaft so: „Man taucht ein paar Stunden in eine ganz eigene Welt ein. Damit löst man seine Probleme zwar nicht, aber man löscht sie – zumindest eine Zeit lang.“

Es gibt Modelle, die man für einige hundert Euro fertig kaufen kann, aber das befriedigt keinen der Anwesenden Enthusiasten. „Selbst bei solchen Modellen rüsten wir meistens noch auf“, sagt Bastler Oliver Körting, „Zusatzleuchten, Soundmodule und solche Dinge werden dann dazu besorgt. Aber meistens konstruieren wir selbst. Es gibt maßstabsgetreue Speilzeugautos, die wir aussschlachten und dann mit Motoren, neuen Fahrwerken, Hydraulik und Fernlenktechnik versehen.“

Besonderes für Hydraulikteile hat sich ein Nischenmarkt entwickelt, der kleinen Spezialherstellern ein Auskommen ermöglicht. „Das ist dann immer eine Herausforderung, diese Teile ans Modell anzupassen“, sagt Körting.

Einige Modelle sind auch komplett im Eigenbau entstanden, angefangen damit, dass der Modellbauer ein Chassis aus einem Aluminiumblock fräste. „An so einem Modell habe ich mal sieben Jahre gearbeitet“, sagt Körting.

Körting hat Feinmechaniker gelernt und sich zum Ingenieur fortgebildet. Das hilft ihm, ist aber keine Voraussetzung für’s Hobby. Neben ihm stehen Kaufleute, Verwaltungsangestellte und Informatiker.

Wenn diese Leute keine Modelle im Sand bewegen oder neue bauen, pflegen sie die alten. „Die Akkus halten heute länger, die Motoren werden kleiner und gleichzeitig leistungsfähiger, da rüstet man schon mal nach“, sagt Körting, „Ein Beispiel für den technischen Fortschritt ist, dass wir die Fahrzeuge mittlerweile alle mit Bluetooth steuern. Das ist weniger störanfällig als Analogfunk.“

Am 18.Juni feiert der TMC sein 30-jähriges Bestehen. Geplant ist eine große Baggerparty – wenn das Wetter mitspielt.