Harburg
Buchholz

Ein Buch über die Ehrenhalle

Buchpräsentation „Die Ehrenhalle der Nationalsozialisten“ Dr. Erhard Deisting (Geschichts- und Museumsverein, links), Herausgeber Gerhard Klußmeier, Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse

Buchpräsentation „Die Ehrenhalle der Nationalsozialisten“ Dr. Erhard Deisting (Geschichts- und Museumsverein, links), Herausgeber Gerhard Klußmeier, Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse

Foto: Corinna Panek / HA

Buchholzer Historikerhaben die Geschichte des umstrittene Bauwerks aufgearbeitet und dokumentiert.

Buchholz.  Während der Herrschaft der Nationalsozialisten war Buchholz eine Hochburg des Regimes. Hier residierte der Gauleiter Otto Telschow, auf dessen Initiative an der Bremer Straße eine tempelgleiche Ehrenhalle errichtet wurde.

Der Buchholzer Autor und Journalist Gerhard Klußmeier (76) hat nun in einer zweieinhalbjährigen Arbeit die Geschichte der Halle aufgearbeitet und gemeinsam mit dem Geschichts- und Museumsverein Buchholz als Buch herausgegeben. Das 254 Seite umfassende Werk wurde gestern im Rathaus vorgestellt.

Für den Geschichts- und Museumsverein ein Glücksfall: „Es gab immer mal Anfragen nach dieser Ehrenhalle, und wir mussten immer passen“, sagt der Vorsitzende Ehrhard Deisting. „Dass sich viele Dokumente noch beim Tostedter Amtsgericht befanden, hatten wir nicht geahnt.“

Dass Klußmeier sich auf Recherche begab, sei reiner Zufall gewesen: „Ein Bekannter zeigte mir ein Foto von der Halle und sagte, ‚die muss bei euch in Buchholz sein. Guck doch mal nach, ob es die noch gibt.‘ Ich habe dann in Tostedt angerufen und nach der Grundstücksakte gefragt. Es gab sie noch, mit der Aufschrift ‚Nicht vernichten. Historische Dokumente.‘“, berichtet Klußmeier.

Lange Zeit sei es allgemein nicht gern gesehen gewesen, die NS-Zeit lokal aufzuarbeiten, mit Rücksicht auf die noch lebenden Angehörigen. „Hier bei der Halle aber war es anders, da mit ihr keine NS-Verbrechen verbunden waren, mal abgesehen von der Gehirnwäsche und der Grundstücksenteignung.“

Die Halle sei beispielhaft dafür, wie raffinierte Demagogen die Menschen manipulierten, indem dort von Vorsehung und Gottesfügung gepredigt wurde. Der kirchenähnliche Charakter sei offensichtlich. Klußmeier hob außerdem die couragierte Tat des Schlachtermeisters Artur Löding hervor: Nachdem britische Soldaten die Halle nach Kriegsende abgebrannt hatten, richtete Löding dort eine Notschlachterei ein.

„Schneller, direkter und nachhaltiger hätte die Entweihung gar nicht gehen können“, so Klußmeier. In dem dort von den Nazis betriebenen Kult sieht er gar Parallelen zur heutigen Indoktrinierung religiös motivierter Terroristen, mit einem Unterschied: „Die Verführung hat erschreckend an Tempo zugenommen.“

Obwohl von der Halle bis auf ein Stück Fassade, an die ein Wohnhaus gebaut wurde, nichts mehr übrig ist, so haben auch jüngere Buchholzer noch Verbindungen dazu. Auch der Bürgermeister selbst: „Ein Schulfreund von mir hat dort gewohnt“, berichtet Jan-Hendrik Röhse.

Aus seiner Sicht als Anwalt und Notar sei der Schriftverkehr um die Halle sehr spannend. „Ein lohnenswertes und für Buchholz sehr wichtiges Buch“, so sein Fazit.

Das Buch „Die Ehrenhalle der Nationalsozialisten in Buchholz“ ist für 22 Euro in den Buchholzer Buchhandlungen, beim Geschichts- und Museumsverein sowie direkt beim PD Verlag Heidenau, ISBN978-3-86707-840-5 erhältlich.