Harburg
Harburg

Harburg tanzt – nicht nur in den Mai

Tanzlehrer Marcel Falk gibt den Discjockey

Tanzlehrer Marcel Falk gibt den Discjockey

Foto: Lars Hansen / xl

Die Harburger entdecken die Lust am Paartanz wieder. Als Freizeitvergnügen erleben Walzer, Foxtrott und Cha-Cha-Cha eine Renaissance.

Harburg.  Zum Tanz in den Mai laden heute viele Veranstalter in Harburg Stadt und Land. Bei den allermeisten legt ein Discjockey auf und die Gäste tanzen für sich. Paartanz schien lange abgemeldet zu sein – etwas für Senioren und Spießer. Doch das Tanzen erlebt eine Renaissance, die mancher schon als Boom bezeichnet, und das nicht erst seit „Let’s Dance“ im Fernsehen läuft.

Jeden Dienstagabend zum Beispiel ist der Saal des Harburger Veranstaltungszentrums „Rieckhof“ voll mit Tanzfreudigen. „Salsa Feelings“ heißt die Veranstaltung, sie geht nun schon in ihr 13. Jahr. „Ich kann hier alleine hinkommen und bin sofort in Kontakt mit anderen Menschen“, begeistert sich Julia Decke aus Neuwiedenthal. „Der Spaß am Tanzen verbindet, und Salsa zu tanzen ist grundsätzlich nicht schwer sondern eigentlich nur eine Sache des Gefühls.“

Für alle, die sich unsicher fühlen, gibt es zu Beginn der Salsa-Feelings um 19 Uhr eine halbe Stunde Einführungsunterricht, dann wird losgeschwoft. Einen Dresscode gibt es nicht. Bequeme Beinkleider und glatte Sohlen empfehlen sich für den Tanzkomfort, sind aber nicht verpflichtend.

Zwischen 30 und 50 Tänzerinnen und Tänzer sind jedes Mal dabei. Viele kommen zu zweit, aber fast genauso viele auch allein, so wie Julia Decke. „Ich sehe den Salsa-Abend nicht als Partnerbörse. Freundschaften haben sich hier allerdings durchaus schon ergeben. Und es gibt auch tatsächlich Paare, die sich hier gefunden haben“, sagt sie. „Aber das ist die Ausnahme.“

Szenenwechsel: Die Hamburg Dance Academy an der Stader Straße. Es ist der zweite Freitag im Monat – Tanznacht. „Love Is in the Air“ von John Paul Young klingt aus den Boxen, die Discokugel wirft bunte Lichtpunkte auf die Paare, die sich hier im Sechserschritt des Three Count Hustle – auf deutsch auch Discofox genannt – schieben und drehen. Die Tanzfläche ist voll, die Sitzecken belegt und auch an der Bar herrscht reger Betrieb. Etwa 50 Jacken und Mäntel hängen an der Garderobe. Tanzlehrer Marcel Falk hat als Gastgeber alle Hände voll zu tun: Getränke ausgeben, Fragen beantworten, Musik auflegen. Trotzdem nimmt er sich die Zeit für ein Gespräch.

„Wir machen das jetzt seit zehn Jahren“, sagt er. „Jeden zweiten Freitag im Monat findet die Tanznacht ohne Ausnahme statt. Sie ist offen für alle. Etwa die Hälfte der Gäste kommt aus unserer Tanzschule, der Rest der Leute kommt woandersher.“ Wichtig, so Falk sei es, dass die Menschen Spaß am Tanzen haben. Wenn man in die Gesichter derer blickt, die sich unter den bunten Strahlen der Spiegelkugel bewegen, sieht man, dass Torsten Falk dies gelungen ist.

Die Leute lächeln – kein festgeklebtes Turniertänzergrinsen, sondern ein zufriedenes Wohlfühllächeln aus dem innersten des Gemüts. Zugegeben, der Vergleich ist unfair: Turniertänzer sind Leistungssportler und deshalb stets an der Grenze ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit unterwegs. Da kann das Lächeln schon mal gequält wirken. Der Schwofer hingegen kann Pausen einlegen oder einen Gang zurückschalten, wenn es ihm beliebt.

Einen sportlichen Aspekt hat allerdings auch das Freizeittanzen. Nicht umsonst haben auch Harburgs Turnvereine Tanz im Breitensportkanon. „Wenn wir einen Abend lang tanzen, machen wir mindestens so viele Schritte, wie andere, wenn sie eine Runde über den Golfplatz drehen“, sagt Ralf Seite, der mit seiner Frau Monika zur Tanznacht gekommen ist. „Und die Golfer behaupten, dass sie mehr laufen, als die Fußballer.“

Die Bewegung ist aber nur ein Grund, warum die Seites zur Tanznacht kommen. „Uns geht es um die Geselligkeit. Wir haben Kinder und kommen nicht viel zusammen raus. Die Tanznacht hier und einige ähnliche Veranstaltungen in Hamburg sind da eine gute Gelegenheit. So lernen wir auch viele Leute kennen, die genau wie wir gerne tanzen.“

Die Atmosphäre ist zwanglos. „Das geht auch gar nicht anders“, sagt Marcel Falk, „die Hälfte der Gäste kommt aus unserem Discofox-Kursus, Die könnte ich gar nicht zu Schlips und Jackett überreden – und will es auch nicht. Die Leute sind alle vernünftig genug, um Schuhe zu tragen, die dem Parkett nicht schaden. Mehr Bekleidungsregeln brauchen wir auch nicht.“

Senioren und Spießer sucht man bei der Tanznacht übrigens vergebens. Das Gros der Gäste ist zwischen 35 und 55. „Vielleicht wirken einige aber auch nur so“, sagt Falk. „Immerhin hilft Tanzen ja, jung zu bleiben.“