Harburg
Winsen

„Zeigen Sie mir, wie ich eine SMS schreibe?“

Jannis Beck, Mika und Bennet Wilhus (v.l.) helfen Senioren beim Umgang mit dem Mobiltelefon

Jannis Beck, Mika und Bennet Wilhus (v.l.) helfen Senioren beim Umgang mit dem Mobiltelefon

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Bei der Handysprechstunde für Senioren im Familienbüro Winsen erklären Jugendliche älteren Menschen die Welt der Mobiltelefone.

Winsen.  Sie könnten darüber schmunzeln, weil es für sie so vertraut ist wie Fernsehen oder Radfahren. So alltäglich wie Zähneputzen oder Duschen. Sie tun das quasi im Schlaf, ohne überhaupt darüber nachzudenken. Jannis (17), Mika (15) und Bennet (20) haben sich noch nie gefragt, wie das funktioniert, eine SMS zu schreiben, eine App runterzuladen oder einen neuen Kontakt anzulegen. Die Jungs sind mit dem Mobiltelefon und seinen Funktionen groß geworden. Für sie ist alles Technische ganz einfach.

Sie schmunzeln aber nicht, wenn jemand zu ihnen in die Handysprechstunde kommt, der Fragen hat. Der nicht weiß, wie man ein Google-Konto einrichtet, E-Mails auf dem I-Phone löscht oder ein Foto versendet. Sie nehmen die Fragen ernst und sich die Zeit, zuzuhören und zu erklären. Die drei gehören zum Team der ehrenamtlichen Jugendlichen, die einmal im Monat die Handysprechstunde für Senioren im Familienbüro Winsen anbieten. Jeden ersten Sonnabendvormittag im Monat sind sie vor Ort, um geduldig jede noch so einfache oder aber auch komplizierte Frage zu beantworten.

So wie die von Ilse Möller. Sie ist 77 Jahre alt und erst vor zwei Monaten nach Winsen gezogen. Weil ihr Mann verstorben ist, hat sie sich ein Handy angeschafft, um immer jemanden erreichen zu können. Es ist ein Gerät mit großen Tasten und fettgedruckten Zahlen darauf. „’Mutti, das ist ganz einfach zu bedienen’, hat meine Tochter gesagt“, erzählt sie.

„Doch als sie mir erklärte, wie das Ding funktioniert, habe ich nur Bahnhof verstanden.“ Weil sie sich nicht traut, nachzufragen, und weil die eigenen Kinder viel zu ungeduldig beim Erklären sind, ist sie mit dem Handy zur Sprechstunde ins Familienbüro gekommen. „Können Sie mir zeigen, wie ich eine SMS schreibe?“, fragt sie die Jungs.

Das können sie, natürlich. Schritt für Schritt erklären sie Frau Möller, wie sie ins Menü kommt, welche Tasten sie drücken muss, um zu schreiben, wo sie die Kontakte für die Kurznachricht anwählen und diese versenden kann.

20 Minuten dauert die Beratung. Dann verlässt die Rentnerin dankbar das Familienbüro, nicht ohne vorher noch ein Trinkgeld zu geben. Die Jungs nehmen den Schein gern an. Viel wichtiger aber als der Obolus ist ihnen das Gefühl, erfolgreich geholfen zu haben. „Es macht Spaß, sich mit den älteren Leuten zu unterhalten und deren Probleme zu lösen“, sagt Mika Wilhus.

Der Gymnasiast, der später einmal Wirtschaftspsychologie studieren möchte, steht dafür auch am Sonnabend gern etwas früher auf. Weil es ihm wichtig ist, neben seinen Hobbys Leichtathletik, Bogen- und Luftgewehrschießen, ein Ehrenamt auszuüben. Auch Bruder Bennet ist dabei. In der Woche fährt er um Viertel nach sieben in der Frühe zur Arbeit.

Doch anstatt sich am Sonnabend auszuschlafen, ist er um neun im Familienbüro zur Stelle. „Ich möchte der Gesellschaft durch mein Engagement etwas geben“, sagt er. „Ist doch super, dass ich das mit etwas tun kann, was mir selbst Freude macht.“ Ähnlich sieht das auch Jannis Beck. „Wie profitieren schließlich auch von der älteren Generation und deren Erfahrungen“, sagt der 17-Jährige.

Initiiert hat das Projekt die Leiterin des Familienbüros Susanne Möller. Weil sie oft miterleben musste, wie ratlos die Senioren vor der neuen Technik standen. Also mobilisierte sie ihre Söhne. Kurze Zeit später kam Mika dazu, dann auch sein Bruder und schließlich Freund Jannis. Manchmal hilft auch FSJ-lerin Felicitas Röhrich mit. Doch meistens bleiben die Jungs unter sich.

Drei Stunden dauert ihr Einsatz. Sie haben Antiviren-Programme runtergeladen, erklärt, welche Apps auf dem Handy sind und was gelöscht werden kann, sie haben Klingeltöne verstellt und versucht, einen Notrufknopf zu deaktivieren. Um zwölf ist Feierabend. Die Handyhelfer gehen ihrer Wege. Bennet will entspannen, Jannis im Supermarkt arbeiten, Mika ein paar Freunde treffen. Schnell noch mal die Nachrichten checken. Dann geht’s los.

Die Handysprechstunde für Senioren findet jeden ersten Sonnabend im Monat von neun bis zwölf Uhr im Familienbüro Winsen, Schlossplatz 1, statt. Die Beratung ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Infos gibt es im Familienbüro unter Tel.: 04171-657114.