Harburg
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Ein Schultag im Zeichen Europas

Diskutierten über Europa: Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums

Diskutierten über Europa: Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums

Foto: Katharina Geßler / HA

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank im Dialog mit Schülern des Immanuel-Kant-Gymnasiums.

Harburg.  Das Immanuel-Kant-Gymnasium in Sinstorf hat die Nase vorn: Als erste Schule gestaltete sie gestern einen Projekttag zum Thema Europäische Union. Im Rest Hamburgs sowie bundesweit wird die Aktion, übrigens die zehnte dieser Art, erst am Montag, 2. Mai, umgesetzt. Dann allerdings in gleich 20 Schulen der Hansestadt.

Dass das Immanuel-Kant-Gymnasium mit seinem Aktionstag vorgeprescht ist, mag Ehrensache sein, denn seit 2001 ist es Harburgs einzige Europaschule – eine von insgesamt vier in der gesamten Hansestadt. Internationale Kontakte werden gepflegt, Sozial- und Berufspraktika im Ausland gehören ebenso zum Angebot für die 650 Schüler wie ein Spanisch-Austauschprogramm.

Dass das Gymnasium zu einem der ersten in Harburg gehörte, das zwei Internationale Vorbereitungsklassen für zur Zeit 27 Flüchtlingskinder einrichtete, ist mithin so etwas wie eine logische Folge dieser schulischen Prägung.

Zum Wesen des Projekttages gestern gehörte es, dass das Gymnasium seine Türen sperrangelweit öffnete für Gäste. Schulleiter Sönke Törper freute sich über den Besuch von Schülern des Gymnasiums Heisenberg sowie der Stadtteilschule Am Hafen mit Standorten auf St. Pauli, in der Neustadt sowie in Altona-Altstadt.

In unterschiedlichen Workshops setzten sich die Schüler unter anderem mit der Frage auseinander: „Was kann ich für Europa tun?“ Mit Jugendvertretern unterschiedlicher Parteien sowie dem Bürgerschaftsabgeordneten Sören Schumacher, Fachsprecher für Europapolitik der SPD-Fraktion, diskutierten sie über Flucht, Integration und Migration oder das Wesen Europas: eine Werte- oder Vertragsgemeinschaft? Für Schumacher übrigens eine Begegnung mit den eigenen Wurzeln: von 1986 bis ‘95 war er selbst Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums.

Zum krönenden Abschluss dann der Besuch der Zweiten Bürgermeisterin. Katharina Fegebank (Grüne) staunte nicht schlecht über das Engagement der Schüler, die ihr in der Schulaula die Ergebnisse ihrer Projektarbeit präsentierten. Sie unterstrich, wie notwendig die Auseinandersetzung mit Europa gerade jetzt ist: „Wir befinden uns an einem Scheideweg. Viele machen sich Sorgen, da ist es besonders wichtig, dass eure Generation Hoffnung verbreitet.“

Es gelte, den europäischen Gedanken als Friedensprojekt zu begreifen und aufrecht zu erhalten: „Deshalb müsst ihr euch mit Solidarität und Integration beschäftigen. Auf euch liegt eine große Verantwortung.“

Ihr eindringlicher Appell: „Nehmt euer Herz in die Hand und geht raus in die Welt.“ Die Erfahrungen, die man dabei sammle, seien prägend für das ganze Leben: „Es verändert euren Blick – auf das eigene Land, die Heimatstadt und auf sich selbst.“

Die Grünen-Politikerin rief den Schülern das Motto der Europäischen Union in Erinnerung: „In Vielfalt geeint“, lautet es seit dem Jahr 2000. Es bringt zum Ausdruck, dass sich die Europäer in der EU zusammengeschlossen haben, um sich gemeinsam für Frieden und Wohlstand einzusetzen, und dass gleichzeitig die vielen europäischen Kulturen, Traditionen und Sprachen den gesamten Kontinent bereichern.

Dazu passt die Mahnung des Namensgebers des Sinstorfer Gymnasiums, des Philosophen Immanuel Kant († 1804), die schön gerahmt einen der Schulflure ziert: „Es soll kein Krieg sein, denn das ist nicht die Art, wie jedermann sein Recht suchen soll.“ Eine Einsicht, die an Aktualität bis heute keinen Deut verloren hat – aber viel zu wenig Beachtung findet.