Harburg
Harburg

SPD will Notfallpraxis für Harburg

Ein Fall für die Notaufnahme, aber zum Glück nur eine Übung. Viel zu viele Menschen wenden sich allerdings mit Lappalien an die Notaufnahmen

Ein Fall für die Notaufnahme, aber zum Glück nur eine Übung. Viel zu viele Menschen wenden sich allerdings mit Lappalien an die Notaufnahmen

Foto: Andre Zand-Vakili ãbung / AndrÈ Zand-Vakili ãbung

Außerhalb der ärztlichen Sprechzeitenwenden sich zu viele Menschen an die Notaufnahmen der Krankenhäuser.

Harburg.  Für Harburger, die außerhalb der ärztlichen Sprechstunden erkranken oder sich verletzen, führt der erste Weg oftmals in die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Dort erleben sie nicht selten lange Wartezeiten, bevor ihnen geholfen wird. Viele dieser Patienten könnten aufgrund ihrer Beschwerden auch in einer Arztpraxis behandelt werden.

Das sagte Marco Walker, Geschäftsführender Direktor des Asklepios Klinikums Harburg, dem Gesundheitsausschuss der Bezirksversammlung. Die SPD-Fraktion nimmt dies zum Anlass, eine Notfallpraxis als zentrale ärztliche Anlaufstelle in Harburg zu fordern.

Solche Praxen arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich in Farmsen und Altona. Sie werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) betrieben, um Patienten außerhalb der regulären Sprechzeiten zu versorgen.

Zudem gibt es an vier Krankenhäusern einen kinderärztlichen Notfalldienst der KVH, auch an der Helios-Klinik Mariahilf an der Stader Straße. Die KVH bietet außerdem einen Fahrdienst in allen Hamburger Stadtteilen, also auch in Harburg, an. Er kommt außerhalb der Sprechzeiten zu den Patienten nach Hause, wenn dies medizinisch geboten ist. Das wird vorab in einem Telefongespräch geklärt.

Dennoch landeten viele Patienten, die eigentlich mit einer hausärztlichen Versorgung besser behandelt werden, in der Notaufnahme der Krankenhäusern, sagt Katharina Gajewski, Fachsprecherin des SPD-Arbeitskreises für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. Zum Beispiel in der Notaufnahme im Asklepios Klinikum Harburg. Es versorgt nach Angaben von Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz im Schnitt täglich etwa 120 Patienten.

„Knapp die Hälfte der Patienten stellt sich mittlerweile selbst in der Notaufnahme vor, das heißt: Sie kommen zu Fuß, mit dem Auto oder dem Taxi, also nicht mit dem Rettungswagen.“ Die Zahl der Notfallpatienten sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen; allein 2015 habe der Anstieg zehn Prozent betragen. Besonders auffällig sei die Zunahme von sogenannten Bagatellfällen.

Wie groß die Chance ist, dass die Harburger eine Notfallpraxis bekommen könnten, will KVH-Sprecher Jochen Kriens nicht konkret sagen: „Die KV verhandelt momentan aufgrund gesetzlicher Vorgaben mit allen Beteiligten, speziell mit der Gesundheitsbehörde, wie die ambulante Notfallversorgung in Hamburg optimiert werden kann. Dabei wird der SPD-Antrag berücksichtigt werden.“ Mit Ergebnissen rechnet Kriens „im Laufe des Jahres“.

Der stellvertretende Vorsitzende der KVH Stephan Hofmeister äußerte sich vor gut einem Jahr zu dem Thema: „Würde man die Zahl der Notfallpraxen erhöhen. müsste man den fahrenden Notfalldienst aufgeben“, hieß es damals. Das hätte eine „spürbare Verschlechterung der Versorgung außerhalb der Praxisöffnungszeiten zur Folge“, warnte Hofmeister. Die Folge: Lokalpolitiker würden sich für die Einrichtung weiterer Notfallpraxen stark machen – so wie jetzt in Harburg.

Aus Sicht Hofmeisters sei in Notaufnahmen der Krankenhäuser die Gefahr größer, dass die Patienten überversorgt werden: „In der Klinik ist alles sofort verfügbar. Es gibt eine hochgerüstete Infrastruktur, deren Inanspruchnahme in jedem Fall bezahlt wird. Das senkt die Schwelle zur Überversorgung – zu Lasten des vertragsärztlichen Honorarbudgets.“

Ein potenzieller Standort für eine Harburger Notfallpraxis ist schon in Sicht: „Asklepios würde es begrüßen, wenn es künftig auch im Bezirk Harburg eine von der kassenärztlichen Vereinigung organisierte Notfallpraxis geben würde“, sagt Kliniksprecher Eberenz, „idealerweise in unmittelbarer Nähe der Klinik. Entsprechende Räumlichkeiten kann die Klinik zur Verfügung stellen.“