Verkehr

Harburg erhält eine Fahrradzählstation

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Lars Hansen
Radler Frederik Mittendorff am Harburger Ring. In Harburg fahren deutlich weniger Menschen Rad als in den meisten Stadtteilen nördlich der Elbe

Radler Frederik Mittendorff am Harburger Ring. In Harburg fahren deutlich weniger Menschen Rad als in den meisten Stadtteilen nördlich der Elbe

Foto: Lehmann / HA

Der Hamburger Senat will den Radverkehr im Stadtteil fördern. Die Bezirkspolitiker fordern allerdings die Planungshoheit.

Harburg.  Geht es nach dem Büro von Hamburgs Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue, erhält Harburg eine Fahrradzählstation. Jeder Bezirk sollte mindestens eine haben, heißt es im Entwurf für ein „Bündnis für den Fahrradverkehr“, das der Senat mit den Bezirken schließen will, um den beinkraftbetriebenen Zweiradverkehr in der Hansestadt zu fördern. Die Harburger Zählstation soll an der Radwegekreuzung Neue Straße/Harburger Ring errichtet werden.

Die Pläne des rot-grünen Senats stoßen bei der rot-schwarzen Koalition im Harburger Rathaus allerdings auf wenig Gegenliebe: SPD und CDU in der Bezirksversammlung lehnen nicht nur die Zählstation ab, sondern auch zahlreiche andere Aspekte des Entwurfs.

Insbesondere möchte die Koalition die Entscheidungskompetenz im Bezirk behalten und verbindliche Zusagen darüber, wie die Verbesserung des Radverkehrs finanziert und personell ausgestattet werden soll. Die Entscheidungskompetenz ist dabei der Aspekt, den die CDU bei der Antragsvorstellung mehr betonte, die Finanz- und Stellenfragen waren Schwerpunkt bei der SPD.

Eine Zählstation gibt es bereits: Sie befindet sich im Bezirk Mitte an der Alster auf Höhe der Gurlittinsel, und auch sie ist umstritten: Just am Montag ereiferte sich der Bund der Steuerzahler darüber, dass die mit 22.000 Euro veranschlagte Anlage 31.000 Euro gekostet habe und in Augen des Steuerzahlerbundes nicht viel mehr, als ein störanfälliges Prestigeobjekt sei.

Die CDU schlägt in dieselbe Kerbe: „Das Geld, das diese Anlage kostet, soll lieber gleich in Radwege oder Fahrradspuren investiert werden“, sagt Rainer Bliefernicht, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU in der Bezirksversammlung und Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Auch er berichtet, dass die Zählsäule an der Alster unzuverlässig sei: „Ich habe gehört, dass die Säule des Öfteren auch Hunde und Kinderwagen als Fahrräder zählt“, sagt er.

Vor allem will seine Partei aber die Planungskompetenzen im Bezirk behalten. Dabei geht es nicht nur ums Radeln: Die Straßenbauplanung ist eines der wenigen Felder, auf denen der Bezirk gegenüber dem Senat eine relative Autonomie genießt. „Man spürt im Entwurfstext Zentralisierungsbestrebungen und dem muss man entschieden entgegentreten“, sagt er.

„Das Wissen um die Verhältnisse vor Ort liegt in den Bezirken und muss die Planungen bestimmen.“ Als Beispiel führt er die geplanten zwei Velo-Routen im Bezirk an. So hatte die Velo-Route 10 mit dem Endpunkt Neugraben in Harburg zunächst über den Schwarzenberg geführt werden sollen, um die B 73 zu meiden. „Dabei wurde aber die Topographie völlig außer Acht gelassen“, sagt Bliefernicht.

„Der Schwarzenberg ist steil und hoch. Diese Route nehmen normale Bürger nicht freiwillig mit dem Fahrrad.“ Die geplante Streckenführung ist mittlerweile auf Vorschlag des Bezirks geändert. An anderen Stellen konnten kompetente Bezirksabgeordnete und -beamte die Streckenplanung dafür von der B73 weg ins Grüne verlagern.

Jürgen Heimath, Fraktionsvorsitzender der SPD, kritisiert, dass der Entwurf zwar viele Ziele festschreibt, aber kaum Umsetzungen skizziert und erst recht die Frage der Ressourcen ausklammert. „Eines ist klar“, sagt er: „der Bezirk hat weder das Geld, noch das Personal, die Ziele des Bündnisses umzusetzen. Da muss geklärt werden, wo das herkommt.“

Was die Velo-Routen angeht, wird der Entwurf konkret: 68 Prozent der von Velo-Routen genutzten Wege seinen Bezirksstraßen, heißt es dort. Entsprechend sollten die Bezirke auch 68 Prozent der Wegebaulast tragen. So mancher Harburger Kommunalpolitiker wird sich da die Velo-Route nach Neugraben zurück an die Bundesstraße 73 wünschen. Gegenüber anderen Bezirken hat Harburg Nachholbedarf, was die Radverkehrsquote am Gesamtverkehr angeht.

Sie dümpelt seit Jahren bei fünf Prozent. Hamburgweit sind es 12 Prozent. Angestrebt wird eine Quote über 20 Prozent. Rainer Bliefernicht erklärt das mit der Weitläufigkeit des Bezirks. „Es setzt sich ja keiner in Cranz aufs Rad um zum Phoenix-Center zu fahren“, sagt er.

Der Harburger SPD hingegen ist durchaus an einer Erhöhung der Fahrradquote im Bezirk gelegen. So würde sie gerne Harburg um eine Fahrradstation nach Bergedorfer Vorbild bereichern – nicht, um die Velos zu zählen, sondern um sie dort pflegen und warten lassen zu können, während man mit der S-Bahn weiterpendelt oder in der Stadt shoppen geht.

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