Harburg
Winsen

Die Posse um den „gestohlenen“ Bierwagen

Schankwagenbetreiber Jens Lindenbeck beim Hafengeburtstag

Schankwagenbetreiber Jens Lindenbeck beim Hafengeburtstag

Foto: Jens Lindenbeck / HA

Polizei und Gastronom glaubten an Diebstahl. Doch der Grund für das Verschwinden des Schankwagens ist ein anderer.

Winsen.  Hobby-Gastronom Jens Lindenbeck kann es nicht fassen. Sein Bierschankwagen mit der grünen Aufschrift „Becks“, der kurz vor Ostern direkt vor seinem Grundstück am Gehrdener Deich in Winsen verschwunden ist (wir berichteten), ist wieder aufgetaucht.

Und das Verrückteste: Es war gar kein Diebstahl, wovon Lindenbeck und die Polizei felsenfest überzeugt waren. Jetzt stellte sich heraus: Die Brauerei hat den Wagen vor Lindenbecks Grundstück abschleppen lassen, weil der Landkreis Harburg die Brauerei dazu schriftlich aufgefordert hatte.

„Es ist unglaublich“, sagt Lindenbeck, der nicht daran geglaubt hatte, seinen Wagen jemals wiederzusehen. Wie berichtet, war der 3,50 Meter lange Wagen am helllichten Tag vor den Augen von Lindenbecks Nachbarn von einer Frau mit Warnweste und zum Zopf gebundenem Haar in aller Seelenruhe an einen Abschleppwagen angekoppelt und so „entwendet“ worden. Lindenbeck war zu dem Zeitpunkt in Buchholz. Als er kurz darauf nach Hause kam, war der Wagen vor seinem Grundstück fort.

Bierwagen wurde nach Bremen abgeschleppt

Der Hobby-Gastronom, der den Schankwagen seit mehreren Jahren in Kommission betreibt, ging von einem „dreisten Diebstahl“ aus – und erstattete bei der Kripo in Winsen Anzeige gegen Unbekannt. Die Polizei fahndete daraufhin öffentlich nach dem auffälligen Gefährt. Seit das Abendblatt über den Fall berichtete, war der mysteriöse „Schankwagen-Raub“ Gesprächsthema im 500-Seelen-Dorf Gehrden.

„Immer wieder wurde ich darauf angesprochen“, sagt Lindenbeck. „Nun hat mich die Polizei angerufen und mir gesagt, dass der Wagen wieder da ist. Sie sagten, dass es kein Diebstahl sei, sondern der Wagen im Auftrag der Brauerei nach Bremen abgeschleppt worden ist.“ Daraufhin habe er sich sofort mit der Brauerei in Verbindung gesetzt.

Aber warum hat die Brauerei den Wagen abgeschleppt? „Der Landkreis Harburg hat uns am 14. März schriftlich aufgefordert, den Bierwagen bis Ostersonntag von dem öffentlichen Grundstück an der Kreisstraße zu entfernen“, sagt Peter Hilpert, der Fuhrparkmanager der Brauerei. Das Schreiben des Landkreises liegt dem Abendblatt vor. Darin droht der Landkreis unmissverständlich, den Wagen fortzuschleppen – was für die Brauerei zusätzliche Kosten und zudem möglicherweise eine empfindliche Strafe wegen „unerlaubten Werbens im öffentlichen Verkehrsraum“ bedeutet hätte.

Warum meldete sich der Landkreis nicht bei Lindenbeck?

Die Brauerei habe daraufhin versucht, mit dem Pächter des Wagens in Kontakt zu treten, so Hilpert. Vergeblich. In den Firmenunterlagen der Brauerei sei als Pächter des Wagens lediglich ein Hinweis auf die Firma Ducke in Trappenkamp zu finden, die 2014 Insolvenz anmelden musste. Nicht jedoch auf Jens Lindenbeck, der den Wagen eigenen Angaben zufolge vor längerer Zeit von der Firma Hamburg Event übernommen hatte. Daraufhin habe man sich kurzerhand entschlossen, den Wagen abholen zu lassen.

Und so blieb es der Fahrerin des Abschleppwagens an jenem Dienstagvormittag verborgen, dass hinter dem Jägerzaun vor Lindenbecks Grundstück der rechtmäßige Besitzer des Wagens wohnt. „Hätte jemand an meiner Haustür geklingelt, hätte ich den Wagen weggenommen und auf meinem Hof hinter dem Haus geparkt“, sagt Lindenbeck, der nicht versteht, warum sich der Landkreis bis heute nicht an ihn gewendet hat.

„Spätestens nach dem Zeitungsbericht und der öffentlichen Fahndung muss doch jedem klar gewesen sein, dass ich der Besitzer des Wagens bin“, sagt er. Vom Landkreis heißt es zu dem ominösen Abschleppvorgang lediglich, dass man wegen eines „weiteren aktuellen Falles unerlaubter Werbung im öffentlichen Straßenraum in der Nähe“ auf den Becks-Wagen am Straßenrand in Gehrden aufmerksam geworden sei.

Bierwagen-Posse hat Happy End für Besitzer

„Wir haben keine Zustimmung zur Nutzung des Wagens zur Werbung im öffentlichen Verkehrsraum erteilt“, sagt Jens Freudewald, der Sprecher des Landkreises dem Abendblatt. „Deshalb wurde der Eigentümer von uns veranlasst, den Wagen zu entfernen. Im Nachhinein freuen wir uns, dass die Besitzverhältnisse geklärt wurden und der Besitzer den Wagen wiederbekommt.“

Für Lindenbeck ist das nicht ganz nachvollziehbar. Immerhin steht seit Schankwagen seit Jahren vor seiner Haustür, was jeder im Ort weiß und ohne dass sich jemand daran störte. Warum der Landkreis ausgerechnet jetzt auf die Idee kam, das der Wagen weg muss, ist für ihn nicht nachvollziehbar. „In Zukunft werde ich ihn auf meinem Hof parken. Hoffentlich ist das nicht auch unerlaubte Werbung“, sagt er und schmunzelt.

Immerhin hat die Sache für ihn etwas Positives. „Ich habe mich mit der Brauerei nun endlich darauf geeinigt, dass ich den Schankwagen kaufen kann“, sagt der Hobby-Gastronom. Und was er selbst noch nicht weiß: „Nach der ganzen Aufregung werden wir die Schanktechnik des Wagens auf den neuesten Stand bringen. Damit alles tipptopp ist, wenn Herr Lindenbeck ihn übernimmt“, verspricht Beck’s-Manager Hilpert.