Harburg
Jubiläum

Norbert Böttcher gibt seit 25 Jahren den Ton an

Das Klavier im Konferenzzimmer von Norbert Böttcher gehört dem Krankenhaus. „Aber ich halte es spielbereit“, versichert der Geschäftsführer

Das Klavier im Konferenzzimmer von Norbert Böttcher gehört dem Krankenhaus. „Aber ich halte es spielbereit“, versichert der Geschäftsführer

Foto: Rolf Zamponi / HA

Der 60-Jährige feiert Jubiläum als Chef der Kreis-Krankenhäuser. Heute wird das neue Diagnose-Zentrum eröffnet.

Buchholz/Winsen.  Die Tür zum Konferenzzimmer öffnet sich und der erste Blick fällt – auf ein Klavier. Auf dem Notenpult: Beethoven. Der Pianist hat sich Zeit genommen für das Abendblatt und verrät, dass bei ihm zu Hause auch ein solches Instrument steht. Er hat es mit neun Jahren geschenkt bekommen und nutzt es noch immer. „Nur habe ich zu wenig Zeit, um zu spielen“, sagt Norbert Böttcher.

Kein Wunder: Böttcher, 60, ist seit Anfang April seit 25 Jahren Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft des Landkreises Harburg. und damit Chef von 1600 Mitarbeitern, darunter knapp 20 Chefärzte. Eine Aufgabe, die für ihn maßgeschneidert scheint. „Ich würde es immer wieder machen“, sagt Böttcher. Und allenfalls eine Handvoll Kollegen dürften niedersachsenweit auf eine ähnlich hohe Verweildauer in vergleichbaren Positionen kommen.

Böttcher ist Kieler, hat dort sein Abitur bestanden und seinen Zivildienst in einem Pflegeheim abgeleistet. Nach zwei Semestern Musikwissenschaft wechselte er und schloss sein Studium zum Wirtschafts-Ingenieur in Hamburg ab. Es folgte ein Jahr als Assistent des bundesweiten Verkaufsdirektors bei Philips.

Die entscheidende Wende brachte für ihn ein Trainingsprogramm des kirchlichen Berufs- und Bildungswerkes deutscher Krankenhäuser, die Führungsnachwuchs suchten. Gesteuert von Zentrale in Essen war er zwei Jahre lang Assistent der Geschäftsführung in drei Häusern und konnte mit 29 Jahren als Verwaltungsdirektor bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf starten. „Damals“, erinnert er sich, „waren Krankenhäuser eine nicht beachtete Branche.“

Das hat sich schon wegen der Kostenexplosion im Gesundheitswesen und dem demografischen Wandel gründlich geändert. Böttchers Dienstjahre zeigen dabei den Weg zur Hochleistungsmedizin auf, die es heute möglich macht, in den beiden Kreis-Krankenhäusern Schlaganfall-Patienten oder auch Menschen mit Bauchspeichel- und Speisenröhrenkrebs nach den höchsten Standards zu behandeln oder als Trauma- und Prothesenzentrum zu arbeiten.

Damit können die Häuser gut mit Gesundheitskonzernen oder Unikliniken mithalten. Mit dem neuen Notfall-Diagnostik-Zentrum (Info rechts) kommen nun weitere Leistungen hinzu. „Wir müssen die Zahl unserer Betten in beiden Häusern nun um 40, also etwa zehn Prozent erhöhen“, gibt Böttcher die Strategie vor. Das soll bis Mitte 2017 geschafft sein.

Gleichzeitig mit dem Wandel haben die Häuser immer schwarze Zahlen geschrieben. Bei einem Etat von 110 Millionen Euro, den Böttcher verwaltet, lag der Überschuss zumeist um die zwei Millionen Euro. Weil die Häuser als gemeinnützige GmbH geführt werden, bleiben die Gewinne im Unternehmen. „Es ist die richtige Rechtsform, weil wir kurze Entscheidungswege haben und nicht erst durch verschiedene Gremien müssen.“

So konnte der Landkreis, nachdem die Privatisierung des Genossenschaftlichen Krankenhauses gescheitert war, noch einspringen. „Es musste etwas geschehen“, sagt Böttcher, der maßgeblich an der Übernahme durch den Landkreis gearbeitet hat. Gut 100 der 126 Mitarbeiter wurden in Winsen und Buchholz übernommen.

Jetzt sollen in dem Haus, in dem eine internistische Praxis angesiedelt ist, neue Anbieter einziehen. „Wir denken an Tagespflege, Physiotherapie, Heilpraktiker, Ergo- und Musik-Therapie.“ Noch in diesem Jahr sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Als Wirtschaftswissenschaftler zollt Böttcher den leitenden Ärzten hohem Respekt. „Die haben scharfe Auswahlverfahren hinter sich und können viel“, sagt er. Entscheiden über die Investitionen muss am Ende er und er weiß: Er kann es nicht immer allen Recht machen. Doch der Kurs des Krankenhausmanagers kam bislang gut an: „Ich habe in 25 Jahren keine Niederlage bei den Abstimmungen in den Aufsichtsgremien hinnehmen müssen.“ Kollegen würden ihn häufig sogar um den Landkreis als den Gesellschafter der Krankenhäuser beneiden.

„Wir gelten als attraktiver Arbeitgeber, weil wir bei den Mitarbeitern auf Motivation, Zusammenarbeit und Eigenverantwortung setzen“, sagt Böttcher. Die Fluktuation sei niedrig und viele „genießen es in Krankenhäusern zu arbeiten, die der Bevölkerung gehören“ und bei denen man nicht als Aktionär auf den „wirtschaftlichen Erfolg wetten“ könne.

Böttcher fühlt sich wohl, kein Zweifel. Auch wenn auch künftig wenig Zeit für Feodora sein wird – seine 19-jährige Stute. Genau wie für das Klavier sind auch die Stunden für Ausritte einfach zu knapp.