Harburg
Musical

Christian Berg: „Ich bin Volksschauspieler“

Intendant, Schauspieler und Regisseur Christian Berg im Hamburger Sprechwerk

Intendant, Schauspieler und Regisseur Christian Berg im Hamburger Sprechwerk

Foto: Mark Sandten / HA / Mark Sandten

Die Wiederaufnahme von „Oliver Twist“ am Harburger Theater bringt Neues. Was, verrät Christian Berg.

Harburg.  Christian Berg und das Harburger Theater haben eine besondere Beziehung zueinander: Von dem Schauspieler, Regisseur und Autoren stammen Musicals, die an der Bühne in Harburg Uraufführung feierten. In einem Interview vor den Proben zu dem Familienmusical „Oliver Twist” sagt er, was die Wiederaufnahme Neues bringt. In der Helms-Lounge ist Fleisch sein Gemüse: Der 49-Jährige bestellt Lamm - ohne Salat.

Hamburger Abendblatt: Was passiert noch bei den Proben, bevor „Oliver Twist” am 22. April zur Wiederaufnahme ans Harburger Theater kommt?

Christian Berg: Wir haben insgesamt sechs Tage, um Choreografie, Musik und szenische Bilder einzustudieren. Wir stehen vor der großen Herausforderung, drei neue Darsteller zu inte­grieren. Saskia Marie Senne übernimmt die Rolle des Oliver Twist. Ich habe den einen oder anderen Gag neu inszeniert. Wer Oliver Twist in Harburg erlebt, wird viel Neues zu sehen bekommen.

Sie sind Schauspieler und Regisseur zugleich, eine komfortable Situation. Wer darf Einfluss auf Ihr Spiel nehmen?

Berg: Ich habe einen guten Freund, den schwedischstämmigen Schauspieler Petter Bjällö. Auf seinen Rat lege ich Wert. Dazu habe ich eine Dramaturgin an der Seite, Anke Kell. Was sie sagt, ist mir wichtig. Das ist insofern besonders, weil ich bisher öfter mit Dramaturgen aneinander geraten bin. Ich vergleiche mich mit einem Möbeltischler. Der verrichtet ein Handwerk und weiß aus dem Effeff, ein Möbelstück zu bauen. Und ich weiß aus dem Effeff, ein Theaterstück zu machen.

Was unterscheidet ein Familienmusical von einem Musical?

Berg: Familienmusical ist ein Begriff, der zur Vermarktung dient. Ich sage immer, ich mache Musiktheater. Mittlerweile besucht die dritte Generation meines ursprünglichen Publikums meine Theaterstücke. Omas, Opas, Tanten und Enkel kommen dabei zusammen. Ich habe ein gewachsenes Publikum. Ich mache Familienunterhaltung. Eigentlich bin ich ein Volksschauspieler, in der Form, dass ich alle Generationen zusammenbringe.

Können Sie sich vorstellen, ein heute bei jungen Leuten erfolgreiches Buch als Familienmusical zu inszenieren. Die „Tribute von Panem” von Suzanne Collins zum Beispiel?

Berg: Bei mir muss es immer eine gute literarische Vorlage geben. „Die Tribute von Panem”, denke ich, zählt nicht in diese Kategorie. „Oliver Twist” von Charles Dickens ist mit seiner Thematik, dem Recht auf Heimat, hochaktuell.

Sie haben den Beruf des Clowns gelernt. Erwartet man von Ihnen, lustig zu sein?

Berg: Wenn ich im Gespräch diesen Erwartungsdruck spüre, dann sage ich das. Aber ich bin sehr gerne derjenige, der für die Kinder spielt. In „Oliver Twist” bin ich aber nicht mehr der Clown. Die Figur des Bandenbosses Fagin, die ich spiele, ist ja nicht gerade sympathisch. Je älter ich werde, desto intensiver werden die Rollen. Dr. Doolittle wäre zum Beispiel eine Traumrolle für mich.

Wenn in Deutschland von Musicals für Kinder die Rede ist, dann fällt stets Ihr Name. Gibt man bei Google den Namen Christian Berg ein, erhält man zunächst nur Hinweise auf das gleichnamige Modelabel. Hätten Sie gern einen anderen Namen?

Berg (lacht): Nein, aber das Modeunternehmen wollte früher einmal, dass ich meinen Namen ändere. Fans, die es lieb meinen, schenken mir manchmal Poloshirts der Modemarke.

Oliver Twist, Familienmusical von Christian Berg, Harburger Theater, 22. bis 30. April, Kartentelefon 040/ 33 39 50 60, 19 und 23 Euro