Harburg
Buchholz

Ausstellung mit moderner Barockkunst

Ausstellung Beyond Baroque Vereinsvorsitzender Sven Nommensen mit einer „Combinazione Arrabiatica“ von Uwe Lindau und Axel Heil

Ausstellung Beyond Baroque Vereinsvorsitzender Sven Nommensen mit einer „Combinazione Arrabiatica“ von Uwe Lindau und Axel Heil

Foto: Corinna Panek / HA

Vier Künstler zeigen ihre Arbeiten bei Ausstellung im Buchholzer Kunstverein. Für jeden Kunstliebhaber ist etwas dabei.

Buchholz.  Die Epoche des Barock wird zwischen Ende des 16. und Ende des 18. Jahrhunderts angesiedelt. „Viele Kunsthistoriker sind aber der Ansicht, dass es barocke Elemente immer gegeben hat und heute noch gibt“, sagt Sven Nommensen, Vorsitzender des Kunstvereins Buchholz (und ebenfalls Kunsthistoriker). Solche Elemente sind etwa das Spiel mit Hell und Dunkel, mit Spiegeleien und Illusionen, Dramatik und Dynamik.

Somit beschäftigt sich die Ausstellung „Beyond Baroque“ im Buchholzer Kunstverein denn auch mit Überlegungen, wie barocke Kunst heute gestaltet wird. Vier Künstler stellen ab Sonntag ihre Arbeiten aus. Silke Brösskamp aus Köln thematisiert Troddeln.

Die dicken Knoten aus seidigen Fäden, die Sofas oder Vorhänge zieren, inszeniert sie mannshoch als Installtion mit Neonlicht und Spiegeleffekten. „Spiegel wurden in Schlössern, etwa in Versailles, eingesetzt, um Räume scheinbar zu vergrößern und Illusionen zu schaffen“, erklärt Nommensen. Was dem eher kleinen Vorraum des Kunstvereins in Buchholz auch zugute kommt.

Bei Gilta Jansen wird der Spiegel zum Meer. Darauf ein in drei Teile zerbrochenes Boot, das schwarze und weiße Blockstreifen hat. Auch das greift wesentliche Elemente barocker Kunst auf, insbesondere des niederländischen Barock. „Anders als in Südeuropa – wo die genannten Elemente Spiegelung, Illusion und Dramatik vorherrschten, ging es in Nordeuropa eher darum, zwar Reichtum zu demonstrieren, aber in dem Bewusstsein, dass man als Mensch vergänglich ist“, sagt Nommensen. Daher gebe es im niederländischen Barock auch zahlreiche Schiffbruch-Darstellungen.

Der Anstrich von Jansens Boot dagegen ist der Tarnungstaktik im ersten Weltkrieg, genannt Razzle Dazzle, entnommen. Die wiederum ist dem Tierreich entlehnt: Durch die scheinbar planlose Anordnung von schwarzen und weißen Streifen wird ein Tier für bestimmte Angreifer unsichtbar.

Barock im Sinne von pompös bis überfrachtet kommen die Bilder von Uwe Lindau und Axel Heil daher. Ihre „Combinazione arrabiatica“ genannten Malereien entstanden, indem sie abwechselnd am selben Bild malten. Oft mit langem zeitlichen Abstand, manchmal braucht es Jahre bis zur Voll­endung.

„Auch die künstlerische Arbeit an den Barockschlössern war Teamwork zwischen Architekten, Malern, Stukkateuren und Bildhauern“, sagt Nommensen. Die Herausforderung für Lindau und Heil bestehe darin, dass jeder bereit sein muss, Veränderungen am eigenen Werk anzunehmen und schließlich einen gemeinsamen Abschluss zu finden.

Kunstverein Buchholz, Kirchenstraße 6, Vernissage Sonntag, 11 Uhr, bis 17. April di-fr 16-18/sa+so 11-17 Uhr. Workshop „Cyberbarock“ am 2. April, Infos und Anmeldung Tel. 04181/380 08 68 und workshop@kunstverein-buchholz.de, Vortrag „Der Barock“ am 10. April