Harburg
Landkreis Harburg

Jäger haben 2015 mehr als 3000 Rehe geschossen

Heribert Strauch ist passionierter Jäger im Hegering Hittfeld. Der pensionierte Kompaniefeldwebel macht die Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Landkreis Harburg

Heribert Strauch ist passionierter Jäger im Hegering Hittfeld. Der pensionierte Kompaniefeldwebel macht die Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Landkreis Harburg

Foto: Angelika Hillmer / HA

Jägerschaft des Landkreises Harburg zieht Bilanz. Sie zeigt auch, was zwischen Hollenstedt und Winsen kreucht und fleucht.

Die 2036 im Landkreis Harburg aktiven Jägerinnen und Jäger haben in der zurückliegenden Jagdsaison 3101 Rehböcke und Ricken geschossen. Damit steht das Rehwild auf Rang eins der erlegten Tiere (Strecke). Das Jagdjahr 2015/16 läuft zwar noch bis zum 31. März. Da aber für fast alle Tierarten spätestens seit Anfang März Schonzeit herrscht, sind die Daten bereits komplett.

„Das Rehwild ist unsere Hauptwildart“, sagt Heribert Strauch, Sprecher der Jägerschaft des Landkreises. Im Winterhalbjahr sieht man Rehe oft in kleinen Gruppen zusammenstehen. „Einer passt auf den anderen auf“, sagt Strauch. Die Tiere brauchen in der nahrungsarmen Zeit Ruhe und möglichst wenig Stress, um ihre Energiereserven zu schonen, erklärt der Jäger.

Das größte Problem für das Rehwild ist die Tatsache, dass sein Lebensraum von Straßen durchtrennt wird. Im zurückliegenden Jagdjahr wurden im Landkreis 1164 Rehe tot aufgefunden; in der Jägersprache heißt das Fallwild. Strauch: „Sie können davon ausgehen, dass es sich beim Fallwild fast ausschließlich um Kollisionen auf Straßen handelt.“

An Leitpfosten angebrachte blaue Reflektoren sollen das Wild davon abschrecken, blindlings auf Straßen zu laufen. Das funktioniere in einigen Bereichen ganz gut, so Strauch. Aber wenn die Reflektoren zu weit auseinander stehen, kreuzen die Rehe zwischen ihnen die Straße. Heribert Strauch appelliert an alle Autofahrer, gerade dort, wo vor Wildwechsel gewarnt wird, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und die Straßenränder im Auge zu behalten.

Während der Rehbestand – mit einigen Schwankungen – über die Jahre konstant bleibt, registrieren die Jäger bei Hase und Fasan anhaltende Rückgänge. Die beiden Arten werden nur noch in Revieren bejagt, in denen die Bestände noch stabil sind, versichert Strauch. Immerhin wurden 711 Hasen und 309 Fasane geschossen. Weitere 273 Hasen und 37 Fasane fielen dem Straßenverkehr zum Opfer.

Um den Hasen, aber auch Fasanen, Rebhühnern und anderem Niederwild zu helfen, stellen die Jäger den Fressfeinden nach, erlegen Füchse, Marder, Rabenkrähen. So gingen die Hittfelder Jäger zweimal im Jagdjahr auf Krähenjagd, sagt Strauch, der auch stellvertretender Leiter des Hegerings Hittfeld ist.

Dazu haben sie zuvor Schlafbäume und Flugrouten der Vögel ausgekundschaftet, um Freiflächen festzulegen, die für die Krähen attraktiv sind. Auf mehreren Feldern stellen die Jäger dann jeweils 20 bis 25 Krähenattrappen auf.

Zumindest einige sollten sich (durch Wind) bewegen – die Vögel beobachten das Geschehen argwöhnisch von hohen Bäumen aus, bevor sie sich auf dem Feld niederlassen. Die Waidmänner legen sich an verschiedenen Punkten gut getarnt auf die Lauer. „Innerhalb von zweieinhalb Stunden schießen wir bei solchen Aktionen 60 bis 70 Krähen“, sagt Strauch.

Ein Thema, das die niedersächsische Jäger stark beschäftigt, ist die Rückkehr des Wolfes. Geschätzt 350 bis 400 Tiere leben inzwischen wieder in Deutschland, rund 100 sind es in Niedersachsen. Im Landkreis Harburg gibt es noch keinen Wolfsbestand. Strauch und Kollegen können gut darauf verzichten.

Sie fürchten, für die Schäden aufkommen zu müssen, wenn etwa ein Wolf Schafe gerissen hat. Denn es gilt: Für durch Wild angerichtete Schäden in der Landwirtschaft haftet der Jagdpächter. Während der Wolf eine einheimische Tierart ist, die sich angestammte Lebensräume zurückerobert, sind Waschbär und der ihm ähnelnde Marderhund echte Neuankömmlinge in der Harburger Tierwelt.

Für Pelztierfarmen nach Europa importiert, zum Teil auch ausgewildert, breiten sich beide Arten auch in Deutschland immer mehr aus. Dabei können die putzigen Tiere der heimischen Natur durchaus gefährlich werden, denn sie plündern im großen Stil Vogelnester.

Ein weiterer Einwanderer kam ebenfalls als Pelztier nach Europa, der Nutria. Der südamerikanische Nager lebt wie der Bisam an Flussufern und schädigt Deiche, in denen er um die ein Meter lange Höhlen anlegt.

Im Landkreis wurden Nutrias bis 2015 kaum bejagt. Sie wiegen bis zu sieben Kilogramm und sind deutlich größer als Bisamratten, aber kleiner als Biber. Nutrias werden auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt.

Die Jäger arbeiten mit Deichschützern zusammen. 2015/16 wurden Nutrias erstmals intensiv bejagt, vor allem entlang der Elbe. Die Strecke beträgt 240 Tiere – im Jagdjahr 2014/15 waren es nur 30. Schöner Nebeneffekt: „Nu­trias schmecken gut, sie ernähren sich nur von Pflanzen“, sagt Strauch.