Harburg
Fliegenberg

Erst übernommen, dann gekündigt

In der ehemaligen Willert- und heutigen Salzbäcker-Filiale in Fliegenberg haben Kerstin L. und Elisa E. gearbeitet

In der ehemaligen Willert- und heutigen Salzbäcker-Filiale in Fliegenberg haben Kerstin L. und Elisa E. gearbeitet

Foto: Christiane Tauer / HA

Zwei Mitarbeiterinnen der insolventen Bäckerei Willert hofften auf eine Chance beim Salzbäcker – und wurden enttäuscht.

Fliegenberg.  Was hatten sie sich gefreut, als es nach der Insolvenz weiterging! Kerstin L. und Elisa E., ehemalige Mitarbeiterinnen der Bäckerei Willert, hofften, dass mit der Übernahme durch den Salzbäcker wieder bessere Zeiten anbrechen würden. So war es ihnen auch versprochen worden, damals, im November, im Gespräch mit ihrem neuen Chef. Doch ihre Hoffnungen wurden enttäuscht.

Nicht einmal drei Monate durften sie für den Salzbäcker arbeiten, dann mussten sie gehen. Für die beiden Frauen, die ihren vollen Namen nicht öffentlich nennen möchten, brach eine Welt zusammen. „Es kann ja sein, dass man Leute entlässt, aber nicht auf diese Art und Weise“, sagt Elisa E. empört.

Ihre Kollegin und sie gehörten zu den 114 Mitarbeitern der Bäckerei Willert, die im vergangenen Jahr monatelang um ihre Arbeitsplätze zittern mussten. Im Mai hatte das Familienunternehmen aus Pattensen Insolvenz angemeldet. Im November stand dann fest, dass vom 1. Dezember an die Salzbäcker GmbH aus Rullstorf bei Lüneburg sechs Filialen und 86 Mitarbeiter übernehmen wird.

Elisa E. war eine von ihnen. Die
35-Jährige hatte seit April 2014 in Fliegenberg gearbeitet, ihr Vertrag ging noch bis April 2016. „Die Übernahmegespräche mit dem Salzbäcker verliefen total positiv“, erinnert sie sich. Ihr Chef, Sören Willert, war dabei, und immer wieder sei ihr versichert worden, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauche. „Es hieß sogar, dass mein Vertrag entfristet werden soll.“

Dann, im Februar dieses Jahres, stand eine Mitarbeiterschulung an. Elisa E. opferte ihren letzten Urlaubstag, um teilnehmen zu können. „Um 7 Uhr klopfte jemand an meine Haustür“, erinnert sie sich. Sie dachte, sie werde zur Schulung abgeholt, doch stattdessen erhielt sie einen Brief, in dem ihr das Auslaufen ihres Vertrages mitgeteilt wurde. Bis April brauche sie auch nicht mehr zur Arbeit kommen. „Ich habe so geweint, man kann doch mit den Leuten vorher reden“, sagt sie.

Ein ähnliches Ende erlebte Kerstin L., die erst seit April 2015 in der Willert-Filiale in Nenndorf gearbeitet hatte. Eine Filiale, die der Salzbäcker nicht übernahm. „Ich konnte mich aber beim Salzbäcker neu bewerben und habe zum 1. Dezember eine Stelle in Fliegenberg bekommen“, sagt sie. Ihre Freude war groß, nur war in ihrem neuen Vertrag erneut eine Probezeit enthalten. Kerstin L. machte sich aber keine Gedanken, auch nicht, als sie am 14. Februar zu ihrem Sonntagsdienst aufbrach. Es sollte ihr letzter Arbeitstag werden.

„Eine halbe Stunde vor Feierabend wurde mir mitgeteilt, dass ich gehen kann“, sagt die 54-Jährige. Sofort musste sie die Schlüssel abgeben. „Ich habe mich wie eine Schwerverbrecherin gefühlt.“

Genau das ist aus Sicht der beiden Frauen auch das eigentliche Problem. Eine Kündigung sei ja das eine, so Kerstin L. Das andere sei, wie sie übermittelt werde. „Nach der ganzen Zitterpartie im vergangenen Jahr hatten wir schon auf ruhigere Zeiten gehofft“, sagt Elisa E. „Unser alter Chef Sören Willert war immer ehrlich und hat mit uns geredet.“ Beim Salzbäcker habe sie das vermisst.

Thomas Wiechel, Betriebsleiter der Salzbäcker GmbH, will diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Er habe sehr wohl vorab ein Teamgespräch mit seinen Mitarbeiterinnen geführt, erklärt er. Und natürlich sei es generell nie schön, einen Vertrag zu beenden. Auch für den Arbeitgeber nicht. „Dementsprechend ist auch der Zeitpunkt nie ideal“, sagt er.

Der Salzbäcker sei ein „zukunftsorientierter Arbeitgeber“, der seinen Mitarbeitern einen „hohen Mehrwert“ anbiete, fährt er fort. „Wir erwarten aber auch eine entsprechende Arbeitsleistung.“ Zu den genauen Hintergründen seiner Entscheidung in Bezug auf die beiden Frauen möchte er sich nicht äußern. „Aus Datenschutzgründen und Gründen des Anstands werden wir öffentlich keine Stellung nehmen“, sagt Wiechel.