Harburg
Tierquälerei

Polizei jagt Wilderer im Landkreis Harburg

Polizei und Kreisjägermeister verfolgen immer häufiger Fälle von Wilderei in den Wäldern des Kreises

Polizei und Kreisjägermeister verfolgen immer häufiger Fälle von Wilderei in den Wäldern des Kreises

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Zuletzt wurden drei Tiere angeschossen und liegengelassen. Sie starben qualvoll. Der Kreisjägermeister hat Anzeige erstattet.

Hanstedt.  Wilderer sorgen im Landkreis Harburg für Aufregung. Sie haben es in Waldgebieten der Gemarkungen Auf dem Töps, Ollsen und Hanstedt anscheinend vor allem auf Rotwild abgesehen. Mindestens drei Tiere wurden dort von Wilderern angeschossen und starben daraufhin qualvoll. Jäger entdeckten jetzt die Kadaver von zwei Rothirschen und einem weiblichen Stück Rotwild in der Nähe von Wasserstellen. Der Kreisjägermeister hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt wegen Jagdwilderei.

„Mir tut das Wild leid. Die angeschossenen Kreaturen, die unter großen Schmerzen durch den Wald rennen, bevor sie verenden“, sagte der Kreisjägermeister Norbert Leben dem Abendblatt. Am 8. Dezember wurde der erste, offenkundig von Wilderern getötete Hirsch von einem Revierinhaber Auf dem Töps entdeckt. Das Tier lag in einer Bodensenke. Sein Körper war zum großen Teil von Tieren des Waldes wie Maus und Fuchs zerfressen. Kopf und Geweih des schätzungsweise fünf bis sechs Jahre alten Hirsches waren abgetrennt. „Der Hirsch hat vermutlich schon drei bis vier Monate im Wald gelegen“, sagt der Kreisjägermeister.

Den Tieren wurde an Gewässern aufgelauert

Wenig später der nächste Fall: Am 26. Januar entdeckt in einem Waldstück der Gemarkung Ollsen ein Revierinhaber tagsüber einen toten Rothirsch mit Geweih. Das Tier war drei bis vier Jahre alt. „Im Fell waren Einschusslöcher zu sehen“, sagt der Jägermeister. Ein klarer Hinweis auf Jagdwilderei. Gleiches gilt im dritten Fall: Diesmal macht ein Jäger am 28. Februar in der Gemarkung Hanstedt eine grausige Entdeckung. Er findet eine drei bis vier Jahre alte Hirschkuh tot an einer Wasserstelle. Sie hat Schussverletzungen im Bauchfell.

Alle drei getöteten Tiere wurden in der Nähe von Gewässern gefunden. „Das ist typisch. Die verwundeten Hirsche rennen durch den Wald, sie wollen sich am Wasser erfrischen“, erklärt Norbert Leben. Aber warum nehmen die Wilderer das angeschossene Wild nicht mit? „Wenn sie die Tiere nicht auf Anhieb richtig treffen und hinterherlaufen würden, wäre für sie das Risiko viel zu hoch, beispielsweise von Spaziergängern entdeckt zu werden“, sagt der Fachmann.

Außerdem ist das insgesamt 1500 Hektar große Naturschutzgebiet um Undeloh weitläufig und unwegsam. „Ein Hirsch wiegt um die 100 Kilo. Ein weibliches Tier bringt es auf 70 bis 80 Kilo. Das trägt man nicht einfach so in der Tasche weg“, sagt der Jägermeister. Um einen Rothirsch abzutransportieren, brauche man mindestens einen Fahrzeuganhänger oder einen Kleintransporter.

Die Suche nach den Tätern ist schwer

Wer die Täter sind, ist unklar. „Eine Spurensuche im Wald ist nicht mehr möglich. Dafür liegen die angezeigten Fälle schon zu lange zurück“, sagt Polizeisprecher Lars Nickelsen. Vor fünf Jahren gab es im Waldgebiet schon einmal eine ähnliche Serie von Jagdwilderei. Damals wurden auch Geschosse gefunden, die aus einer großkalibrigen Waffe stammten. Die Polizei verstärkte daraufhin ihre Streifen im Wald. Durch die höhere Aufmerksamkeit verschwanden die Wilderer.

Nun sind sie wieder da. Im Landkreis gibt es 2000 Jäger. Wer eine Jagdbüchse besitzt, braucht einen Jagdschein und muss das Gewehr zu Hause getrennt von Munition in einem fest verankerten Waffenschrank verschlossen aufbewahren. Die Jagdsaison endete am 31. Januar. Dass womöglich einer der Jäger im Landkreis für die Taten infrage kommen könnte, schließt der Kreisjägermeister kategorisch aus. „Es kann aber sein, dass es jemand ist, der einen Jagdschein hat“, sagt er.

Anfang des Jahres sorgten Wilderer im niedersächsischen Landkreis Vechta für Aufregung. Ein Jäger hatte bei einem Rundgang durch sein Revier ím Januar vier tote Rehe entdeckt. Bei allen Rehen fehlte der Kopf, eines wies Schussverletzungen auf. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten in Dinklage und im Landkreis Harburg gibt, lässt sich nicht beurteilen.

Die Polizei will die betroffenen Waldgebiete im Landkreis Harburg aufgrund der neuen Situation in ihre Streifenfahrten mit einbeziehen. Nickelsen: „Wir werden genauer hinschauen. Wir sind aber in dem großen Waldgebiet auf die Unterstützung und Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.“ Auch die Jäger gehen im Wald auf Streife. Norbert Leben: „Wir werden die Sache mit Nachdruck verfolgen. Wir wollen, dass diese Täter gefunden und bestraft werden.“