Harburg
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Schüler Justus Wolff ist ein Erfinder

Erfinder Justus Wolff, 17, und Christoph Steckhan, Leiter Marketing vom Startup Dock an der TUHH

Erfinder Justus Wolff, 17, und Christoph Steckhan, Leiter Marketing vom Startup Dock an der TUHH

Foto: HA/Angelika Hillmer / HA

17-Jähriger entwickelte an der TUHH ein Hilfsmittel für Sehbehinderte. Inspiriert hat den Gymnasiasten seine Oma.

Harburg.  Andere Hamburger Jugendliche machen gerade Ferien, fahren Ski oder gehen ihren Hobbies nach. Justus Wolff hat ganz andere Pläne. Der 17-jährige sitzt beim Startup Dock der Hamburger Hochschulen, das an die Technische Universität angegliedert ist. Hier, in der Schmiede für Existenzgründer, macht er ein Praktikum bis zum Ende nächster Woche. Schließlich ist er hier auch „Kunde“: Der Gymnasiast aus Blankenese entwickelte ein Steckdosen-Einsatz, mit dessen Hilfe Sehbehinderte Stecker leichter richtig platzieren können. Mit seiner Erfindung hatte sich Justus Wolff an das Startup Dock gewandt und wurde zum jüngsten Existenzgründer der seit drei Jahren bestehenden Institution.

Angefangen hat alles vor zwei Jahren. „Ich war zu Besuch bei meiner Oma in Wandsbek. Sie war damals sehbehindert (inzwischen wurde sie operiert) und hatte große Schwierigkeiten, in einer dunklen Garagenecke einen Stecker in eine Steckdose zu schieben“, sagt Wolff. „Mich ließ das nicht mehr los, und ich begann nach Lösungen zu suchen. Am Ende blieben zwei Ansätze übrig: ein trichterförmiger Einsatz und der Einlegering.“

Beides ließ sich der pfiffige Schüler als Gebrauchsmuster schützen. Den Ring, den er für vielversprechender hielt, entwickelte er weiter. Er modellierte ihn am Computer, als Vorlage für einen 3-D-Drucker. Mit ihm wollte Wolff einen kostengünstigen Prototypen herstellen. Dazu wandte er sich an das Startup Dock der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Das Team aus drei Gründungsberatern, in dem sich insgesamt rund 20 Profis engagieren, hilft Studierenden mit innovativen Ideen, sich selbstständig zu machen. Es arbeitet mit dem TU-Institut für Unternehmertum zusammen, gibt dadurch auch Vorlesungen in diesem Bereich. „Derzeit betreuen wir rund 50 Teams“, sagt Christoph Steckhan, Sprecher des Startup Dock.

Auch Justus Wolff konnte geholfen werden: Die TU-Mitarbeiter brachten ihn mit den Gründern der Agentur myprintoo in Kontakt. Myprintoo fördert Produktideen im Bereich des 3-D-Drucks und war sofort bereit, mehrere Ausdrucke des Prototypen herzustellen. Das Teil überzeugte in der Praxis, und Justus Wolff begann, sich seiner Zielgruppe zuzuwenden: „Ich habe mit dem Blindenverein und dem christlichen Blindendienst Kontakt aufgenommen. Eine Präsentation in einem Seniorenheim habe ich auch schon gemacht, und die nächste ist am kommenden Dienstag“, sagt Wolff.

Bislang sei das Feedback sehr positiv, freut sich der Gymnasiast. Er will 2017 Abitur machen, scheint aber eher nebenbei zur Schule zu gehen. Noch liegen ihm zu wenige Vorbestellungen vor, um eine größere Produktion in Auftrag geben und die Ringe vertreiben zu können. Und dann gibt es noch ein zweites Hindernis: Mit 17 Jahren ist Justus Wolff noch nicht geschäftsfähig – und bis zu seinem 18. Geburtstag im September will er nicht warten.

Der Herr der Ringe stellte einen Antrag beim Blankeneser Amtsgericht, es möge seine vorzeitige Geschäftsfähigkeit erklären. „Am kommenden Dienstag wird es darüber entscheiden. Ich denke, es wird zustimmen, denn ich gehe keine großen finanziellen Risiken ein. Die Herstellung der ersten Serie wird maximal um die 4500 Euro kosten.“ Wenn das Amtsgericht grünes Licht gibt, könnte Justus Wolff ein Gewerbe anmelden. Doch für den Produktionsstart fehlen noch Vorbestellungen. Die gilt es zu akquirieren, damit der junge Geschäftsmann – und gern auch weitere Investoren – nicht auf Tausenden Ringen sitzen bleiben. Dazu will Wolff weiter Seniorenheime und Sanitätshäuser ansprechen: „Ich werde persönlich am besten verkaufen können, so als 17-jähriger Junge.“

Doch in der kommenden Woche wird er erst einmal im Startup Dock mitarbeiten und dort die Teilnahme an zwei Veranstaltungen im März, dem Gründertag und der Ausstellung TUHH hautnah, vorbereiten. Christoph Steckhan: „Als Justus mich fragte, ob er bei uns ein Praktikum machen kann, habe ich sofort zugesagt. Auch als er als Erfinder an uns herantrat, war es eine Ehrensache, ihm zu helfen – eigentlich unterstützen wir nur Studierende.“