Harburg
Restaurant

In Hittfeld können Cowboys zum Essen einkehren

Yvette Jänsch und Michael Fritz betreiben seit Ende Februar die Westernscheune in Hittfeld

Yvette Jänsch und Michael Fritz betreiben seit Ende Februar die Westernscheune in Hittfeld

Foto: Christiane Tauer / HA

Amerikanisches Essen im Saloon-Ambiente: Mit der „Westernscheune“ haben Yvette Jänsch und Michael Fritz offenbar einen Nerv getroffen.

Hittfeld.  Als sie das Knarzen der Dielen hörte, wusste Yvette Jänsch sofort: Das muss ein Saloon werden! Die 37-Jährige war begeistert. Aber dann hatte sie doch Bedenken. Ist die Küche nicht viel zu klein für ein Restaurant? Wo sollen die ganzen Arbeitsgeräte stehen? Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Michael Fritz überlegte sie hin und her, bis sich die zwei einen Ruck gaben. Sie wollten es tatsächlich wagen und aus dem etwas abseits gelegenen Fachwerkhaus hinter der Hittfelder Mühle ein Restaurant mit dem Namen Westernscheune machen.

Zwei Wochen ist es jetzt her, dass das Lokal Eröffnung gefeiert hat – und Jänsch und Fritz kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Es war unglaublich, an dem Wochenende mussten wir bestimmt 300 Leute abweisen“, sagt er. Das Restaurant bietet nur Platz für insgesamt 120 Leute. Als oben im Clubraum und unten im Erdgeschoss alles voll war, konnten sie einfach nicht noch mehr Besucher hereinlassen. „Es tat uns leid, dass so viele gehen mussten, dafür wollen wir uns noch einmal entschuldigen“, sagt Yvette Jänsch.

Über die Gründe für diesen Massenansturm können die zwei nur spekulieren. In erster Linie ist ihre Scheune ein ganz normales Restaurant, das sich vielleicht an ein etwas spezielleres Publikum richtet. Oldtimer, US-Cars, Country, das sind die Eckpfeiler. Die Speisekarte ist entsprechend amerikanisch ausgerichtet. Neben Burger-Variationen wie „Western“, „Rebell“ oder “Sunset“ gibt es Marshmallows, Cheesefries Spare-Ribs vom Iberico-Schwein.

Dennoch muss es ein ganz besonderer Nerv sein, den Jänsch und Fritz getroffen haben. Sie bedienen offensichtlich eine Zielgruppe, die darauf gewartet hat, ein Lokal wie dieses in der Region zu finden. Vertreter einer Line-Dance-Gruppe aus Winsen seien beispielsweise da gewesen, berichtet Fritz. Sie waren begeistert und wollten ihre Treffen mit Live-Musik und Tanz hier veranstalten. „Ich hatte davon vorher noch nie etwas gehört“, sagt Fritz und muss ein bisschen grinsen. Jetzt gehört also auch Line-Dance mit zum Portfolio der Westernscheune.

Tatsächlich merkt man im Gespräch, wie sehr der 49-Jährige immer wieder nach Worten für das suchen muss, was ihm da gerade widerfährt. Wie kann es sein, dass ein Restaurant quasi vom ersten Tag an jeden Abend jeden Tisch zweimal vergeben kann? „Offensichtlich wollte uns jemand etwas Gutes“, erklärt es sich Fritz. Er kennt nämlich auch andere Zeiten. Vor dem Start in Hittfeld hatte er ebenfalls mit Yvette Jänsch eine Diskothek in Moisburg geführt. Als die nach Anwohnerärger schloss, mussten sie sich neu orientieren.

Über die Fachwerkscheune stolperte Yvette Jänsch eher zufällig. Im Oktober vergangenen Jahres habe sie die Anzeige für das Haus entdeckt, das früher ein Pferdestall war, in Buxtehude-Pippensen stand und in Hittfeld neu aufgebaut wurde. „Es hat mich irgendwie sofort angesprochen“, sagt sie. Die abgelegene Lage schreckte sie ebenfalls nicht. Ganz im Gegenteil, dass nebenan ein Friedhof, die Autobahn und die Disko „Hittfelder Mühle“ sind, war für sie nach dem Ärger in Moisburg genau das Richtige. Klagen wegen Lärmbelästigung dürften sie hier nicht befürchten.

Die beiden entschlossen sich zur Miete und machten sich daran, die Scheune gemeinsam mit Freunden in Eigenarbeit aufzuhübschen. Yvette Jänsch schlug als gelernte Zerspanungsmechanikerin jeden Nagel einzeln in die Stuhlpolsterung, der Tresen wurde erhöht, Dekogegenstände kamen dazu. Glanzstück ist die holzgeschnitzte Harley-Davidson im Eingangsbereich. Sie ist eine Leihgabe des Holzofenbäckers aus Sauensiek, der für sie auch die Burger-Brötchen backt.

„Eigentlich müssten wir noch so viel mehr machen“, sagt Michael Fritz. Angesichts des überraschenden Gästeansturms kommen sie zurzeit aber kaum dazu. Es fehlen zudem noch weitere Angestellte. An diesem Wochenende soll zumindest die neue Zapfanlage kommen, die sie schon von Beginn an dringend benötigt hätten. Das wird ihre Arbeit etwas vereinfachen. Schon bald soll auch die Außenterrasse für 200 Leute fertig sein, auf der sie Konzerte veranstalten wollen. Außerdem soll es einen Parkplatz für Pferde geben – wie es sich für einen echten Westernsaloon eben gehört.

Westernscheune, Weg zur Mühle 10b, Hittfeld, Dienstag bis Sonnabend ab 17 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr, www.western-scheune.de