Harburg
HR-Regional

Stille am Bahnsteig

Die Hektik lässt nie nach am Hauptbahnhof. Alles hastet, Tunnelblick, nur rasch zum Bahnsteig, Gedränge, Gerempel, das Tempo der Rolltreppen reicht nicht aus. „Verzeihung“ kommt von hinten, „darf ich mal vorbei.“ So geht das jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und die Profis nehmen schon mal den Umweg über den Jungfernstieg in Kauf, nur um halbwegs geordnet umsteigen zu können.

Doch selbst hier macht die Rush-Hour ihren Namen in der Regel alle Ehre. Doch: Für gestresste S-Bahn-Passagiere gibt einen Geheimtipp: Harburg Rathaus. Dort gibt es drei Gleise. Die Wendezüge fahren auf dem Bahnsteig ein, den müde Werktätige abends in Richtung Stadt nehmen. Nebenan, auf dem Bahnsteig in Richtung Neugraben, Buxtehude und Stade, halten die Züge in größeren zeitlichen Abständen. Genau das macht den Geheimtipp aus.

Dort, auf dem Bahnsteig, auf dem auch einige Bänke stehen, kann es Momente geben, in denen es ganz still wird zwischen zwei Zügen. Die einen sind schon weg und die anderen noch nicht da. Viel los ist sowieso selten. Manchmal ist man ganz allein und noch keine S-Bahn kündigt mit ihrem typischen Geräusch ihre baldige Ankunft an.

Das sind die Momente zum Durchatmen. Die Beine und die Seele baumeln lassen, an seine Lieben zu Hause und weit weg denken, ihnen in Gedanken gute Wünsche übermitteln, sich einfach freuen, dass man – auch diesmal – unversehrt sein Zwischenziel erreicht hat. Denn das ist nicht so selbstverständlich, wie wir es mitunter voraussetzen.

Der S-Bahnhof Harburg Rathaus bietet also ganz überraschende Perspektiven. Wozu drei Gleise doch manchmal nützlich sein können.