Harburg
Brandschutz mangelhaft

Es geht um die Zukunft der Burg Seevetal

Kirsten Wegner, Leiterin der Burg und zuständig für alle Dorgemeinschaftshäuser der Gemeinde Seevetal, und Thorsten Hein, Leiter technische Gebäudewirtschaft

Kirsten Wegner, Leiterin der Burg und zuständig für alle Dorgemeinschaftshäuser der Gemeinde Seevetal, und Thorsten Hein, Leiter technische Gebäudewirtschaft

Foto: Christiane Tauer / HA

Heute trifft der Gemeinderat eine Entscheidung. CDU will gegen Sanierung stimmen.

Hittfeld.  „Hier entlang!“ Thorsten Hein zeigt auf die kleine Tür im Obergeschoss, von der ein schmaler Steg an dicken Lüftungsschächten entlang in das Innerste der Burg Seevetal führt. Der große Saal ist das Herzstück des Veranstaltungszentrums. Die gestaffelte Decke über ihm mit ihren blitzenden Leuchten schenkt ihm eine besondere Akustik. Dumm nur, dass die Zwischendecke nur über einen schmalen Steg begehbar ist und eine neue, vollautomatische Brandmeldeanlage an der gesamten Decke eingebaut werden müsste. Für die Bauarbeiten müsste somit die gesamte Deckenkonstruktion abgenommen und als Gipskartondecke neu montiert werden – ein immenser Aufwand, der mehrere Monate in Anspruch nehmen würde.

Doch ob diese Arbeiten überhaupt ausgeführt werden, ist fraglich. Derzeit steht die Summe von 6,5 Millionen Euro für die gesamte Sanierung des Veranstaltungszentrums im Raum, alleine der Brandschutz würde vier Millionen Euro verschlingen. Der Rat der Gemeinde Seevetal muss heute Abend eine Entscheidung darüber treffen, ob die Gemeinde das Geld in die Hand nimmt oder nicht.

Bisher gehen die Meinungen auseinander: Während die Verwaltung die Sanierung empfiehlt, hat sich der Bauausschuss in der vergangenen Woche mit den Stimmen von CDU und Grünen dagegen entschieden. Am Montag hat sich der Verwaltungsausschuss wiederum für eine Sanierung unter bestimmten Voraussetzungen ausgesprochen. SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler und Axel Bittner, Die Linke, hatten sich in einem interfraktionellen Antrag dafür stark gemacht. Das Schriftstück sieht im Wesentlichen ein neues Sanierungskonzept vor, bei dem die Burg wie bisher weitergeführt, aber um einen lokalen Bürgertreff für Vereine, Senioren oder Jugendliche ergänzt wird. All das soll bei möglichst geringen Investitions- und Unterhaltungskosten realisiert und in einer Arbeitsgruppe vorab beraten werden.

„Was die CDU will, ist quasi eine Schließung und der Abriss der Burg“, sagt Ratsvorsitzende Angelika Tumuschat-Bruhn (SPD). SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Kirchhoff hält das für keine Option und hofft auch im Rat auf eine Mehrheit für den interfraktionellen Antrag. Die Burg sei der Mittelpunkt der Gemeinde, von den großen Veranstaltungen, die dort stattfinden, profitiere ganz Seevetal.

Zudem sei ein Abriss „total unwirtschaftlich“, ergänzt Angelika Tumuschat-Bruhn und rechnet vor: Die Burg stehe noch mit 1,5 Millionen Euro in den Büchern, dieser Wert ginge bei einer Aufgabe verloren. „Wenn man dann noch einen Bürgertreff neu errichtet oder ein bestehendes Gebäude umbaut, muss man circa zwei bis drei Millionen Euro investieren.“ Rechnet man dazu noch die Kosten für einen Abriss obenauf, den entweder die Gemeinde selbst oder ein möglicher Käufer trägt, habe man am Ende mitunter weniger – nämlich nur noch den Bürgertreff –, aber ähnlich hohe Ausgaben wie für eine Sanierung. „Es wird kein einfacher Weg, aber man muss jetzt intelligent vorgehen“, sagt sie.

Diese Argumente dürften letztlich auch die Grünen überzeugt haben, die im Bauausschuss noch gegen eine Sanierung votierten und sich jetzt der SPD-Position angeschlossen haben. „Wenn man einen Bürgertreff in die Burg integriert, können wir dafür stimmen“, sagt Fraktionsvorsitzender Kay Kelterer. Ähnlich sehen das die Freien Wähler. „Unser Ziel war schon von vornherein, Bürgertreff und Burg zusammenzufassen“, sagt Fraktionsvorsitzender Willy Klingenberg. Würde man die Burg abreißen, vertue die Gemeinde eine große Chance, zumal die Zuschüsse in den vergangenen Jahren immer geringer geworden seien.

Für die CDU/FDP-Gruppe sind das keine schlagenden Argumente. „Was die SPD und die anderen wollen, verteuert das ganze Projekt nur noch“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Walter Schulz. Seine Gruppe werde deshalb nichts an ihrer Position ändern, die sie bereits im Bauausschuss vorgetragen hat. Das heißt: Die Sanierung für 6,5 Millionen Euro soll nicht erfolgen, stattdessen soll in einer Planungswerkstatt über die Zukunft des Grundstücks gesprochen werden. Denkbar wäre zum Beispiel ein Seniorenheim. Auch der Bürgertreff soll in diesem Forum Thema sein. Schulz ist aber auch Realist und geht angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat nicht von einer Mehrheit für diese Position aus.

Die Ratssitzung am heutigen Donnerstag in der Burg Seevetal, Am Göhlenbach 11, ist öffentlich. Beginn ist um 18.30 Uhr.