Harburg
Erfolg

Fritz Kola vergibt Großauftrag an die Elbe-Werkstätten

Aus zwei Arbeitsgruppen der elbe-werkstätten wurde ein großes Team.

Aus zwei Arbeitsgruppen der elbe-werkstätten wurde ein großes Team.

Foto: Lars Hansen / xl

Sämtliche Werbeartikel für die Szene-Getränkemarke „fritz“ werden in der Marmstorfer Behindertenwerkstatt gepackt.

MarmstorF.  Dörthe Rave und Niko Eliopolos sollen „picken“. Sie nehmen sich einen Handwagen und eine Liste und machen sich auf den Weg durch die weit verzweigten Katakomben der Elbe-Werkstätten am Nymphenweg. Ihr Ziel ist ein Lagerkeller am anderen Ende des Gebäudekomplexes. Dörthe Rave schließt eine Verschlag auf und die beiden beginnen, Kartons und einzelne Teile aus den Regalen zu holen und auf dm Wagen zu stapeln. Sie alle tragen das Logo und die Werbesprüche einer Hamburger Kult-Brausemarke: Fritz

Die Elbe-Werkstätten haben die komplette Werbe-Artikel-Logistik für die „fritz kulturgüter GmbH“ übernommen. Flaschenöffner, Schlüsselbänder, Werbeaufsteller – sogar Sitzmöbel mit dem Logo der Hamburger Brausemischer werden von Marmstorf aus nach ganz Deutschland und vermehrt auch in Nachbarländer verschickt, um es Gastwirten leichter zu machen, auf die Getränke hinzuweisen. Daneben werden auch Musterkartons mit Limo-Proben verschickt. Falls ein Wirt von der Marke noch nicht überzeugt ist, sollen ein paar Probierschlucke die Meinung entscheidend beeinflussen.

Gut 30 Beschäftigte der Elbe-Werkstätten arbeiten an dem Projekt – mehr Arbeitnehmer hat auch der Auftraggeber nicht. „So viele Beschäftigte hatten wir in der Arbeitsgruppe gar nicht“, sagt Helmut Schleicher, der die Beschäftigten betreut, „wir mussten zwei Arbeitsgruppen zusammenorganisieren, um diesen Auftrag stemmen zu können.“ So kam es, dass aus der ehemaligen Mailing-Arbeitsgruppe und der Logistikgruppe ein großes Team wurde.

Die alten Auftraggeber wurden darüber auch nicht vergessen: Die Elbe-Werkstätten verschicken weiterhin die Drucksachen für verschiedene Museen und Theater sowie für die Hamburger Bürgerschaft, organisieren den Versandhandel für kleine Start-up-Manufakturen genauso, wie die Ersatzteil-Logistik eines weltweit agierenden Möbelhauses. Der weitaus größte Auftrag ist aber der von Fritz: 190 Palettenstellplätze nimmt das Sortiment ein.

Fritz gibt es seit 14 Jahren. 2002 brachten die Freunde Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert eine neue Cola auf den Markt: fritz-kola. Aufgrund ihres besonders hohen Koffeingehaltes wurde die braune Brause bald zum Kultgetränk beim Hamburger Partyvolk, denn sie hilft, wach zu bleiben. Mit dem Erfolg der Cola im Rücken hat Fritz das Sortiment stetig erweitert. Seit 2014 nennt sich das Unternehmen fritz-kulturgüter GmbH, denn die Produktpalette reicht längst über Cola hinaus. Neueste Marke der Gesellschaft ist die faire Biobrause Anjola.

„Wir sind sehr stolz auf die Zusammenarbeit mit den Elbe-Werkstätten“, sagt Fritz-Mitbegründer Mirco Wolf Wiegert. Wiegert hat sich bei einem Besuch im Betrieb Elbe Süd davon überzeugt, dass die Kooperation mit Hamburgs größter Behindertenwerkstatt hervorragend läuft.

Dabei müsste er das wissen, denn er kam als zufriedener Kunde: Die Holzwerker der Elbe-Werkstätten fertigen seit Jahren die Sitzflächen der Fritzbänke, die die Limo-Mogule ihren Wirten zur Verfügung stellen.

Um der vielen Aufträge – der Rekord liegt bei 155 Paketen an einem Tag – Herr zu werden, mussten die Arbeitsgruppen nicht nur organisatorisch zusammengebracht werden. „Wir haben hier komplett umgebaut“, sagt Helmut Schleicher. „Wände wurden eingerissen und neu gebaut, Fußböden erneuert und ein einheitlicher Arbeitsbereich geschaffen.“

Die Packlisten übermittelt die fritz kulturgüter GmbH elektronisch. Alles weitere erledigen die Beschäftigten der Elbe-Werkstätten selbstständig, von der EDV-Administration bis zum Verladen der fertigen Pakete in den Lieferwagen, der täglich vorbeikommt.

„Das ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit hier und meine Leute sind alle stolz, dabei sein zu dürfen“, sagt Schleicher.

Nicht nur der Stolz, für eine bekannte Marke tätig zu sein, macht für die Beschäftigten den Anreiz aus, hier mitzumachen. Die Atmosphäre kommt hinzu: „Ich war vorher in einer Außenarbeitsgruppe in einer Kaffeefabrik“, sagt Niko Eliopolos, „Das war nicht so schön. Hier kann man auch mal einen Scherz bei der Arbeit machen und wir lachen zusammen.“

Er kommt gerade mit dem vollen Wagen zurück. Fertig gepickt. Jetzt geht er erstmal zum Kühlschrank, um sich ein Getränk zu holen. Natürlich ein Kulturgut.