Harburg
Buchholz

„Wir schaffen Sicherheit für 40.000 Buchholzer“

Stadtbrandmeister Karsten Cohrs, sein Nachfolger  André Emme, und der neue Stellvertreter Christian Matzat

Stadtbrandmeister Karsten Cohrs, sein Nachfolger André Emme, und der neue Stellvertreter Christian Matzat

Foto: Corinna Panek / HA

Stadtbrandmeister Karsten Cohrs, Nachfolger André Emme und der neue Vize Christian Matzat über die Anforderungen an die freiwillige Feuerwehr eines Mittelzentrums.

Buchholz.  Die Gefahrenabwehr für rund 40.000 Menschen sicherzustellen ist ab März die Aufgabe von André Emme, 45. Der Holmer löst dann Karsten Cohrs, 60, als Buchholzer Stadtbrandmeister ab. Für Emme, bisher stellvertretender Stadtbrandmeister, rückt Christian Matzat ,39, Ortsbrandmeister in Trelde, nach. Alle drei sind erfahrene und überzeugte Feuerwehrmänner.

„In der Vergangenheit ist schon vieles richtig gemacht worden“, sagt André Emme. Will heißen, die Stadt Buchholz unterstützt ihre Feuerwehr nach Kräften. Dennoch hat die Feuerwehr Buchholz ein großes Problem: die Tageseinsatzbereitschaft. „Nur ein geringer Teil unserer rund 260 Mitglieder steht tagsüber zur Verfügung“, sagt Karsten Cohrs.

Entweder sie arbeiten in Hamburg, oder sie können nicht für Einsätze freigestellt werden. „Wir haben daher eine Satellitenregelung eingeführt“, erläutert Cohrs: Angehörige anderer Feuerwehren, die in Buchholz arbeiten, werden hinzugerufen, „zurzeit sind es neun Leute“.

Weil die Situation auf den Dörfern noch entspannter ist, wird bei Einsätzen in Buchholz eine der benachbarten Feuerwehren aus Trelde, Sprötze, Holm oder Dibbersen mit alarmiert. Der Feuerwehr kommt es entgegen, dass die Stadt Buchholz bestrebt ist, mehr Firmen und damit Arbeitsplätze anzusiedeln. Oft ist es eine Gratwanderung für die Feuerwehrleute, unter denen viele Handwerker sind.

Soll man einen Kundentermin für einen Einsatz ausfallen lassen und den Kunden verprellen oder dem Einsatzleiter absagen? „Es ist oft schwer, den Zugezogenen zu vermitteln, dass wir keine Berufsfeuerwehr haben“, sagt Emme, und Cohrs ergänzt: „Manche wissen das nicht, obwohl sie 30 Jahre hier leben.“

Dass Buchholz eine Stadt ist, in die Menschen aus der Großstadt ziehen, wirkt sich auf die Einsätze aus. Löscharbeiten machen nur ein Drittel aus, es überwiegen technische Hilfeleistungen. „Das sind zunehmend Türöffnungen, wenn Nachbarn vermuten, dass eine verletzte Person in einer Wohnung liegt. Manchmal leider auch eine verstorbene Person“, sagt Emme. Mehr Alleinlebende, mehr Entfremdung.

„So etwas gab es früher nicht“. Karsten Cohrs sieht mehr Hilflosigkeit im Alltag. Bei „Wasser im Keller“ genüge oft ein Feudel, sagt er. Heute haben die wenigsten selbst schweres Gerät in der Garage, wenn es darum geht, nach einem Sturm einen Baum wegzuräumen. Dann ist die Feuerwehr gefragt.

Und als Tragehilfe, wenn der Rettungsdienst es nicht allein schafft, stark übergewichtige Menschen zum Arzt zu bringen. Neue Herausforderungen entstehen durch neue Techniken: Weder Photovoltaikanlagen noch Hybridfahrzeuge lassen sich auf herkömmliche Weise löschen oder sichern, hier sind Fachkenntnisse erforderlich.

Deswegen besteht der Feuerwehrdienst inzwischen zur Hälfte aus Fortbildung, gerade ist die Einführung des Digitalfunks abgeschlossen. Kreativität ist gefragt, wenn es um neue Mitglieder geht. Manchmal ziehen Feuerwehrleute als Neubürger nach Buchholz, manchmal kommen neue Aktive aus den Jugendfeuerwehren. Viele Jugendliche aber ziehen weg. Info-Abende genügen nicht.

„Wir haben einmal 400 Einladungen verteilt – drei Leute sind gekommen“, sagt Christian Matzat. Die Bereitschaft zum Engagement „nach Dienstplan“ werde geringer. Auf der anderen Seite bietet die Feuerwehr eine Gemeinschaft fürs Leben. „Es ist nicht so, dass wir eine eingeschworene Gemeinschaft sind, die niemanden reinlässt“, sagt Matzat. Aber wer einmal dabei ist, der bleibt.

Auch Karsten Cohrs bleibt der Buchholzer Feuerwehr erhalten. Ein kleiner Beitrag zur Erhöhung der Tageseinsatzbereitschaft. Seine Nachfolger haben große Aufgaben vor sich. Ihre Strategie: „Wir wollen den Zusammenhalt der Ortsfeuerwehren stärken und ausbauen. Wir sehen uns als eine Feuerwehr mit fünf Standorten“, sagt Emme. „Wir arbeiten ja ohnehin zusammen“, ergänzt Matzat. „Und wir feiern auch zusammen“, betont Cohrs.