Harburg
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Junge Professoren mit viel Praxis im Exzellenzkolleg

Die beiden ersten Juniorprofessoren des Exzellenzkollegs an der TUHH Prof. Dr. Christina Brzuska Prof. Dr. Benedikt Kriegesmann

Die beiden ersten Juniorprofessoren des Exzellenzkollegs an der TUHH Prof. Dr. Christina Brzuska Prof. Dr. Benedikt Kriegesmann

Foto: HA/Angelika Hillmer / HA

Im Exzellenzkolleg der Technischen Universität kooperieren Forscher der TU mit Kollegen in Unternehmen.

Harburg.  „Ich genieße die totale wissenschaftliche Freiheit, die ich hier habe. Ich kann unabhängig eine Arbeitsgruppe aufbauen, Vorlesungen halten, Mitarbeiter einstellen“, sagt Christina Brzuska. Sie ist die erste Juniorprofessorin, die im Oktober im Rahmen des sogenannten Exzellenzkollegs an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) ihre Arbeit aufnahm. Das Exzellenzkolleg ist eine Kooperation der TUHH mit der Wirtschaft. Insgesamt sollen, unterstützt durch die Wissenschaftsbehörde, Stellen für sechs Juniorprofessoren geschaffen werden. Jetzt nahm mit Benedikt Kriegesmann der zweite Juniorprofessor seine Arbeit auf.

Christina Brzuska, 31, ist Expertin für Sicherheit in der Informationstechnik. Der wirtschaftliche Partner ihrer Juniorprofessur ist das weltweit agierende Unternehmen NXP Semiconductors, das in diesem Bereich arbeitet. Benedikt Kriegesmann, 33, befasst sich mit der Sicherheit von Flugzeugbauteilen; seine Stelle wird von Airbus mitfinanziert. Beide schätzen die Praxisnähe, die die Kooperation mit den Unternehmen ihnen gibt. Christina Bru-zuska: „Ich tausche mich mit Men-schen aus, die die IT-Sicherheit um-setzen. Sie können mir sagen, wo sicherheitsmäßig der Schuh drückt, und wir können hier an der TU zur Lösung des Problems beitragen.“

Die Juniorprofessoren machenkeine Auftragsforschung

Zur Grundausstattung der Juniorprofessoren gehört ein fester Mitarbeiter. Zudem versuchen Brzuska und Kriegesmann, möglichst viele projektfinanzierte Stellen zu schaffen. Sie machen aber keine Auftragsforschung für die Unternehmen. Vielmehr gilt es, gemeinsam Innovationen zu leisten, von denen die Hamburger Wissenschaft und Wirtschaft profitieren können. Die Juniorprofessuren sind auf sechs Jahre angelegt. „Es ist wie eine echte Professur, nur mit weniger Geld, weniger Mitarbeitern und Befristung“, sagt Benedikt Kriegesmann. Der ehemalige Airbus-Ingenieur hat für die Wissen-schaftskarriere einen deutlich besser dotierten Job aufgegeben.

Das gilt auch für Christina Brzuska, die zuvor in der Forschung von Microsoft in Cambridge (England) gearbeitet hatte. Die Wissenschaftlerin hat einen bewegten Lebenslauf. Wie oft sie in ihrem Leben umgezogen ist, kann sie auf Anhieb gar nicht mehr sagen – waren es 19-mal? Oder doch nur 17? Die gebürtige Ahrensburgerin studierte zunächst Mathematik an der Uni Duisburg-Essen, wechselte dann ohne große Französischkenntnisse nach Bordeaux („im Fach Mathematik gibt es so gut wie keine Sprachprobleme“) und promovierte an der Technischen Universität Darmstadt. Ihre Doktorarbeit schrieb sie zur IT-Sicherheit.

Es folgten die „Wanderjahre der Post-Doc-Zeit“, wie Brzuska sie nennt: Zwei Jahre arbeitete sie an der Universität von Tel Aviv (Israel), ein Jahr bei Microsoft in Cambridge. Für die Juniorprofessur kehrte sie heim und wohnt jetzt in Harburg.

Noch vor ihrer Antrittsvorlesung hielt sie wenige Tage nach Arbeitsbeginn an der Uni eine Pflichtvorlesung – und erntet damit Anerkennung von Benedikt Kriegesmann. Er kam im Januar und erarbeitet sich gerade seine erste Vorlesung. Sein Büro ist eingerichtet, der Mitarbeiter eingestellt, die Visitenkarten gedruckt. Brzuska hat derzeit weder Mitarbeiter noch Visitenkarten, aber zwei Masterstudenten.

Benedikt Kriegesmann kommt aus Hannover. Seine Mutter hatte die Stellenausschreibung in der Zeitung gesehen. Der arbeitete damals als Entwicklungsingenieur bei Airbus am A350. Seine Doktorarbeit zu Faserverbundstrukturen aus Carbon (mit Kohlenstofffasern verstärkter Kunststoff) passt ideal zum A350. Das Flugzeug besteht zu 53 Prozent aus diesem leichten, sehr steifen Material – herkömmlich werden Flugzeuge aus schwererem Aluminium gebaut.

Beim Flugzeugbau sei die Gewichtsersparnis ein entscheidender Faktor, so Kriegesmann, „jedes Gramm zählt“. Die Faserverbundstoffe bieten, ebenso wie die Herstellung von Bauteilen mittels 3-Drucker, großes Potenzial, um Gewicht einzusparen. Dabei stehe die Sicherheit an erster Stelle, sagt Kriegesmann: „An der TU gehen wir der Frage nach, wie leicht man bauen kann, so dass das Bauteil gerade nicht kaputt geht.“

Das Exzellenzkolleg sei ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Hochschulstrukturen, sagt der Juniorprofessor, es stärke den „akademischen Mittelbau“. Dort gebe es zu viele auf wenige Jahre befristete Stellen. Das reduziere die Möglichkeit, eine Karriere an der Universität zu machen.

Allerdings ist nach derzeitigem Stand auch die Juniorprofessur von Kriegesmann nach sechs Jahren definitiv beendet. Er würde dann sehr gern weitermachen: „Wenn man eine neue Forschergruppe aufbaut, sollte die Arbeit weitergehen.“

Die Juniorprofessur von Christina Brzuska kann dagegen nach sechs Jahren in eine feste Stiftungsprofessur übergehen. Aber gemessen an ihrem bisherigen beruflichen Werdegang sind für sie schon die ersten drei Jahre bis zur Zwischenbewertung ihrer Arbeit ein Langzeit-Engagement.