Wilhelmsburg

Politiker wollen Rotenhäuser Damm in Platz umwandeln

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Thomas Sulzyc
Eine Schülerlotsin sichert an der Grundschule Rotenhäuser Damm den Weg der Jungen und Mädchen zur Mensa. Schulleiter Ole Junker (l.) setzt sich dafür ein, dass die Straße auf 150 Metern für den Autoverkehr gesperrt wird

Eine Schülerlotsin sichert an der Grundschule Rotenhäuser Damm den Weg der Jungen und Mädchen zur Mensa. Schulleiter Ole Junker (l.) setzt sich dafür ein, dass die Straße auf 150 Metern für den Autoverkehr gesperrt wird

Foto: Thomas Sulzyc

Wilhelmsburgs Politiker fordern, den Rotenhäuser Damm vor der Grundschule für den Autoverkehr zu sperren.

Wilhelmsburg.  Jeden Tag queren die sechs bis zehn Jahre alten Jungen und Mädchen der Grundschule Rotenhäuser Damm auf dem Weg in die Mensa oder zur Sporthalle die Fahrbahn. Geht es nach allen Fraktionen im Regionalausschuss Wilhelmsburg, soll so schnell wie möglich mit dem vom Autoverkehr zerschnittenen Schulgelände Schluss sein.

Wilhelmsburgs Politiker schlagen vor, den Rotenhäuser Damm auf etwa 150 Metern Länge auf dem Abschnitt zwischen Neuhöfer Straße und Rotenhäuser Wettern für den Autoverkehr zu sperren. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte soll sich jetzt bei den zuständigen Behörden für den Umbau der Straße zu einer autofreien Zone vor der Grundschule einsetzen.

Schulleiter Ole Junker macht sich für die Lösung stark, die Fahrbahn vor seiner Schule aufzuheben und einen Platz zu schaffen. Die Gründe dafür sind plausibel: Mit einer autofreien Zone wüchsen die Grundschule, der daneben liegende Waldorfkindergarten sowie das auf der gegenüber liegenden Straßenseite liegende Sprach- und Bewegungszentrum mit Sporthalle und Mensa und das Haus der Jugend zusammen.

Zudem würden die Kinder den Park Rotenhäuser Feld mit seinem großen Spielplatz erreichen, ohne auf Autofahrer achten zu müssen. Seit Beginn des Schuljahres im vergangenen August sorgt eine Verkehrshelferin, auch als Schülerlotse bekannt, jeden Tag zur Mittagszeit am Zebrastreifen dafür, dass etwa 100 Dritt- und Viertklässler im Ganztagsschulbetrieb auf dem Weg zum Mittagessen sicher über die Straße kommen. Ole Junker hat sie eingestellt. Mehr als 200 Euro im Monat kostet diese Schulwegsicherung.

Zwar ist der Rotenhäuser Damm mit dem Einbau von Hindernissen künstlich entschleunigt worden. Unmittelbar vor der Grundschule ist die Fahrbahn auf eine Spur verengt. Dennoch nutzen Autofahrer die Straße als Schleichweg. „Besonders wenn die Bäume wieder Laub tragen, wirkt die Straße sehr unübersichtlich“, sagt Ole Junker.

Lediglich drei private Anlieger wären von der Sperrung betroffen, heißt es in dem SPD-Antrag. Deshalb schwebt den Sozialdemokraten der Bau eines Wendehammers vor. „Damit hätten die Anlieger die Möglichkeit, vor ihre Wohnungen zu fahren und kurz etwas aus dem Auto auspacken zu können“, sagt Kesbana Klein.

Die CDU-Fraktion möchte sogar einen Schritt weiter gehen. Die beste Lösung sei, den gesamten südlichen Rotenhäuser Damm aus dem Straßenverkehrsnetz herauszunehmen und als Fläche zu gestalten, sagt Jörn Frommann (CDU).

Parkbuchten auf beiden Gehwegen entlang des Rotenhäuser Damms würden auf 150 Meter Länge wegfallen. Die Verkehrsbehörde müsste sich Gedanken machen, an welchem Ort Ersatz geschaffen werden könnte – oder ob Lehrer, Erzieher und Besucher des Sprach- und Bewegungszentrums in Zukunft keine Parkmöglichkeiten mehr erhalten sollen.

Ole Junker hält eine „innovative Lösung“ mit Parkplätzen an der Neuhöfer Straße für eine gute Idee. Der Schulleiter erinnert daran, dass der frühere Schulparkplatz heute einem Schulgarten gewichen ist.

Alle Fraktionen in Wilhelmsburg unterstützen die Idee des Schulleiters, einen Platz am Rotenhäuser Damm zwischen Grundschule und Sprach- und Bewegungszentrum zu schaffen. „Das hätte großes Potenzial für die Weiterentwicklung des Standortes. Davon kann der gesamte Stadtteil profitieren“, sagt Kesbana Klein.

Der gewünschte Teilrückbau des Rotenhäuser Damms ist nicht die einzige Initiative, den Autoverkehr auf den Elbinseln zu entschleunigen oder herauszuhalten: SPD und Grüne fordern, Tempo 30 auf der Georg-Wilhelm-Straße auf dem gesamten Abschnitt zwischen Mengestraße und Pollhornweg.

Damit solle die wichtige Verkehrsachse unattraktiv für den Durchgangs- und Schwerlastverkehr gemacht werden. Die CDU hält die Forderung für unrealistisch: „Eine reine Showmaßnahme. Es gibt viele Argumente, dass das abgelehnt wird“, sagt Jörn Frommann.

Dagegen scheinen die Chancen zu steigen, Tempo 30 auf der gesamten Veringstraße durchzusetzen. Bedenken des Hamburger Verkehrsverbundes, dass mit der Entschleunigung der Straße die Kosten des Busverkehrs um mehr als 100.000 Euro im Jahr steigen würden, soll jetzt mit einer Vorangschaltung entkräftet werden.

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