Harburg
Buchholz

Jordanfläche: So geht es weiter

Ein Modell der geplanten Wohnanlage auf der Jordanfläche Buchholz

Ein Modell der geplanten Wohnanlage auf der Jordanfläche Buchholz

Foto: Corinna Panek / HA

Aufgeheizte Stimmung beim Informationsabend zum geplanten Flüchtlingsheim in der Buchholzer Innenstadt.

Buchholz.  Die geplante Flüchtlings-Wohnanlage auf der Jordanfläche neben dem Buchholzer Rathaus hat Anwohnern Grund zu so mancher Sorge gegeben, die nun bei einer Bürgerversammlung in der Buchholzer Waldschule ausgeräumt werden sollten.

Etwa 100 Anwohner und Interessierte waren gekommen, darunter auch eine Handvoll aus der rechten Szene, die sich aber still im Hintergrund hielten. Vor der Schule zeigte die Polizei Präsenz. Das sorgte für Irritationen bei den Zuhörern. „Es hat von der einen und anderen Seite gewisse Aufrufe gegeben“, erklärte Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse dazu.

Zur Beantwortung der Fragen standen außer dem Bürgermeister auch der Sozialdezernent des Landkreises Harburg, Reiner Kaminski, Stadtbaurätin Doris Grondke und der Investor Holger Cassens bereit. Grondke erläuterte, warum drei markante Bäume, eine Dou­glasie, eine Buche und eine Birke, gefällt werden müssten: „Sie grenzen direkt an die Hauswand, stehen in der Baugrube oder auf dem Parkplatz“, erläuterte sie.

Die Fällaktion sei mit dem Nabu und der Naturschutzbehörde abgestimmt. Bereits ab 1. März sollen die Erdarbeiten folgen. Der Rohbau soll drei Wochen später stehen. Bezugsfertig wird die Wohnanlage im Dezember sein. Die drei Häuser haben insgesamt 24 Wohnungen von einem bis vier Zimmern.

Die Grundflächenzahl, also der Anteil des Grundstücks, der bebaut wird, liegt mit 0,35 im gleichen Rahmen wie in der Steinstraße. „Die Baumschutzsatzung verhindert nicht das Bauen“, stellte Grondke zudem klar. Ein Anwohner, selbst Anwalt, hatte der Stadt bereits rechtliche Schritte angekündigt, sollten die Bäume gefällt werden und sich auf die Satzung berufen.

Sozialdezernent Kaminski rief in Erinnerung, dass „wir doch alle froh sind über unsere freiheitlich demokratische Grundordnung.“ Zu ihr gehöre das Asylrecht und das Bekenntnis zur Genfer Flüchtlingskonvention. Dies wurde mit Beifall quittiert. Im Landkreis gebe es 23 Container-Wohnanlagen, „wir müssen aber auch dauerhaften Wohnraum schaffen“, sagte er. Ein fester Bau sei günstiger als Container.

Eine junge Frau appellierte an die Zuhörer, Verständnis für die Flüchtlinge zu zeigen und sich für deren Integration einzusetzen. Die Sorge, dass in den Neubau nur alleinstehende junge Männer einziehen, räumte Kaminski aus – es sollte eine Mischung aus Einzelpersonen und Familien werden.

Weil der Landkreis die Wohnungen für Flüchtlinge nur für zehn bis 15 Jahren anmietet, sorgten sich einige, dass daraus teure Eigentumswohnungen werden könnten. Investor Holger Cassens sicherte zu, dass dies nicht geschehen werde, da seine Stiftung die Wohnungen vermieten werde.

Der Bürgermeister ergänzte, das sei Voraussetzung für das Projekt gewesen. Ein Zuhörer wollte wissen, ob „Herr Cassens denn nicht in Hamburg genug zu tun“ hätte. Er habe seine Wurzeln im Landkreis, antwortete dieser.

Über die Kosten erfuhren die Zuhörer nur wenig, Kaminski berief sich auf den Datenschutz, und verwies darauf, dass die Einrichtung der Wohnungen in Form einer Ausschreibung erfolge. Nur so viel: „Die Kaltmiete in den Containern liegt bei monatlich 240 Euro pro Person.“ Kaminski wies auch abermals darauf hin, dass die Kostenerstattung von Bund und Land im Landkreis Harburg nicht kostendeckend sei und mit dem zuständigen Ministerium weiter verhandelt werde.

Enttäuscht wurden jene, die gehofft hatten, die Bäume zu retten und auf die Zusammensetzung der Bewohner einzuwirken. So wünschte sich ein Zuhörer, dass dort auch Einheimische einziehen sollten.

Dem Klischee vom jungen alleinstehenden Flüchtling setzte ein Anwohner entgegen, dass es nicht einfach sei, die Familie mitzunehmen oder nachzuholen. Er habe selbst eine Ehefrau aus dem Ausland. Die Bäume hingegen seien teils in schlechtem Zustand und kein Naturdenkmal, sagte Doris Grondke. Einer Anwohnerin versprach sie aber, sich noch einmal die Lage einer Hecke anzuschauen.

Bürgermeister Röhses Fazit lautete zum Schluss: „Es ist in Ordnung, Fragen zu stellen und sich Gedanken zu machen. Ich hoffe, wir werden Wege finden, Ihre Sorgen abzubauen.“ Eine Möglichkeit besteht am Sonnabend,
19. März, beim „Tag der Begegnung“, ab 15 Uhr im Jugendzentrum.