Harburg
Buchholz

Immer mehr Einbrüche im Landkreis Harburg

Polizeioberrat Frank Freienberg (l), Polizeidirektor Uwe Lehne

Polizeioberrat Frank Freienberg (l), Polizeidirektor Uwe Lehne

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Kriminalstatistik 966 Fälle im vergangenen Jahr. Zunahme von mehr als 30 Prozent. Täter reisen aus dem Osten an.

Buchholz.  Im Landkreis Harburg wird immer häufiger eingebrochen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2015 (PKS) hervor, die am Mittwoch offiziell veröffentlicht wurde. Demnach stieg die Zahl der gemeldeten Wohnungseinbrüche innerhalb eines Jahres im Bereich der Polizeiinspektion Harburg um 239 auf 966 Fälle an – eine Steigerung von 32,87 Prozent.

Die Anzahl sämtlicher Straftaten legte im Landkreis ebenfalls zu – von 13.523 auf 14.639 im Jahr 2015. Die Aufklärungsquote liegt mit 58,28 Prozent dagegen unverändert hoch (2014: 58,31 Prozent).

„Ich denke, die Aufklärungsquote ist ein sehr guter Wert, wenn man bedenkt, dass wir es am Hamburger Rand mit sehr vielen reisenden Tätergruppen zu tun haben“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Uwe Lehne.

Gleichwohl räumte er ein, dass Harburg im Vergleich zu allen anderen Inspektionen der Polizeidirektion Lüneburg damit das Schlusslicht bildet – wenn auch knapp: Die Aufklärungsquote der Polizeidirektion lag 2015 bei 61,68 Prozent.

In der Fallzahl sieht Lehne „keinen Grund zur Besorgnis“. Die Zunahme sei auch darauf zurückzuführen, „dass wir in einigen Bereichen unsere Streifen erhöht haben“, sagte der Polizeidirektor. So würden mehr Täter erwischt. Die registrierten Ladendiebstähle nahmen deshalb innerhalb eines Jahres von 512 auf 785 zu, und die Anzahl der Taschendiebstähle stieg von 152 auf 237 an.

Was die Häufigkeit von Straftaten pro 100.000 Einwohner angeht, steht Harburg mit 5940 im Jahr 2015 vergleichsweise gut da: Niedersachsen meldet 7263, die Polizeidirektion Lüneburg 6728. Der Nachbarkreis Stade liegt nach den aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2014 mit 6163 und Hamburg mit 13.743 Straftaten pro 100.000 Einwohner deutlich darüber.

Sorgen bereitet den Ermittlern die Zunahme der Einbrüche. „Einbruchdiebstahlsdelikte steigen generell an“, sagte Polizeioberrat Frank Freienberg, „Wir haben im Hamburger Süden aber eine besondere Situation durch unsere besonders gute Verkehrsinfrastruktur“, betonte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion.

Die Aufklärungsquote liegt bei den Einbruchsdelikten mit 22,8 Prozent etwas niedriger als im Vorjahr 2014 mit 26,1 Prozent. „Verglichen mit dem Bund mit einer Aufklärungsquote von 15 Prozent bei den Wohnungseinbrüchen und Hamburg von acht Prozent in der Vergangenheit stehen wir vergleichsweise gut da“, sagte Freienberg. Das reicht dem Chefermittler aber nicht. „Wir wollen noch besser werden! Wir wissen, dass jeder Wohnungseinbruch ein Angriff in den Intimbereich eines Menschen ist.“

Das Problem sei, dass es sich um reisende Tätergruppen handelt, die oft nur wenige Wochen oder Monate im Landkreis aktiv sind und dann wieder verschwinden. „Würden sie aus Tostedt oder Buchholz kommen, hätten wir mehr Ansatzpunkte“, sagte Freienberg. Derzeit würden neue Methoden und neue Fahndungsmöglichkeiten erarbeitet, um die Aufklärung verbessern und die Fallzahlen senken zu können.

„Unser Ziel ist es, dazu zu kommen, dass mehr Täter gefasst und diese kontinuierlich verurteilt und weggesperrt werden, Damit Einbrecher am Ende die Lust verlieren, bei uns aktiv zu werden.“ Bei den Tätern handele es sich vor allem um Banden aus dem Kosovo, dem Balkan, Georgien, Serbien und Albaner. Sie würden es vor allem auf Schmuck, Bargeld und hochwertige elektronische Kleingeräte absehen.

Ein Hauptaugenmerk der künftigen Polizeiarbeit sei auch die Prävention bei Einbrüchen. Mit der Aktion „Fenster auf Kipp?“ habe man begonnen, zahlreiche Aufklärungsveranstaltungen der Polizei sollen in diesem Jahr folgen. Immerhin bleibt heute schon jeder dritte Einbruch unvoll­endet (38,2 Prozent). Freienberg: „Jeder zweite Einbruch findet am Tage statt. Wir sind auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen.“