Harburg
Winsen

Feuer! Hier sollten bald Asylbewerber einziehen

Zum wiederholten Mal Feuer in der Unterkunft Lüneburger Straße in Winsen

Zum wiederholten Mal Feuer in der Unterkunft Lüneburger Straße in Winsen

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Zum wiederholten Mal brach in einem Haus in Winsen Feuer aus. In zehn Tagen sollten in 18 Wohnungen Flüchtlinge einziehen.

Winsen.  Ein Feuer in einem Mehrfamilienhaus in der Lüneburger Straße in Winsen hat in der Nacht zu Freitag die Feuerwehr in Atem gehalten und für Aufregung unter den Bewohnern gesorgt. Das Feuer war gegen 2.30 Uhr in einem leerstehenden Appartement im ersten Obergeschoss ausgebrochen. Fünf Bewohner wurden von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht, ein Bewohner erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Er wurde von Rettungssanitätern des Roten Kreuzes versorgt. Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen von Brandstiftung aus.

Das Gebäude wird als Männerwohnheim genutzt. Von 46 Appartements sind 28 bewohnt, 18 Appartements stehen leer. Sie werden gerade aufwendig renoviert und sollen am 1. März an den Landkreis Harburg übergeben werden, der dort im Frühjahr 36 Flüchtlinge einquartieren will.

Ob das in der anvisierten Zeit gelingt, ist fraglich. In der Brandnacht wurden zehn Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen – sechs bewohnte und vier frisch renovierte Appartements.

Eigentümer entsetzt über Brandschäden

„Es ist sehr unschön, was hier passiert ist“, sagt Matthias Regorz, der Eigentümer des Hauses, als die Brandermittler der Polizei am Freitagvormittag im Badezimmer eines frisch renovierten Appartements im ersten Stock nach Spuren suchen. Die Wände sind verkohlt, die Fenster schwarz. Regorz hat das Haus im Mai 2015 gekauft. „Wir wollten das hier alles hübsch herrichten. Nun sind wir fast fertig, nur die Fußleisten und etwas Farbe fehlen hier oben noch. Und dann sowas. Zum Glück ist niemand verletzt worden.“

Beißender Geruch durchzieht das Haus, eine dicke Rußschicht liegt über dem Gebäudeflügel. In der Brandnacht hat die Feuerwehr die Türen aufgebrochen – um nachzuschauen, ob dahinter vielleicht noch jemand schläft. „Die Polizei und die Feuerwehr haben mich hier rausgeholt“, sagt Torsten Kiesler, 53, der seit vier Jahren in dem Haus lebt. „Stunden mussten wir draußen warten, bis wir wieder zurück in unsere Wohnung konnten.“

Dass die Feuerwehr anrücken muss, um zu löschen, ist in dem Gebäude an der Lüneburger Straße leider nichts Neues. „Wir werden bestimmt vier, fünfmal im Jahr gerufen, weil es in dem Haus brennt“, sagt Burckhard Giese von der Freiwilligen Feuerwehr Winsen dem Abendblatt. Mal brennt ein Zeitungsstapel im Flur, mal ein Müllcontainer, mal wird im Keller Feuer gelegt. Meistens geht die Sache glimpflich aus. „Wir hatten aber auch schon Verletzte.“

Fremdenfeindlicher Hintergrund wird nicht ausgeschlossen

Diesmal ist es anders. Der Brand ist in einem leerstehenden Appartement ausgebrochen, in dem die Handwerker wenige Stunden zuvor die letzten Pinselstriche zogen. Einbruchspuren hat die Polizei nicht gefunden, auch die Fenster sind heil. Das lässt die Vermutung zu, dass sich jemand mit einem Schlüssel Zugang zu den Räumen verschafft haben könnte, um das Feuer zu legen, bestätigen die Brandermittler. In wenigen Tagen sollten hier die ersten Flüchtlinge einziehen. „Dass es hier brennt, daran gewöhnt man sich“, sagt Bewohner Nico, 19, der die Nacht nach eigenem Bekunden bei einem Freund verbracht hat. „Aber das hier ist schon etwas anderes.“ Sein Nachbar Thorsten Kiesler ist froh, dass er in seine eigenen vier Wände zurückkehren konnte: „Ich weiß nicht, wer das Feuer gelegt hat. Das Haus wird ja ein Flüchtlingsheim.“ Dass die Wohnungen für die „Ausländer“ aufwendig saniert werden, kann er nicht verstehen. „Wir warten hier seit Jahren, dass an unseren Wohnungen mal was gemacht wird. Ich krieg’ so einen Hals.“

Die Polizei hat keine Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat, sie schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund als Tatmotiv aber nicht aus. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt Polizeisprecher Johannes Voskors. Im Landkreis sieht man keine Probleme, weil das Haus nun möglicherweise erst später bezogen werden kann. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt Sprecher Bernhard Frosdorfer. „Die Sicherheit der künftigen Mitbewohner wird durch Sozialarbieter und einen Wachdienst rund um die Uhr sichergestellt.“