Bike & Ride

170 neue Radstellplätze für die Neuwiedenthaler

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Sulzyc
Guantanamo für Fahrräder: Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an der S-Bahnhaltestelle Neuwiedenthal wirken heute sehr trist

Guantanamo für Fahrräder: Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an der S-Bahnhaltestelle Neuwiedenthal wirken heute sehr trist

Foto: Thomas Sulzyc

Bei der Neugestaltung der Park&Bike-Anlage am S-Bahnhof kapitulieren die Politiker vor Bettlern und Trinkern: Sitzecken wird es nicht geben.

Hausbruch.  Die P+R Betriebsgesellschaft errichtet am S-Bahnhof Neuwiedenthal noch bis Ende des Jahres eine neue Bike&Ride-Anlage. Dabei entstehen zusätzliche 170 Fahrradstellplätze, die Anzahl erhöht sich damit von jetzt 282 auf 452. Baubeginn wird in den Sommerferien sein. Das berichtete René Wulff von der städtischen P+R am Mittwochabend im Regionalausschuss Süderelbe.

Insgesamt soll damit ein helleres und freundlicheres Umfeld am S-Bahnhof Neuwiedenthal entstehen, sagt der mit der Gestaltung beauftragte Landschaftsarchitekt Thomas Wagner. Die Hamburger EGL GmbH hat dazu Anwohner befragt. Die hatten eine zu geringe Anzahl von Fahrradstellplätzen, eine unzureichende Beleuchtung an den Bahnhofszugängen, zu glatte Bodenbeläge und zu wenig Platz an dem viel frequentierten Zugang vom Striepenweg bemängelt, so dass Radfahrer und Menschen mit Rollatoren in Konflikt gerieten.

Als Antwort darauf wird der triste Fahrradunterstand am Zugang Striepenweg abgerissen und durch Bügel ersetzt. Der Boden erhält einen helleren Sonderbelag, dessen raue Oberfläche auch bei starken Regen rutschfest sei. Eine Mauer wird eingerissen, so dass der Weg insgesamt breiter wird, sagt Thomas Wagner. zwei zusätzliche Leuchten werden ebenfalls installiert.

Bei der Neugestaltung des Bahnhofszugangs vom Striepenweg kapitulieren die Politiker aber offenbar vor Bettlern und Trinkern, die sich dort aufhalten. Die Idee, Sitzgelegenheiten dort anzubieten, sehen sie skeptisch. „Wir haben Bettler und Trinker dort, ich halte Sitzbänke an der Stelle für nicht sinnvoll“, sagt Pinar Aba (SPD). Anlehnpfosten würden reichen für Menschen, die auf dem Weg zum Bahnsteig nur kurz verschnaufen möchten, schlägt Wolfgang Brüggmann (SPD) vor.

Auch Landschaftsarchitekt Thomas Wagner weiß um die Gefahr von Sitzbänken, die Leute anzögen, die man dort nicht haben möchte. Er schlägt insgesamt drei Sitzelemente vor, auf denen jeweils nur ein Mensch Platz nehmen könnte. Unzerstörbare Betonquader, möglichst wenig komfortabel – ohne Rückenlehne. „Damit es nicht zu bequem wird“, sagt der Experte zur Gestaltung von öffentlichen Räumen. Zur Frage, ob Sitzgelegenheiten geschaffen werden, soll aber zunächst noch der Stadtteilbeirat Neugraben angehört werden.

Unumstritten ist dagegen die Bike&Ride-Anlage mit insgesamt vier Standorten, die bis Jahresende am S-Bahnhof Neuwiedenthal entsteht. Am südlichen Zugang vom Rehrstieg stockt die P+R Betriebsgesellschaft die Anzahl der Fahrradstellplätze von jetzt 79 auf 146 auf. Davon sind 116 überdacht, 60 sind Mietplätze (acht Euro im Monat).

Am Parkhaus im Nordosten erhöht sich die Anzahl der Fahrradstellplätze von zurzeit 70 auf 142. Alle sind kostenlos. Im Parkhaus ersetzt eine Sammelschließanlage für insgesamt 126 Räder die bisher dort 66 untergebrachten mietbaren Fahrradboxen.

Die P+R Betriebsgesellschaft verzichtet in Zukunft auf mietbare Einzelboxen, da diese als Umzugszwischenlager oder zur Entsorgung von Hausrat missbraucht worden seien, sagt René Wulff. Nur am Zugang vom Striepenweg verringert sich leicht die Anzahl der Stellplätze: von zurzeit 40 auf 38. Grund ist, dass die Zugangsrampe heller und geräumiger werden soll.

Ein neues Angebot für Pendler werden Schließfächer sein, in denen sie Fahrradhelme und Regenjacken ablegen können. Der Mietpreis beträgt sechs Euro im Monat.

Den von der SPD geäußerten Verdacht, dass sich Fahrraddiebstähle in unmittelbarer Nähe des Parkhauses in Neuwiedenthal häufen würden, bestätigt die Polizei nicht: Das zuständige Landeskriminalamt habe keine auffälligen Häufungen oder Steigerungen von Fahrraddiebstählen registriert.

Bis zum Jahr 2015 modernisiert und errichtet die städtische P+R Betriebsgesellschaft in ganz Hamburg insgesamt 28.000 Fahrradstellplätze, das sind 12.000 mehr als heute. Dazu investiert sie etwa 31 Millionen Euro.

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