Harburg
Sinstorf

Fällgenehmigung für Bäume in Sinstorf beantragt

Stefan Heidtmann (rechts) hielt eine kleine Traueransprache für die Bäume, die gefällt werden sollen

Stefan Heidtmann (rechts) hielt eine kleine Traueransprache für die Bäume, die gefällt werden sollen

Foto: Lars Hansen / xl

Um die Flüchtlingsunterkunft am Sinstorfer Kirchweg bauen zu können, will die Stadt Bäume sägen. Bürgerinitiative protestiert dagegen.

Sinstorf.  Dass am Sinstorfer Kirchweg Trauerreden gehalten werden, ist nicht ungewöhnlich, immerhin gibt es hier einen Friedhof. Dass die Rede auf der Zufahrt zur Autobahnraststätte gehalten wurde und keinem Menschen galt, hob sie allerdings ab. Betrauert wurden 14 Bäume. Die leben sogar noch, aber nicht mehr lange: Sie sollen fallen, damit hier Modulhäuser für Flüchtlinge entstehen können. Die Fällgenehmigung wurde am Freitag beantragt und sollte gestern erteilt werden.

Zur Trauerfeier eingeladen hatte die Bürgerinitiative Marmstorf/Sinstorf. Die Ansprache hielt Initiativensprecher Stefan Heidtmann. „Diese Bäume hier schützen die Anwohner auch vor dem Lärm der 175.000 Autos, die täglich auf der Autobahn vorbeirauschen“, sagte er.

Es geht der Initiative aber nicht nur um die Bäume. In den Informationsveranstaltungen, in denen die Flüchtlingsunterkünfte vorgestellt wurden, hatten die Sozialbehörde und das Bezirksamt den Anwohnern ein offenes Baugenehmigungsverfahren versprochen. „Jetzt werden hier vollendete Tatsachen geschaffen, da fühlen wir uns nicht ernst genommen“, sagte Heidtmann.

Zwar hatte die Sozialbehörde angekündigt, die Fällgenehmigung bereits vor der Baugenehmigung zu beantragen, um vor der Sperrzeit, die im März beginnt, fällen zu können. In den Augen der Initiative widerspricht das jedoch dem Versprechen des offenen Genehmigungsverfahrens.

„Wir haben deshalb bereits gestern eine Eingabe an den Petitionsausschuss der Bürgerschaft geschickt, in der wir fordern, die Genehmigung nicht zu erteilen“, sagte Heidtmann unter Applaus der 60 Anwesenden. „Bis über die Eingabe entschieden ist, kann erst einmal nicht gefällt werden.“

Außerdem hat die Initiative heute beim Bezirksamt ein Bürgerbegehren beantragt, das den Bau der Unterkünfte in der geplanten Form ablehnt. Die Bürgerinitiative fordert, die geplante Unterkunft am Sinstorfer Kirchweg kleiner, als jetzt geplant, einzurichten und auf den Bau der Unterkunft am Leuchtkäferweg zu verzichten. „Wir wollen auf Augenhöhe verhandeln“, sagte Heidtmann.