Harburg
Ohlendorf/Stelle

Aldis Zentrallager zieht nach Stelle

Ordnungsamtsleiter Dirk ter Horst

Ordnungsamtsleiter Dirk ter Horst

Foto: Christiane Tauer

Zentrallager in Ohlendorf wird nach 50 Jahren aufgegeben. Gemeinde Seevetal fürchtet zusätzliche Verkehrsbelastung.

Ohlendorf.  Rund anderthalb Jahre lang war nichts Neues zu hören, jetzt die Überraschung: Aldi Nord will sein Zentrallager in Seevetal-Ohlendorf aufgeben und in das Gewerbegebiet Fachenfelde-Süd der Gemeinde Stelle ziehen. Die Verträge für den Grundstückskauf stehen kurz vor der Unterschrift. Von dem neuen Standort an der Kreisstraße 86 aus, direkt gegenüber des Rewe-Lagers, will der Discount-Riese die Aldi-Märkte der Region beliefern. Es wäre die selbe Fläche, die bereits vor zwei Jahren zur Diskussion stand.

„Die Vorverträge sind erarbeitet und werden derzeit von Aldi geprüft“, sagt Robert Isernhagen, Allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Uwe Sievers. Im Dezember habe sich Aldi überraschend erneut bei der Gemeinde gemeldet und Interesse an der 22 Hektar großen Fläche bekundet, von der es 14,5 Hektar bebauen würde.

„Natürlich freuen wir uns über einen leistungsstarken Investor“, sagt Isernhagen. Doch er ist vorsichtig und wartet ab, bis die Verträge unterschrieben sind – zu gut hat die Gemeinde noch das Verhalten vom Jahr 2014 vor Augen, als Aldi sie einfach hängen ließ.

Das Unternehmen hatte damals, im Februar 2014, nach Aussagen von Bürgermeister Uwe Sievers klar signalisiert, dass es nach Stelle ziehen wolle, um dort ein neues Zentrallager zu errichten. In Ohlendorf war die dringend nötige Erweiterung nicht möglich.

Schon 2014 gab es Verhandlungen mit dem Discountriesen

Aldi wollte daraufhin rasch unternehmensintern eine Grundsatzentscheidung für den Umzug einholen – auf die die Gemeinde Stelle bis Juli 2014 vergeblich wartete. Sievers zog daraufhin die Notbremse und erklärte die Gespräche mit Aldi für beendet. Es sei nicht zu erwarten, dass eine Entscheidung in Kürze fallen werde, sagte er damals und fügte hinzu: „Wir dürfen uns nicht von einem Unternehmen abhängig machen oder gar gegen andere Standorte ausspielen lassen.“

Damit meinte er unter anderem den Standort an der Kreisstraße 86 in Maschen, der ebenfalls in der Diskussion stand und von der Gemeinde Seevetal bis heute als Sonderfläche im informellen Handlungskonzept reserviert ist. Zudem soll Aldi auch in anderen Gemeinden vorgefühlt haben.

Jetzt scheint die Situation aber eine andere zu sein und Stelle der einzige tatsächliche Kandidat. Von den Politikern der Gemeinde gibt es entsprechend positive Signale. Die CDU setze alles daran, die Ansiedlung voranzubringen, erklärt die Fraktionsvorsitzende Elisabeth Tomm. Und auch die SPD sieht das Ganze positiv. „Wir haben uns anfangs aber schon gefragt, ob Aldi es diesmal wirklich ernst meint“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Henke.

Für die Gemeinde Seevetal ist der Wegzug eines großen Steuerzahlers ein herber Rückschlag. „Wir bedauern sehr, dass wir ein so großes Unternehmen verlieren“, sagt Dirk ter Horst, Allgemeiner Vertreter der derzeit im Ausland weilenden Bürgermeisterin Martina Oertzen. Seit 1965 hatte das Zentrallager seinen Sitz in Ohlendorf. Dass es einen neuen Standort für die nötige Erweiterung sucht, sei der Gemeinde auch offen kommuniziert worden, erklärt Gemeindesprecher Andreas Schmidt.

Auf die angebotene Fläche in Maschen ging Aldi jedoch nicht wirklich ein. Vom jetzigen Deal mit Stelle hat die Gemeinde zwar Kenntnis gehabt – allerdings kam die Information nicht von Aldi selbst. Darüber ist man im Hittfelder Rathaus nach fast 50 Jahren gemeinsamer Zeit durchaus enttäuscht. Von Aldi selbst war auf Nachfrage keine Stellungnahme zu erhalten.

Mit dem Zentrallager verschwindetauch der Lkw-Verkehr aus Ohlendorf

Aus Ohlendorfer Sicht hat der Wegzug aber durchaus etwas Gutes: Mit dem Zentrallager geht auch der Verkehr. Das Nachsehen hat Maschen, dessen Autobahnabfahrt schon jetzt an der Belastungsgrenze ist. „Wir werden darauf achten, dass hier unsere Interessen gewahrt werden“, sagt Gemeindesprecher Schmidt.

Die Steller SPD sieht das ähnlich. „Was mit dem Verkehr ist, müssen wir klären“, sagt Bernd Henke. Seine Partei hatte im Sommer 2014 die Bürger befragt, was sie von einem Aldi-Lager halten – die Mehrheit sprach sich vor allem mit Blick auf die vielen zusätzlichen Lkw dagegen aus.