Harburg
Stadtteilschule

Das Wilhelmsburger Meer-Abitur

Schüler der Stadtteilschule Wilhelmsburg fahren während der Maritimen Projektwoche an der Elbinsel Veddel entlang

Schüler der Stadtteilschule Wilhelmsburg fahren während der Maritimen Projektwoche an der Elbinsel Veddel entlang

Foto: Thomas Sulzyc / Stadtteilschule Wilhelmsburg

Die Stadtteilschule Wilhelmsburg startet in diesem Jahr eine Oberstufe mit einem neuen und einzigartigen Profil.

Wilhelmsburg.  Mit einem in Hamburg einzigartigen Profil für die Oberstufe positioniert sich die Stadtteilschule Wilhelmsburg im Wettbewerb unter den Schulen in der Freien und Hansestadt. Auf ihrem Weg zur Hochschulreife beschäftigen sich die Jugendlichen drei Jahre lang im Schwerpunkt mit Themen aus Meeresforschung, Hafenwirtschaft und Schiffsbau. „Maritime Lebenswelten“ nennt das sich neu entwickelte Profil. Die neue Oberstufe an der Stadtteilschule Wilhelmsburg startet im August mit einer elften Klasse.

Was das Oberstufenprofil so besonders macht: Die Schüler werden in drei Jahren für den Einstieg in den Beruf fit gemacht und lernen zugleich das Handwerk, um an der Universität studieren zu können. Das Profil ist zum einen berufsorientiert, weil die Jungen und Mädchen Einblick in die Arbeitswelt von Reedereien oder Forschungsinstituten erhalten.

Die Schüler lernen aber auch, Präsentationen zu erstellen und sich Informationen zu beschaffen. „Alles, was später wissenschaftliches Arbeiten an der Universität ausmacht. Deshalb hat das Profil ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt die Oberstufenkoordinatorin Doreen Zacharias. Vorgesehen sei, dass Schüler Forscher zu sich in das Klassenzimmer einladen und sie im Unterricht als Experten befragen.

Das Oberstufenprofil „Maritime Lebenswelten“ setzt sich aus den Unterrichtsfächern Politik/Gesellschaft/Wirtschaft sowie Biologie und Geografie zusammen. Hamburgs Stellung in der Globalen Welt lässt sich aber auch in anderen Schulfächern zum Zentrum des Geschehens machen.

„Ich besuche mit meinen Schülern die Seemannsmission, und sie führen in Englisch Interviews mit Seeleuten“, erklärt Sprachenlehrer Frank Dienst, wie Unterricht in den Maritimen Lebenswelten aussehen könnte. Eine andere Idee sei, dass angehende Abiturienten mit den Crews von Forschungsschiffen kommunizieren. Geschäftssprache ist auch hier die Weltsprache Englisch.

Fundamentaler Baustein des Oberstufenprofils ist das von der Stadtteilschule Wilhelmsburg entwickelte Unterrichtsfach „Selbstorganisiertes Lernen“, kurz: SOL. Die Schüler der elften Klasse lernen darin in zwei Stunden in der Woche eigenständiges Arbeiten. „Unsere Oberstufenschüler arbeiten an komplexen Projekten und lernen Projektmanagement“, sagt Doreen Zacharias. So könnten auf den Stundenplan zum Beispiel die Umweltproblematik im Hamburger Hafen oder die Elbvertiefung kommen.

Schulleiter Jörg Kallmeyer sieht eine zentrale pädagogische Zukunftsaufgabe darin, den Jungen und Mädchen die Fähigkeit zum eigenständigen Lernen zu vermitteln. Diese Kompetenz sei bei vielen Schülern verloren gegangen. „Was den eigenen Antrieb und die Neugierde angeht, bemerken wir heute große Defizite“, sagt Jörg Kallmeyer.

Das Oberstufenprofil „Maritime Erlebniswelten“ fußt auf einem bestehenden Fundament an der Stadtteilschule Wilhelmsburg. Die etwa 1250 Schüler befassen sich bereits heute immer wieder mit Meeres- und Hafenthemen. In maritimen Projektwochen zum Beispiel. Oder wie zurzeit Jungen und Mädchen der siebten bis neunten Klassen, die in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener Institut das Thema Permafrost künstlerisch bearbeiten.

Die Stadtteilschule Wilhelmsburg hat im Jahr 2011 zusammen mit dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung, dem Internationalen Maritimen Museum Hamburg und Vertretern der Wirtschaft das langfristig angelegte Kooperationsvorhaben „Maritimes Zentrum Elbinseln“ gestartet.

Am Standort Perlstieg soll ein Lern- und Forschungsraum entstehen. Der Neubau mit Laboren, Werkstätten und Ausstellungsräumen lässt bis jetzt auf sich warten. Die zuständige Gebäudemanagement Hamburg hält aber an dem angestrebten Baubeginn in diesem Jahr fest. Wenn auch bei vollem Schulbetrieb und nicht wie ursprünglich vorgesehen mit einem Exil in einer leer stehenden Schule. Im Jahr 2018 würde demnach der Bau fertig sein.

Obwohl ohne Gebäude. lebt die Stadtteilschule das Maritime Zentrum längst. „Wir gewinnen Preise ohne Ende, bewegen uns aber vor einem fiktiven Hintergrund“, sagt Jörg Kallmeyer. Von dem neuen Oberstufenprofil und dem Maritimen Zentrum erwartet der Schulleiter einen deutlichen Aufschwung für die Stadtteilschule und den gesamten Stadtteil. „Das könnte bahnbrechend sein“, sagt er.

„Maritime Erlebniswelten“: Info für zukünftige Oberstufenschüler am Dienstag, 1. März, 17 Uhr, Stadtteilschule Wilhelmsburg, Aula, Rotenhäuser Straße 67