Harburg
Heimfeld

Fahrradständer verdrängt Radweg am S-Bahnhof

Der jetzige Zustand: Wild abgeschlossene Fahrräder bestimmen das Stadtbild

Der jetzige Zustand: Wild abgeschlossene Fahrräder bestimmen das Stadtbild

Foto: Lars Hansen / xl

Am S-Bahnhof Heimfeld wird die gesamte Kreuzung umgebaut. Hunderte Fahrradstellplätze entstehen. Bushaltestelle wird erneuert.

Heimfeld.  Dass am S-Bahnhof Heimfeld 184 moderne Fahrradstellplätze entstehen, ging in der Sitzung des Regionalausschusses Harburg fast unter, als Projektingenieur Marko Schröder ankündigte, dass im Zuge der Baumaßnahmen der Fahrradweg verschwindet, der auf der Südseite der Heimfelder Straße am Bahnhof entlang in den Alten Postweg führt. Michael Dose (SPD) machte seinen Unmut deutlich: „Vor ein paar Jahren ist schon der Radweg an der Nordseite der Heimfelder Straße abgebaut worden“, sagte er. „Und Ersatz gibt es bis heute nicht.“

Obwohl er eigentlich nur zum Bahnhofsumfeld sprechen sollte, ging Schröder auf Doses Einwand ein – und nahm ihm alle Hoffnungen, dass dieser Radweg in nächster Zeit wieder auferstehen wird. „Bis auf einige Ausnahmebereiche werden die benutzungspflichtigen Radwege in der ganzen Stadt abgeschafft“, sagte er. „Radfahrer sollen nun auf der Fahrbahn fahren. Wo es möglich ist, sollen Fahrradsschutzstreifen eingerichtet werden. Die Heimfelder Straße ist dafür aber zu schmal.“

Der Radweg auf der Südseite der Heimfelder Straße ist in einem beklagenswerten Zustand. Eine Sanierung ist unrealistisch und ein Neubau nicht möglich. Nicht nur, weil generell der Radverkehr auf der Straße stattfinden soll, sondern auch, weil der alte Radweg schmaler ist, als ein neuer sein müsste. Die neue Mindestbreite für Fahrradwege laut den Planungshinweisen für Stadtstraßen (PLAST) in Hamburg ist 1,50 Meter. Das lässt sich an dieser Stelle nicht verwirklichen.

Durch den Wegfall wird allerdings Platz für zusätzliche Fahrradstellplätze geschaffen. 28.000 Bike-and-Ride-Plätze, also Fahrradstellplätze an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs will Hamburg bis zum Jahr 2025 vorweisen können. Dafür müssen 12.000 neu entstehen. Jeder Bahnhof und sein Umfeld werden dafür unter die Lupe genommen. Federführend dabei ist die P+R-Betriebsgesellschaft,, die auch die Parkhäuser an den S-Bahnhöfen betreibt. Für die P+R Betriebsgesellschaft war Ingenieur René Wulff gekommen.

Am S-Bahnhof Heimfeld haben die Planer Potenzial entdeckt – und Bedarf vorgefunden. Der ist auch ohne Stadtplanungsstudium sichtbar: Die vorhandenen Abstellbügel sind überbelegt, viele Radfahrer nutzen die Fußgängergitter rund um die Kreuzung als Anschließmöglichkeit für ihre Räder, was die Nutzung des jetzt noch vorhandenen Radweges ohnehin schon einschränkt. „Überdacht ist von den vorhandenen Stellplätzen kein einziger“, sagte Wulff.

Rund um den S-Bahnhof galt es für die Planer jedoch, auch noch andere Aufgaben zu lösen. Unter anderem sind die Bushaltestellen häufig zugeparkt und außerdem sind die Busbuchten in einem schlechten Zustand, so dass bei einem Umbau des Bahnhofsbereichs die Sanierung der Bushaltestellen gleich mit erfolgen soll. „Einer der Gründe für das ständige Zuparken der Haltestelle ist unser Meinung nach, dass die Pflasterung mit Wabenbetonsteinen zu sehr nach einem Parkstreifen aussieht und viele Leute nicht einmal merken, dass sie auf einer Busbucht parken“, vermutete Schröder. Die neuen Busbuchten sollen deshalb eine einheitliche dunkelgraue Decke erhalten und mit dem Wort „BUS“ unmissverständlich markiert werden.

Nach allen vorliegenden statistischen Werten haben die Planer einen Bedarf von 154 Fahrradstellplätzen am S-Bahnhof Heimfeld ermittelt. Sie haben aber die Möglichkeit, ohne großen Mehraufwand gleich 184 Plätze einzurichten und so Potenzial für zukünftige Bedarfe schon vorzuhalten. 24 der 184 Plätze werden sich in zwei abschließbaren Fahrradgaragen befinden und für acht Euro im Monat oder 90 Euro im Jahr zu mieten sein.

Für eine Extra-Gebühr sollen Schließfächer zu mieten sein, in denen Fahrradpendler Helm, Regencape und was sie sonst noch beim Radeln brauchen aber ungern mit in die Bahn nehmen wollen, aufbewahren können. Sollte sich herausstellen, dass die Nachfrage nach den Mietplätzen größer ist, besteht die Möglichkeit die Platzzahl durch eine zweite Ebene zu verdoppeln.

Ob so hohe Container nicht Anliegern, die im Erdgeschoss wohnen, die Sicht aus dem Fenster verstellen würden, wollte Isabelle Wiest, Ausschussmitglied der Neuen Liberalen, wissen. „Andernorts vielleicht, aber in diesem Fall nicht“, antwortete Schröder. „Die Mietstellplätze werden am Petersweg neben der Kirche errichtet. Dort wohnt niemand.“

Außer den Mietstellplätzen sollen weitere 46 Stellplätze ein Dach haben. Bei 184 Plätzen insgesamt bleibt die Planung damit unter der in der landesweiten Vorgabe vorgesehenen Quote von 50 Prozent überdachter Flächen – allerdings nur, weil die Gesamtzahl der Plätze höher ausfällt, als der errechnete Bedarf.

Die Außenplätze, ob mit Dach oder ohne, bestehen aus Stahlbügeln, an denen auf jeder Seite je ein Fahrrad angeschlossen werden kann. Dazwischen wird ein Meter Abstand eingehalten. „Weil die altbekannten Bügel aus verzinktem Stahlrohr schnell verwittern und unansehnlich werden haben wir uns umorientiert und verbauen jetzt optisch ansprechenden anthrazitfarbenen Flachstahl“, erklärte Schröder die ästhetischen Präferenzen der P+R Betriebsgesellschaft. Damit der Flachstahl keine Lackschäden am Fahrrad verursacht, sind seine Kanten abgerundet.

Baubeginn soll im Sommer sein. Für den Umbau der Kreuzung sind mehrere Monate eingeplant.