Harburg

Jung, engagiert und hilfsbereit

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Hanna Kastendieck

Der Rotary Club Hamburg-Harburg zeichnet vier Jugendliche für ihr ehrenamtliches Engagement aus

Harburg.  Sie fragen nicht, was ihr Land für sie tun kann, sondern was sie für ihr Land tun können. Und investieren ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Kraft für andere Kinder und Jugendliche. Sie unterrichten im Schwimmbad, helfen auf dem Hockeyplatz, kümmern sich um Flüchtlinge, machen mit anderen Kindern Musik und begleiten in ihrer Gemeinde Konfirmanden und Kirchgänger. Zwischen Schule und Uni, Klausuren und Prüfungen nehmen sich Fenja Kühn, Julian Behn, Leon Körösi und Vanessa Schröter Zeit, um für andere da zu sein. Ohne zu fragen, was sie dafür bekommen. Einfach so, weil es ihnen Freude bereitet, etwas zu geben.

Für ihr ehrenamtliches Engagement werden die vier Harburger heute Abend mit dem Rotary Jugendpreis des Rotary Clubs Hamburg-Harburg ausgezeichnet. Vergeben wird ein erster Preis, dotiert mit 500 Euro, sowie drei zweite Preise in Höhe von je 300 Euro. „Mit ihrer Einstellung passen die Preisträger perfekt zur Leitlinie von Rotary International, die lautet: ,Service above Self’, selbstloses Dienen“, sagt Rotarier Dietmar Streitberg, der die Ausschreibung betreut hat. „Wir sind überzeugt, dass soziales Engagement und selbstloser, ehrenamtlicher Einsatz für die Gemeinschaft einen Wert darstellen und Anerkennung verdienen.“

Für Fenja Kühn, die Erstplatzierte, hat sich die Frage nie gestellt, ob sie anderen helfen soll oder nicht. Sie tut es einfach, weil es ihr Spaß macht. Und weil sie weiß, dass ein unbeschwertes Kinderlachen unbezahlbar ist. Seit vielen Jahren wirkt die 16-Jährige, die 2013 den Nachwuchspreis beim Harburger „Talente Contest“ gewann, im Marmstorfer Schülerorchester, unterstützt mit ihrer Stimme Chor, Orchester und Big Band und gibt ihre Erfahrung an die jüngeren Musiker weiter.

Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtlich bei der „Harburger Flüchtlingshilfe Binnenhafen“ und hat gemeinsam mit den anderen Helfern eine Jugendgruppe für Flüchtlingskinder und -jugendliche aufgebaut. „Die Kinder, die zu uns kommen, haben ihr Leben lang Krieg erlebt, Gewalt, Angst“, sagt sie. „Jetzt sollen sie die Chance haben, hier bei uns eine unbeschwerte Kindheit und Jugend zu erleben, so, wie ich es auch darf“, sagt sie. „Ich möchte, dass die Kinder wieder Mut fassen und irgendwann alleine ihr Leben gestalten und genießen können.“

Damit das klappt, organisiert sie außerdem gemeinsam mit Mitschülern an ihrer Schule, dem Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, für die Internationale Vorbereitungsklasse Flüchtlingspatenschaften. „Fenja ist eine zuverlässige und leistungsmotivierte Schülerin“, sagt ihre Lehrerin Claudia Sommerfeld. „Sie denkt immer positiv.“ Und dass, obwohl ihre Mutter an einem Gehirntumor erkrankt ist.

Positiv auf andere zuzugehen, sie mitzureißen und zu begeistern, ist auch Julian Behns Stärke. Der 22-Jährige, der an der Hamburger Uni Bioinformatik studiert, engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Apostelkirchengemeinde in Eißendorf. Seit 2012 ist er Mitglied im Jugendgottesdienstteam. Er begleitet Sommerfreizeiten, ist Ansprechpartner für die jüngeren Teamer, die die Konfirmanden-Jahrgänge betreuen und veranstaltet regelmäßig nach den Gottesdiensten ein „Chill-out-Programm“ für die Besucher. „Ich überlege mir Spiele, fordere zum Quiz heraus, organisiere Turniere am Tischkicker oder Ähnliches“, sagt er. Einen Tag dauert jedes Mal allein die Vorbereitung. Aber die Zeit sei gut investiert, sagt er. „Ich habe Spaß daran, mir für andere ein Programm auszudenken. Das ist ein guter Ausgleich zu meinem technischen Studium.“

Einer, der immer für die Kinder da ist, sie antreibt und motiviert, ist Leon Körösi. Der 18 Jahre alte Schüler vom Heisenberg-Gymnasium gibt Hockeytraining in der Tennisgesellschaft Heimfeld. „Ich möchte den Kindern Fairness und Freude am Spiel vermitteln“, sagt er. Was er dafür bekommt? „Wertschätzung, Anerkennung, Erfolge, fröhliche Kinder und zufriedene Eltern“, sagt der Hockeyspieler, der selber bei der männlichen Jugend A sowie bei den Herren als rechter Verteidiger agiert. „Besonders verdienstvoll ist sein hohes Engagement im Schiedsrichterwesen im gesamten Hockey-Verband“, sagt Rotarier Dietmar Streitberg. Sich der Kritik der selbsternannten Experten auszusetzen, verdiene Respekt und Anerkennung.

Ihre Preisgelder wollen die Gewinner teilweise spenden

Kinder stark zu machen, ihnen zu zeigen, was in ihnen steckt, das hat sich auch Vanessa Schröter zum Ziel gesetzt. Die 18-Jährige aus Sinstorf engagiert sich ehrenamtlich bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Seit drei Jahren unterstützt sie die Ausbildung von Schwimmanfängern. Jeden Mittwoch steht sie im Becken der Hittfelder Schwimmhalle. „Die Kinder schätzen Vanessas ausgeglichene und einfühlsame Art, die durch hohe Verlässlichkeit ergänzt wird“, sagt Markus Wölfel, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Seevetal. Für Vanessa selbst gibt es nichts Schöneres, als mit Kindern zusammenzuarbeiten. Derzeit macht sie ein Freiwilliges Soziales Jahr und begleitet einen behinderten Jungen in die Schule Elfenwiese. Im Anschluss daran möchte sie eine Ausbildung zur Heilerzieherin machen, um später auch beruflich mit jungen Menschen arbeiten zu können. „Kinder interessieren mich“, sagt sie. „Und man kriegt so viel zurück.“

Ihre Preisgelder wollen die vier Gewinner zum Teil in ihre Projekte stecken. Weil diese ihnen eben am Herzen liegen. Die Rotarier wird das freuen. Steht ein solches Verhalten doch genau für die Werte, die ihnen so wichtig sind.

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