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Symphoniker auf dem Flohmarkt

Ein Trio der Hamburger Symphoniker spielt merklich gut gelaunt im Alten Elbtunnel. Am 6. März werden Musiker des Orchesters in den Wilhelmsburger Zinnwerken während des Flohmarktes ein Konzert geben

Ein Trio der Hamburger Symphoniker spielt merklich gut gelaunt im Alten Elbtunnel. Am 6. März werden Musiker des Orchesters in den Wilhelmsburger Zinnwerken während des Flohmarktes ein Konzert geben

Foto: Nicolas Doering / Hamburger Symphoniker

Ein Streichquartett des Hamburger Orchesters tritt am 6. März in den Wilhelmsburger Zinnwerken auf.

Wilhelmsburg.  Zum ersten Mal in ihrer beinahe 60-jährigen Geschichte werden die Hamburger Symphoniker ein Konzert auf einem Flohmarkt geben. Ein Streichquartett des renommierten Orchesters spielt am Sonntag, 6. März, etwa eine halbe Stunde langwährend des Markttreibens in den Wilhelmsburger Zinnwerken.

Das ungewöhnliche Konzertereignis bestätigten Sarah Weintritt, Leiterin des Projektes „MusikImPuls“ der Symphoniker, und die Öffentlichkeitsarbeiterin Nicole Stapinksi am Sonntag in Wilhelmsburg. Die beiden haben vorab den „FlohZinn“-Markt in den früheren Industriehallen besucht und das Terrain für die Musiker erkundet.

Normalerweise sind die Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle zu Hause – sie sind das Residenzorchester des in den Jahren 1904 bis 1908 im neobarocken Stil errichteten Konzerthauses. mit 2025 Plätzen. Seit dem September vergangenen Jahres begeben sich Symphoniker einmal im Monat an ungewöhnliche Orte inmitten der Stadt, um das Konzerthaus auf die Straße zu bringen.

„MusikImPuls“ nennt sich das Projekt, das bis in das Jahr 2017 läuft. Indem die Hamburger Symphoniker beweisen, dass überall in der Stadt Musik stattfinden kann, spielt das Orchester bei der Idee zu einer Musikstadt Hamburg die erste Geige. Das Residenzorchester der Laeiszhalle positioniert sich damit auch auf die Herausforderung, wenn die Elbphilhamonie eröffnen wird.

Spektakulär war der Auftritt am 7. November, als ein Trio der Symphoniker in dem Alten Elbtunnel ein Konzert gab. Dafür wurde eigens ein Flügel an den Konzertort unter der Elbe geschafft. Elena Bashkirova am Klavier, Elmar Hönig (Klarinette), und Arne-Christian Pelz (Violoncello) spielten das sogenannte „Gassenhauertrio“ von Ludwig van Beethoven. Insgesamt mehr als 70 Musiker gehören dem Orchester an. Mehr als zwei Drittel von ihnen beteiligen sich an den „MusikImPuls“-Konzerten, an denen keine normalen Konzertbedingungen herrschen, sagt Projektleiterin Sarah Weintritt.

Nun also ein Konzert auf einem Flohmarkt, während Besucher um die Waren feilschen oder für Kaffee, Kuchen und Crêpes anstehen. Zwar ist der „FlohZinn“-Markt wegen seiner Live-Konzerte und vieler Verkaufsstände aus der Kreativwirtschaft als „Kulturflohmarkt“ bekannt. Für die Symphoniker dürfte das Markttreiben dennoch die gesuchte Herausforderung darstellen. Die Akustik in den früheren Zinnwerken sei nicht ganz einfach, sagt Sarah Weintritt. Möglicherweise werde das Streichquartett mit zwei Geigen, Bratsche und Cello mit Hilfe einer elektronischen Verstärkung auftreten.

Da die Temperaturen in den alten Industriehallen weniger wohlig als in einem Konzerthaus sein werden, geben die Symphoniker voraussichtlich ungewohnt lässig in Pullover und Hose das Konzert. „Sie werden nicht im Frack auftreten“, so Sarah Weintritt.

Bei einem Arbeitstreffen auf der Suche nach Winter-Konzertorten in geschlossen Räumen, sei man auf die Idee gekommen, auf einem Flohmarkt zu spielen, sagt Nicole Stapinski. Freunde hätten den „FlohZinn“-Markt besucht und davon erzählt,ergänzt Sarah Weintritt. Sie selbst zeigt sich begeistert nach ihrem ersten Besuch in den Wilhelmsburger Zinnwerken: „Die Atmosphäre hier ist super.“

Das Gastspiel der Hamburger Symphoniker in den Zinnwerken dürfte als symbolträchtiges Bild auch der Idee eines Kulturkanals entlang des Veringkanals in Wilhelmsburg neuen Schwung verleihen.