Harburg
Neu Wulmstorf

Politik macht Weg für Luxussiedlung frei

Neu Wulmstorfer wehrten sich gegen neue Wohnsiedlung gehobener Klasse

Neu Wulmstorfer wehrten sich gegen neue Wohnsiedlung gehobener Klasse

Foto: Bianca Wilkens / HA

Politik und Verwaltung stimmen für die Änderung des Flächennutzungsplans trotz Protests der Anwohner. 500 Bürger wehren sich.

Neu Wulmstorf.  Sie erschienen so zahlreich, dass nicht alle Platz im Rathaussaal fanden und sich auf den Gang drängen mussten. Dennoch hörten die Neu Wulmstorfer nicht das, was sie hören wollten. Allem Widerstand zum Trotz brachten die Fraktionen in der Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses am Donnerstagabend die Luxussiedlung in der Fischbeker Heide, Neu Wulmstorf, auf den Weg. Auf 15 Hektar in der Fischbeker Heide soll die gehobene Waldsiedlung entstehen. Bis zu 60 Einfamilienhäuser auf großzügigen Grundstücken mit 1000 bis 3300 Quadratmetern sind vorgesehen. Damit bekommt Neu Wulmstorf Luxuswohnformen, darunter auch Villen, wie man sie sonst nur von Hittfeld und Lüneburg kennt.

Mal abgesehen von den Grünen, die gegen die neue Siedlung stimmten, setzten CDU, SPD, FDP und UWG die Änderung des Flächennutzungsplans durch und stießen damit das städtebauliche Projekt an. Ein Begraben der Waldsiedlung hätte bedeutet, etwas viel Größeres zu beerdigen: den Masterplan Röttiger Kaserne, lautete der Tenor von Verwaltung und Politik. Das konnte und wollte offenbar keiner der Verantwortlichen mittragen.

Der Masterplan entstand vor etwa zehn Jahren, als sich die Bundeswehr aus der Röttiger-Kaserne in Fischbek und dem Standortübungsgelände in der Gemeinde Neu Wulmstorf zurückzog. Eine 270 Hektar große Fläche, über lange Zeit militärisches Sperrgebiet, wurde damals plötzlich zugänglich. Eine große Chance. Der Bund als Eigentümer der Fläche war bereit, das riesige Gelände zu einem niedrigen Preis zu verkaufen. Dadurch konnte ein großes Naherholungsgebiet entstehen. Von der insgesamt 270 Hektar großen Fläche gingen 180 Hektar an die Naturschutzstiftung des Landkreises Harburg.

Der Bund setzte aber eine Bedingung: Dass ein Teil des Areals städtebaulich entwickelt wird. Dieser Teil ist das Neubaugebiet Fischbeker Heidbrook auf der Hamburger Seite und eben die geplante 15 Hektar große Waldsiedlung in der Gemeinde Neu Wulmstorf. „Wir konnten eine riesige Fläche zur Naherholung gewinnen. Da ist immer eine Kröte zu schlucken, besonders, wenn man Geschäfte mit dem Bund macht“, erklärte Thomas Grambow, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, in der Sitzung am Donnerstagabend.

Sowohl die Sozialdemokraten als auch die CDU werteten es als fatales Signal, sollte Neu Wulmstorf jetzt vom Masterplan-Vertrag abrücken. „Wo kämen wir denn da hin, wenn wir als Gemeinde jetzt sagen, dass wir uns nicht an die Verträge halten“, sagte CDU-Fraktionschef Malte Kanebley.

Und so stößt der Protest der Neu Wulmstorfer auf Granit. 500 Bürger wehren sich in einer Unterschriftenaktion unter dem Motto „Nein zur Waldsiedlung und Ja zur Natur“ gegen das Vorhaben. Sie fürchten die Zerstörung der Naturidylle Fischbeker Heide und lehnen jegliche Bebauung ab.

In einer etwa einstündigen Einwohnerfragestunde im Verlauf der Sitzung unterstrichen sie ihren Widerstand. Stephan Rost vom BUND Neu Wulmstorf gab zu Bedenken, dass sich gleich neben der geplanten Waldsiedlung das geschützte Heidemoor befindet, für das die Waldsiedlung eine Gefahr sei.

Neben der Sorge um die Natur treibt die Anwohner zunehmender Verkehrslärm und eine Überlastung der Schmutzwasserkanäle um, da die Abwasserkanäle der Waldsiedlung voraussichtlich an das vorhandene Kanalnetz der Nachbarhäuser an der Fischbeker Straße angeschlossen werden sollen.

„Nach welchen Kriterien werden hier Entscheidungen getroffen? Zum Wohle der Natur, der Menschen oder des Profits?“, fragte Anwohner Bernd Perlbach etwas provozierend. Doch es half alles nichts. Thomas Saunus, Fachbereichsleiter Ortsentwicklung in der Gemeinde Neu Wulmstorf, erinnerte an das Gesamtpaket. „Wenn es den Masterplan nicht gegeben hätte, könnte man in der Fischbeker Heide heute vielleicht gar nicht spazieren gehen“, sagte er.

SPD und CDU verhehlten auch nicht, dass sie sich von der Wohnsiedlung mehr Einkünfte versprechen. „Es tut der Gemeinde ganz gut, wenn Menschen hier leben, die etwas mehr in den Topf geben können“, sagte Kanebley.

In der Gestaltung der Zufahrt kam die Verwaltung den Bürgern wenigstens entgegen. Die Straße zur Siedlung soll jetzt nicht mehr parallel zur Fischbeker Straße verlaufen. Dennoch: Carmen Friedrich, die federführend den Widerstand organisiert hatte, ging niedergeschlagen nach Hause. „Wie es aussieht können wir jetzt nur noch auf eine seltene Tierart hoffen, die in der Heide heimisch ist“, sagte sie.