Harburg
Neu Wulmstorf

Was wird nun aus der Fischbeker Heide?

Neu Wulmstorfer wehren sich gegen neue Wohnsiedlung gehobener Klasse

Neu Wulmstorfer wehren sich gegen neue Wohnsiedlung gehobener Klasse

Foto: Bianca Wilkens / HA

Geplantes Villenquartier im Wald empört Anwohner: Neu Wulmstorfer fürchten Naturzerstörung.

Neu Wulmstorf.  Dichter Waldwuchs, vereinsamte Straßen, zwitschernde Vögel. Seit keine Panzer mehr durch die Fischbeker Heide rollen, hat sich die Natur ihren Lebensraum zurückerobert. Sehr zum Gefallen der Neu Wulmstorfer, die das ehemalige Truppenübungsgelände am Rande ihrer Ortschaft als Naherholungsgebiet nutzen.

Spaziergänger, Reiter und Jogger sind dort regelmäßig unterwegs. Umso größer war der Schreck bei den Anwohnern, als bekannt wurde, dass in der Fischbeker Heide eine exklusive Waldsiedlung entstehen soll.

Carmen Friedrich, 58, aus Neu Wulmstorf zeigt auf junge Birken, auf die Stellen, an denen sie mehrfach Frösche und Blindschleichen entdeckt hat. „Wenn hier ein neues Wohngebiet hinkommt, wird Neu Wulmstorf das Schönste genommen, was die Gemeinde hat“, sagt sie. Mit ihrer Meinung steht sie nicht allein. Innerhalb weniger Wochen hat sie unter dem Slogan „Nein zur Waldsiedlung, Ja zur Natur“ 400 Unterschriften gesammelt, um das Bauvorhaben zu verhindern.

Doch die Chancen, das Projekt zu kippen, stehen schlecht. Die Pläne für ein Luxusquartier mitten in der Natur sind schon so alt, dass sie fast Staub ansetzen. Das Vorhaben fußt auf einer städtebaulichen Entwicklung im großen Stil – auf dem Masterplan Röttiger- Kaserne. Der entstand, als die Bundeswehr um die Jahrtausendwende die militärische Nutzung aufgab und sich aus der Röttiger-Kaserne in Fischbek und dem dazugehörigen Standortübungsgelände auf der niedersächsischen Seite in der Gemeinde Neu Wulmstorf, zurückzog.

Die künftige Nutzung des 270 Hektar großen Areals war damals eines der bedeutendsten länderübergreifenden Vorhaben von Hamburg und Niedersachsen. Die Metropolregion Hamburg erklärte die Entwicklung des Gebiets zum Leitprojekt.

Das Ergebnis: Ein großer Teil, 180 Hektar des insgesamt 270 Hektar großen Areals, wurde an die Naturschutzstiftung des Landkreises Harburg übergeben. Das Gelände, das zuvor gesperrt war, entwickelte sich damit zum Naherholungsgebiet. Zum Deal gehörte aber auch, dass auf Neu Wulmstorfer Boden eine Luxus-Waldsiedlung und auf Hamburger Gebiet ein Wohngebiet, der Fischbeker Heidbrook, entstehen.

Insgesamt sind 57 großzügige Grundstücke zwischen 1500 und 3000 Quadratmetern für Einfamilienhäuser in der Waldsiedlung vorgesehen. Das Luxusquartier umfasst knapp 15 Hektar. Das Bauvorhaben wurde in dem Masterplan vertraglich festgezurrt.

Sollte sich Neu Wulmstorf jetzt also von seiner Verpflichtung lösen, könnte es für die Gemeinde teuer werden. „Möglicherweise kommt es dann zu Regressansprüchen“, sagt Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf Rosenzweig. Jetzt muss sich die Politik mit dem Thema auseinandersetzen.

Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss soll am Donnerstag, 4. Februar, 19.30 Uhr, im Ratssaal des Neu Wulmstorfer Rathauses über die Aufstellung des Bebauungsplanes entscheiden.

Im Vorwege hatte die SPD bereits ihre Fühler zu den Bürgern ausgestreckt und zu einer öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen. Dort brachten Carmen Friedrich und ihre Mitstreiter ihren Protest zum Ausdruck.

Wenn die Neu Wulmstorfer über die Fischbeker Heide sprechen, klingt es fast wie eine Liebeserklärung. Begriffe wie Juwel und Perle fallen. Die Anwohner wollen jetzt die Politik überzeugen, den zehn Jahre alten Ratsbeschluss für die Waldsiedlung aufzuheben.

„Wir wollen, dass das Gebiet nicht mehr angetastet und weiterhin sich selbst überlassen wird“, sagt Bernd Perlbach, 68. Der Rentner äußerte sich auch enttäuscht darüber, dass die Bürger nicht früher in die Planung einbezogen wurden.

„Ich kann es nachvollziehen, dass die Anwohner die Waldsiedlung komplett ablehnen“, sagt Tobias Handtke, Fraktionschef der SPD. „Der einfachste Weg, sie nicht zuzulassen, ist aber rechtlich nicht unbedingt der richtige. Es geht auch darum, dass die Gemeinde zu ihren Vereinbarungen steht.“

Ähnlich äußerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Malte Kanebley, der die Bedenken nachvollziehen kann. „Aber der Protest kommt ein bisschen spät“, sagt er. Wir reden nicht mehr über das Ob, sondern über das Wie.“

Bau-, Planungs- und Umweltausschuss am Donnerstag, 4. Februar, 19.30 Uhr, Ratssaal des Neu Wulmstorfer Rathauses, Bahnhofstraße 39. Die Sitzung ist öffentlich. Einwohner können zu Beginn und am Ende der Sitzung Fragen an den Ausschuss richten