Harburg
Radverkehr

Wilhelmsburger sollen ihre Fahrräder am Bahnhof stapeln

So könnten Fahrräder in Zukunft am S-Bahnhof Wilhelmsburg abgestellt werden. Das Foto zeigt ein in vielen europäischen Städten genutztes Fahrradparksystem des Unternehmens VelopA

So könnten Fahrräder in Zukunft am S-Bahnhof Wilhelmsburg abgestellt werden. Das Foto zeigt ein in vielen europäischen Städten genutztes Fahrradparksystem des Unternehmens VelopA

Foto: VelopA

SPD schlägt platzsparende doppelstöckige Fahrradparksysteme vor. Bewährt in Rotterdam und Kopenhagen. Wilhelmsburg wäre Vorreiter in Hamburg.

Wilhelmsburg.  Die Sozialdemokraten wollen den Mangel an Stellplätzen für Fahrräder am S-Bahnhof Wilhelmsburg mit einem für Hamburg neuen Parksystem abhelfen. Radfahrer würden demnach ihre Räder übereinander auf zwei Ebenen abstellen. Derartige Fahrradstationen sind bisher aus Radfahrnationen wie den Niederlanden oder Dänemark bekannt. „Wir hätten das erste Fahrradparksystem dieser Art in Hamburg. Wilhelmsburg hätte damit Vorbildcharakter für andere Stadtteile“, sagt Kesbana Klein, SPD-Abgeordnete in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte.

Die Mehrheit von SPD und Grünen im Regionalausschuss Wilhelmsburg hat jetzt das Bezirksamt Hamburg-Mitte aufgefordert, sich für neuartige, platzsparende Fahrradparksysteme am S-Bahnhof Wilhelmsburg einzusetzen. Geht es nach den Sozialdemokraten von den Elbinseln, würden die Fahrräder in Zukunft unter der Muharrem-Acar-Brücke im Osten des Bahnhofs und am Gertrud-von-Thaden-Platz in Nähe der Behörden für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie gestapelt. Die Nutzung soll kostenlos sein, sagt Michael Weinreich, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter aus Wilhelmsburg.

Die Elbinsel ist erster Modellstadtteil für das Fahrradfahren in Hamburg. Die Abstellmöglichkeiten am S-Bahnhof sehen nicht danach aus: Fahrradfahrer ketten ihre Räder bevorzugt an den Geländern der Muharrem-Acar-Brücke ab. Versuche des Bezirksamtes, das „wilde“ Abstellen zu unterbinden, indem Mitarbeiter an den Brückengeländern angekettete Räder entfernen ließen, wirkten nicht abschreckend.

Wie viele zusätzliche Fahrradstellplätze in den platzsparenden Systemen geschaffen werden sollen, lässt der SPD-Antrag offen. Ebenso sind die voraussichtlichen Kosten unbekannt. Stellplätze in doppelstöckigen Fahrradparksystemen seien aber um die Hälfte günstiger als die in Hamburg verbreiteten, im Boden verankerten Fahrradbügel, sagt Jörg Mehldau, Sprecher für den Fahrradverkehr in der SPD-Regionalausschussfraktion Wilhelmsburg.

Das Unternehmen Velopa mit Niederlassungen in den Niederlanden, Belgien und Duisburg ist ein Spezialist für Fahrradparkplätze und Mobiliar im öffentlichen Raum. Allein mit seinem doppelstöckigen Fahrradparksystem „Easylift“ hat es nach eigenen Angaben mehr als 60.000 Abstellplätze in Europa geschaffen. Ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof in Rotterdam bietet Platz für mehrere tausend Räder.

Beim Abstellen des Fahrrads in der oberen Ebene unterstützen Gasfedern das Anheben des Fahrrades. Deshalb könnten es auch ältere Menschen nutzen. Christine Wolfram (Die Linke) hatte die Sorge geäußert, doppelstöckige Fahrradstellplätze seien ungeeignet für „Menschen mit nicht so viel Kraft“.

Jörn Frommann (CDU) zeigt sich skeptisch wegen der Wartungskosten. Die Easylifts seien wartungsfrei, da sie mit Gasfedern arbeiteten, heißt es auf Nachfrage des Abendblattes bei Velopa. Bei überdachten Lösungen müssten lediglich die Rinnen und Dächer gesäubert werden. Die doppelstöckigen Fahrradparksysteme seien in den Niederlanden praxiserprobt, sagt Kesbana Klein. In London würden Nutzer zwei britsche Pfund, als 2,62 Euro, bezahlen, weiß Sonja Lattwesen (Grüne). In Kopenhagen seien sie kostenfrei.

Jörn Frommann (CDU) hält zusätzliche Fahrradstellplätze grundsätzlich für eine „schöne Idee“. Er äußert aber erhebliche Zweifel, ob sie tatsächlich am S-Bahnhof Wilhelmsburg entstehen werden.