Harburg
Offensive

Landkreis will mehr günstigen Wohnraum schaffen

Kai Uffelmann und Gäste beim Neujahrsempfang der Arbeitsagentur

Kai Uffelmann und Gäste beim Neujahrsempfang der Arbeitsagentur

Foto: Rolf Zamponi / HA

Verwaltung will mit den Gemeinden eine Gesellschaft gründen, um zusätzliche Mietwohnungen für Bürger bieten zu können

Winsen.  Der Auftakt für die geplante Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Harburg ist gelungen. „Das Thema werden wir in den Kreistag am 17. März einbringen. Der Wohnungsbau braucht neben den privaten Anstrengungen noch einen zweiten Impuls“, sagte der Erste Kreisrat, Kai Uffelmann, dem Abendblatt. Sollte es gelingen, die Gesellschaft bis zur Jahresmitte zu gründen, könnten erste Projekte noch in diesem Jahr begonnen werden. Die Kreisverwaltung hatte sich mit den Haupt- und ehrenamtlichen Bürgermeistern, Vertretern der Sparkasse Harburg-Buxtehude, Experten sowie Referenten aus der Wohnungswirtschaft in der Burg Seevetal getroffen. Zu der knapp dreistündigen Sitzung waren rund 120 Teilnehmer gekommen.

Ziel des Vorstosses ist der Bau von Wohnungen, die für Menschen bezahlbar sind, deren Jahreseinkommen zwischen 20.000 und 40.000 Euro brutto liegt. Das trifft beispielsweise für Friseure, Busfahrer oder Handwerker und Angestellte im öffentlichen Dienst zu. „Es fehlen Angebote, die für acht Euro pro Quadratmeter (kalt) gemietet werden können“, sagte Uffelmann. Stattdessen werden im Landkreis Mieten von zehn oder elf Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Arbeitnehmer, die in Hamburg tätig sind, sind häufig bereit, diese zu zahlen. „Für den Landkreis gilt derzeit die höchste Mietpreisstufe im Land Niedersachsen“, weiß der Erste Kreisrat.

Die neue Gesellschaft könnte mit Neubauten diesem Trend entgegen wirken. Ausdrücklich nicht im Vordergrund steht ein geförderter, sozialer Wohnungsbau, bei dem der Quadratmeterpreis bei 5,60 Euro liegen würde.

Nach einer Studie der N-Bank, der Förderbank des Landes Niedersachsen, besteht im Landkreis bis zum Jahr 2020 ein Bedarf von 3018 Wohnungen. Geplant hätten private Investoren bisher 1752, geht aus den Daten hervor. Eine neue Gesellschaft werde diese Lücke nicht schließen können, sagt Uffelmann. Durch ihre Projekte würde sie aber kleiner. In die Planungen einbezogen ist die Sparkasse Harburg-Buxtehude, die dem Kreis und der Stadt Buxtehude gehört. Sie zählt zu den führenden Finanziers bei Bauprojekten.

Prinzipiell soll die neue Gesellschaft aber nicht in Konkurrenz zu privaten Investoren treten. Das hatte auch Landrat Rainer Rempe im Abendblatt-Interview versichert. Der Kreis will eng mit den Gemeinden zusammenarbeiten und sie und ihre Gremien von vornherein in die politische Diskussion mit einbeziehen. Der Vorteil der neuen Gesellschaft wäre, dass sie mit den Gemeinden zusammen arbeiten kann, um die Planungen voran zu treiben.

„Das Projekt sehen wir als Investition, die sich tragen muss. Es soll kein Zuschussgeschäft werden“, sagte Uffelmann. Die Haushaltslage des Kreises ist ohnehin angespannt. Der Erste Kreisrat setzt auf eine Förderung von Land und Bund. Zinsgünstige Darlehen bringen jedoch derzeit nur wenig.

Die SPD als Opposition im Kreistag unterstützt die Linie der Verwaltung, macht sie jedoch an einem eigenen Antrag der Kreistagsfraktion vom Mai 2015 fest. Mit Freude sei der öffentliche Vorstoß von Rempe zur Kenntnis genommen worden, hatte die Fraktion vor der Sitzung in der Burg Seevetal mitgeteilt. „Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist ein wichtiger Eckpunkt für die Zukunft unseres Landkreises mit Blick auf den demografischen Wandel und die Attraktivität als Wirtschaftsstandort“, argumentiert der Fraktionsvorsitzende Tobias Handtke. Wichtig ist der SPD, dass bezahlbares Wohnen nicht ausschließlich als Aufgabe im Rahmen der Flüchtlingshilfe verstanden werden dürfe. „Der Bedarf der gesamten Bevölkerung wächst, und dieser Bedarf muss gedeckt werden“, sagt Handtke.

Ohnehin ist die Entwicklung bei den Flüchtlingen noch nicht in die Planungen einbezogen. Derzeit wohnen 3400 geflohene Menschen im Kreis, allein 2016 sollen mehr als 5000 neue kommen. Nicht alle werden bleiben. Uffelmann macht deutlich: „Der Bedarf dieser Gruppe kommt noch hinzu.“