Harburg
Klecken

Rosengartens Politiker streiten über Waldbestattung

Beisetzung unter ausgewählten Waldbäumen – Das Interesse an dieser alternativen Bestattungsform wird in Deutschland immer größer

Beisetzung unter ausgewählten Waldbäumen – Das Interesse an dieser alternativen Bestattungsform wird in Deutschland immer größer

Foto: Z1022 Patrick Pleul / dpa

Heute entscheidet der Verwaltungsausschuss, ob sich die Gemeinde Rosengarten weiter mit dem Thema Friedwald befasst.

Klecken.  Im Wald unter einem Baum begraben zu werden, hat sich in ganz Deutschland zu einem Bestattungstrend entwickelt. In Klecken jedoch hagelt es Kritik für den Plan, im Klecker Wald Waldbestattungen zu ermöglichen. Der Ausschuss für Wirtschaft, Finanzen und Gewerbe hatte sich im Dezember 2015 mit knapper Mehrheit gegen das Vorhaben ausgesprochen.

Vom Tisch ist die Einrichtung eines Friedwaldes in Rosengarten aber noch lange nicht. Heute beschäftigt sich der Verwaltungsausschuss in einer nicht öffentlichen Sitzung mit dem Friedwald. Die Ausschussmitglieder sollen darüber entscheiden, ob sich der Rat des Themas noch einmal annimmt.

Für Kritiker eines Friedwaldes erscheint das, als könne die Verwaltung nicht los lassen. Bürgermeister Dirk Seidler hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er gerne einen Friedwald in seiner Gemeinde gehabt hätte. „Ich find’s schade“, sagte er nach der knappen Ablehnung des Ausschusses Ende 2015. „Es wäre eine gute Möglichkeit für die Gemeinde gewesen, auch noch andere Bestattungsformen anzubieten“, sagte er.

Die Niedersächsischen Landesforsten waren im vergangenen Jahr an die Gemeinde Rosengarten mit dem Wunsch herangetreten, den Menschen aus dem Süden Hamburgs die Bestattung unter Bäumen im Klecker Wald zu bieten. Das soll in Zusammenarbeit mit der Firma Friedwald als Betreiber geschehen. Zugänge, Parkplätze, Verkehrssicherung – für all das wollen die Landesforsten und die Firma Friedwald sorgen.

Mit anderen Worten: Sie wollen es der Gemeinde Rosengarten so einfach wie möglich machen. Die Gemeinde würde auch an den Erlösen der Bestattungen beteiligt und nähme darüber pro Jahr schätzungsweise 10.000 Euro ein.

Nicht viel Geld, finden die Gegner des Friedwaldes, zumal eine riesige Waldfläche dafür hergegeben werden soll: 70 Hektar Klecker Wald. „Die stehen dann nicht mehr zur Erholung zur Verfügung“, sagt Jürgen Grützmacher (CDU), Ortsbürgermeister von Klecken. „Kein Pilze oder Blaubeeren sammeln mehr. Kein Radfahren, keine Hunde spazieren führen.“

Zwar betont die Firma Friedwald, dass der Wald immer noch Wald bleibt, dass keine Zäune gezogen werden und auch alle Erholungssuchenden den Wald aufsuchen können wie bisher. Doch auch die Verwaltung der Gemeinde Rosengarten spricht von eingeschränkter Nutzung. Allein schon aus Respekt vor Trauernden und um die Würde des Ortes zu wahren. Dem wollte die Verwaltung mit der Einrichtung von Zonen begegnen. Sowohl Erholungssuchende als auch Trauernde sollen so Raum bekommen. „Der Klecker Wald ist viel zu wichtig für die Erholung“, betont Rosengartens Erster Gemeinderat Carsten Peters.

Doch es geht nicht nur um den Erholungsfaktor. Am Streit um einen möglichen Friedwald in Klecken lässt sich ein Konkurrenzkampf um die Bestattungen zwischen Kirche und Gemeinde als Friedhofsbetreiber auf der einen Seite und privaten Unternehmen wie Friedwald und Ruheforst auf der anderen Seite ablesen. „Da wird mit harten Bandagen gekämpft“, sagt auch Norbert Fischer, Kulturhistoriker an der Universität Hamburg, der sich mit den Entwicklungen der Bestattungskultur auseinandersetzt.

Daher haben sich auch der Hamburger Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands und die Arbeitsgemeinschaft der Kirchenkreisbeauftragten für das Friedhofswesen in der Nordkirche eingeschaltet und raten der Gemeinde Rosengarten dringend davon ab, einen Bestattungswald auszuweisen. Sie sehen in dem Vorhaben ein rein wirtschaftliches Interesse der Friedwald GmbH, verbunden mit einem hohen Risiko für die Gemeinde Rosengarten.

Denn nach dem Gesetz ist es vorgeschrieben, dass ausschließlich Gemeinden oder Kirchen Friedhöfe führen dürfen. Die Gemeinde Rosengarten muss also die Trägerschaft des Friedwaldes übernehmen und garantiert, die Waldfläche 99 Jahre für Bestattungen bereit zu halten. Das Unternehmen Friedwald hingegen schließt lediglich Verträge mit einer Laufzeit von 25 bis 30 Jahren ab.

Die Kommune verpflichtet sich also für einen deutlich längeren Zeitraum, als es die Friedwald GmbH tut. Aus heutiger Sicht eine kaum zu überblickende Verpflichtung, so die Arbeitsgemeinschaft der Kirchenkreisbeauftragten. Doch dass sich der Wandel der Bestattungskultur nicht aufhalten lässt, wissen sowohl Friedhofsverwalter als auch Kirchenvertreter. „Die großen Gräber verschwinden langsam“, sagt Pastorin Dorothea Blaffert aus Klecken.

„Die Menschen wollen zwischen unterschiedlichen Grabformen auswählen können. Da müssen die Friedhöfe mitgehen.“ Und so reagieren sie auf den Trend der Naturbestattungen, die keine hohe Grabpflege erfordert, mit eigenen neuen Bestattungsformen. Das gilt auch für Rosengarten: auf den Friedhöfen soll es künftig Rosen- und Staudengräber geben. In Nenndorf sollen auf dem Friedhof Baumbestattungen möglich sein, auch wenn das längst nicht mit einem Friedwald zu vergleichen ist.

„Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sich in gepflegter Lage oder im Wald bestatten lässt“, sagt Bürgermeister Dirk Seidler.