Kulturkanal

Genehmigung fehlt: Keine Kultur am Kulturkanal

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Thomas Sulzyc
Kreative leben die Idee Kulturkanal bereits. Das Foto zeigt die Aktion Rudelrudern des Vereins Stadtkultur Hafen aus dem vergangenen Jahr. Bootsverkehr gibt es im Veringkanal normalerweise nicht

Kreative leben die Idee Kulturkanal bereits. Das Foto zeigt die Aktion Rudelrudern des Vereins Stadtkultur Hafen aus dem vergangenen Jahr. Bootsverkehr gibt es im Veringkanal normalerweise nicht

Foto: Thomas Sulzyc

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft – Mieter der Zinnwerke – wartet seit einem halben Jahr auf die Nutzungserlaubnis.

Wilhelmsburg.  Kreative durften die insgesamt 2500 Quadratmeter großen Hallen der früheren Wilhelmsburger Zinnwerke im Jahr 2015 nur in drei Fällen mieten und nutzen. Der Grund: Obwohl die Hamburg Kreativ Gesellschaft bereits am 6. Juli 2015 beim Bezirksamt Hamburg-Mitte eine Nutzungsänderung beantragt hat, liegt dem Hamburger Tochterunternehmen noch keine Nutzungsgenehmigung vor.

Das geht aus der Antwort des Bezirksamtes Hamburg Mitte auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. „Wir sind um Wartemodus“, sagt Patrick Sanchez del Solar von der Hamburg Kreativ Gesellschaft.

Lange Wartezeiten bei den Bezirksämtern beanstanden auch die Wohnungsbauunternehmen. Der Direktor des Verbands der Norddeutschen Wohnungsbauunternehmen, Andreas Breitner, hat vergangene Woche eine schleppende Bearbeitung von Neubauprojekten in Hamburg kritisiert. 1100 Wohnungen, so der Verbandschef, könnten deshalb nicht gebaut werden. Mittes Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD) hat den Vorwurf als „völlig unverständlich“ zurückgewiesen.

Im Falle der Zinnwerke hapert eine Vermietung an dem Sanierungsbedarf der im Jahr 1903 errichteten Industriehallen und Sicherheitsauflagen. Es geht um den Brandschutz, Fluchtwege und die Statik. Nach Informationen aus der Kreativwirtschaft würde eine Ertüchtigung der alten Industriehalle, die eine Nutzung möglich machte, etwa 200.000 Euro kosten.

Deshalb hat die Hamburg Kreativ Gesellschaft mit der Eigentümerin der Zinnwerke, der städtischen Sprinkenhof GmbH, am 1. Juli 2015 eine Überlassungsvereinbarung über eine der beiden Zinnwerkehallen und die gesamten Freiflächen mit Ausnahme der Parkplätze des ansässigen Getränkemarktes sowie der Terrassen der Filmproduktionsfirma Hirn & Wanst abgeschlossen. Sie gilt bis zum 30. Juni 2018.

Die Halle steht dennoch meist leer. Lediglich am 16. September und am 21/22. September 2015 sei die Halle für die Produktion von zwei Videos genutzt worden. Zudem hat die Hamburg Kreativ Gesellschaft im vergangenen Jahr am 23. Juni ihr eigenes Sommerfest dort gefeiert. Jeden ersten Sonntag im Monat ist die Halle Schauplatz des beliebten Flohmarktes „FlohZinn“, eine gemeinsame Veranstaltung der Hirn & Wanst GmbH und der Wilhelmsburger Tafel. Es heißt, ohne den Erlös aus dem Flohmarkt, wäre die karitative Organisation in ihrer Existenz bedroht.

Kreative könnten die Zinnwerke für einen Tag bis maximal acht Wochen mieten. Möglich wären Filmaufnahmen oder Fotoshootings. Ohne Werbung zu machen, erhält die Hamburg Kreativ Gesellschaft Anfragen zur Nutzung der Zinnwerkehalle. Meist von Interessenten von außerhalb Hamburgs, so Sanchez del Solar. Wenn möglich, versuche die Gesellschaft den Kreativen Raum im Oberhafen anzubieten.

Die fehlende Nutzungsgenehmigung verhindert, dass die Hamburg Kreativ Gesellschaft Mieteinnahmen erzielt, mit denen eine Ertüchtigung der Zinnwerke finanziert werden könnte. Laut dem Bezirksamt Hamburg Mitte hat die Hamburg Kreativ Gesellschaft bisher lediglich einen Nettoerlös von 1050 Euro aus der Nutzung der Halle erzielen können.

Dagegen zahlt die städtische Tochter an die andere städtische Tochter, die Sprinkenhof GmbH, jeden Monat eine Verwaltungspauschale von 200 Euro sowie eine Betriebskostenpauschale in Höhe von 400 Euro. Bislang also seit Beginn der Nutzungsüberlassung insgesamt 4200 Euro (Januar inklusive).

Mit der Nutzungsgenehmigung käme auch Idee des Kulturkanals in Wilhelmsburg voran. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft sieht die Zinnwerkehalle als „Kernelement der zukünftigen Entwicklung“ dieser Idee an. Entlang des Veringkanals sollen Ateliers, Studios, Bandprobenräume und kleine Bühnen Platz finden.

Der Senat hat den Kulturkanal in Wilhelmsburg in seiner Koalitionsvereinbarung aus dem September 2014 explizit als politisches Ziel formuliert. Vorangetrieben hat der Senat das Vorhaben bislang aber nicht.

So ist auch die Zukunft des Geländes der legendären Soulkitchenhalle am Veringkanal weiter ungewiss. Seit ihrer Schließung im Jahr 2013 ist das Gelände eingezäunt und ungenutzt. Eigentümerin der Fläche ist die Finanzbehörde. Trotz erheblicher Schadstoffbelastungen im Boden würde das Bezirksamt Mitte eine kulturelle Nutzung begrüßen, teilt die Behörde lediglich mit.

Während die Behörden bei der Realisierung eines Kulturkanals bislang wenig Elan zeigen, haben Kreative im Rahmen der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten längst damit begonnen, dem Gewässer Leben einzuhauchen: Die Hirn & Wanst GmbH hat mit dem FlohZinn-Markt einen der attraktivsten Flohmärkte Hamburgs entwickelt und arbeitet in den Zinnwerken an der Produktion eines ARD-Fernsehfilms.

Der Verein Stadtkultur Hafen hat 2015 mit einem Rudelrudern vermutlich zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert wieder Bootsverkehr in den Veringkanal gebracht. Und Studenten haben einen Ponton errichtet und zu einem Picknick auf dem Wasser eingeladen. Immerhin: Die Genehmigung des Anliegers mit dem Namen Archipel hatte das Bezirksamt zügig erteilt.

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