Harburg
430.000 Euro Beute

Bankraub: Opfer leiden noch immer

Das Landgericht Lüneburg ist zurzeit Schauplatz des Prozesses gegen zwei polnische Staatsbürger, die vor drei Jahrendie Sparkasse in Amelinghausen überfallen haben sollen

Das Landgericht Lüneburg ist zurzeit Schauplatz des Prozesses gegen zwei polnische Staatsbürger, die vor drei Jahrendie Sparkasse in Amelinghausen überfallen haben sollen

Foto: Philipp Schulze / dpa

Es war einer der spektakulärsten Banküberfälle in der Region in den vergangenen Jahren. Vier Frauen wurden als Geiseln genommen.

Lüneburg.  Es war einer der spektakulärsten Banküberfälle in der Region in den vergangenen Jahren – nun stehen zwei dringend Tatverdächtige in Lüneburg vor Gericht: Am Freitag begann vor der großen Strafkammer der Prozess gegen Mariusz P., 54, und Janusz D., 35. Die polnischen Staatsangehörigen sollen vor drei Jahren mit zwei Komplizen am 22. Januar 2013 die Sparkasse in Amelinghausen überfallen haben. Der Tatvorwurf lautet auf erpresserischen Menschenraub und weitere Straftaten.

Neben dem Bankraub von Amelinghausen wird den Männern ein weiterer versuchter Bankraub vorgeworfen. Ihnen drohen mindestens fünf Jahre Gefängnis. Schon jetzt sitzen die beiden in der JVA Uelzen in U-Haft. Marius P., den Zielfahnder in Hamburg im September 2013 aufspürten und mit einem MEK-Kommando überwältigten, verbüßt dort eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen eines bewaffneten Banküberfalls aus dem Jahr 2005 in Bielefeld.

Janusz D. dem jüngeren der beiden Angeklagten, ist die Nervosität auf der Anklagebank förmlich anzusehen. Immer wieder holt der kräftige junge Mann tief Luft, er vergräbt sein Gesicht in den Händen und räuspert sich. Im Unterschied zu Marius P. Der sitzt mit schütterem Haar und fahlem Gesicht wortlos und geradezu beängstigend unbeteiligt zwischen seinem Verteidiger und der Dolmetscherin, als die Anklage verlesen wird.

Danach habe sich die Tat wie folgt abgespielt: Es lag Schnee, als sich die vier maskierten, dunkel gekleideten Männer an jenem Montagmorgen um kurz nach sieben Uhr durch einen Kellerschacht Zugang in das Bankhaus verschafften. Sparkassen-Mitarbeiterin Wiebke L., 61., ahnt nichts, als sie um kurz vor acht Uhr als erste durch den Seiteneingang in die Bank geht. „Plötzlich kamen mir von der Herrentoilette vier schwarz gekleidete, mit Sturmhauben maskierte Männer entgegen. Ich fragte, „was machen Sie hier?““, sagte Wiebke L. am Freitag als Zeugin vor Gericht.

Zwei Männer hätten sie gepackt, in den Frühstücksraum gezerrt, auf den Boden gerissen. Einer der beiden habe ihr eine Pistole an die Schläfe gesetzt. „Wir wollen das Geld!“, habe er gesagt. Vor Angst habe sie geschrien. Daraufhin hätten ihr die Bankräuber den Mund zugeklebt und sie mit Kabelbindern gefesselt, sagte die Bankkauffrau. Ihre Brille sei zu Boden gefallen.

Um 8.10 Uhr betreten Bankkauffrau Franziska K. und um 8.20 Uhr Anna S. das Sparkassen-Gebäude. Die jungen Frauen, beim Überfall beide gerade mal 20 Jahre alt, werden von den Männern überwältigt. „Sie haben geschrien und wurden gefesselt. Auch ihnen wurde der Mund zugeklebt“, sagte Wiebke L. vor Gericht.

Die Räuber hätten die Handtaschen der Frauen durchsucht, um die Schlüssel für den Tresorraum zu finden. Als sie auf Anhieb nichts fanden und nervös wurden, habe Anna S. die Schlüssel aus einer Innentasche in ihrer Handtasche hervorgekramt. „Aber die Täter konnten damit nichts anfangen, denn sie brauchten den Zugangscode, um an den Tresor zu kommen“, erinnert sie sich.

Den kannte nur Ingrid L., die vierte Sparkassen- Mitarbeiterin. Als sie endlich um kurz vor halb neun kommt, gehen zwei der Maskierten mit ihr die Wendeltreppe hinab in den Tresorraum, der mit Schlüsseln, Codes und einer Gittertür mehrfach gesichert ist. Die Männer erbeuten 434.415,00 Euro.

„Sie fuhren mit dem VW Polo von Frau S. davon“, sagte Wiebke L. vor Gericht. Als der Richter ihr die Tatwaffe zeigt, sagt sie: „Ja, so könnte sie ausgesehen haben.“ Genau erinnern kann sie sich nicht. Auch die beiden Männer auf der Anklagebank kann sie nicht als Täter identifizieren. „Sie waren ja vermummt“, sagt sie. Nur so viel: Einer der Täter sei „wohl etwas jünger, kräftig und nervös“ gewesen, der andere „eher ruhig, schlank, mittleren Alters, betont Wiebke L. „Und einer hat gebrochen Deutsch gesprochen.“

Nach anderthalb Stunden ist die Zeugenvernehmung von Wiebke L. endlich vorbei. Erschöpft sinkt sie in die Arme von Anna S. die zusammen mit Franziska K. vor dem Gerichtssaal wartet. Die haben ihre Zeugenaussagen noch vor sich und leiden ebenfalls bis heute unter den Folgen der schrecklichen Tat.

Der Prozess wird am 21. Januar vor der Strafkammer fortgesetzt. Der Anwalt von Janusz D. hat vor Gericht angekündigt, dass sein Mandant dann aussagen und ein Geständnis ablegen wolle.