Harburg
Partystimmung

Harburg machte am Wochenende einen drauf

Karsten Grosinski (l.) und Woller Sieja von „Die Gäste“ rockten den Rieckhof

Karsten Grosinski (l.) und Woller Sieja von „Die Gäste“ rockten den Rieckhof

Foto: Lars Hansen / xl

Am Wochenende bewiesen gleich drei Clubs, dass sich die Partyszene südliche der Elbe keinesfalls verstecken muss.

Harburg.  „Heute machen wir ein’ drauf Digger“ rührte Wolfgang „Woller“ Sieja, Sänger der Band „Die Gäste“ gegen halb neun ins Rieckhof-Mikrofon und der Saal kochte schon mit: „Lang lebe Roggnroll!“, kam der Band die Refrainzeile aus dem Saal entgegen. Harburgs Szene war am letzten Wochenende vor Weihnachten massenhaft auf den Beinen, und das nicht nur zum Santa-Seeve-Rockfest im Rieckhof am Sonnabend sondern auch schon am Freitag, als Marias Ballroom ausverkauft war, weil dort Jimmy Cornett and the Deadmen ihr Weihnachtskonzert gaben und als auch das Stellwerk nicht über Besuchermangel meckern konnte. Dort fand das Insel-Klausen-Exil-Battle statt.

Inselklausenwirt Andreas „Köni“ Könecke kann es nämlich auch in den Monaten, in denen seine Kneipe wegen Hochwassergefahr schließen muss, nicht lassen, Konzerte zu veranstalten. Mit einem Bandwettbewerb ging er als Untermieter ins „Stellwerk“.

In den Rieckhof hatten über zweihundert Harburger gefunden, um beim Santa-Seeve-Rockfest „den Feiertagsstress“ wegzuschütteln“, wie es in der Veranstaltungsankündigung hieß. Alle drei Veranstaltungen zeigten, welches Party-Potenzial das sich selbst als verschlafen empfindende Harburg doch hat: Nicht nur, dass es so viele verschiedene Konzert-Locations gibt – neben den drei genannten sind ja auch noch einige andere jedes Wochenende bespielt – sondern auch, dass sich die drei Events nicht kannibalisierten und dass alle drei mit Harburger Bands bestückt waren.

Beim Santa-Seeve-Rockfest waren überwiegend alte Haudegen am Start – die „Delta Doppelkorn Bluesband“ und die „Geilen Partyvirtuosen“ gibt es seit Jahrzehnten, die als Band jüngeren „Gäste“ rekrutieren sich aus gestandenen, erfahrenen und szenebekannten Musikern – aber dazu gab es die eine oder andere Überraschung. So präsentierte die Delta Doppelkorn Bluesband mit Körrie Kantner ihren neuen Blues-Harmonica-Bläser; außerdem gab es Gastauftritte der jungen Sängerin Ronja Hilbig bei anderen Bands und es trat eine Combo auf, die gar nicht angekündigt war – weil es sie eigentlich nicht mehr gibt. „Dr. Groove“ um den Harburger Mediziner Bernd Gaberle kam für vier Stücke noch einmal auf die Rieckhof-Bühne.

„Was für ein geiler Abend“, freute sich die Eißendorferin Martina Bleudel, als sie ging, „vor allem, dass am Ende noch mal alle bei einer Session zusammen gerockt haben – und das Weihnachtslied war der Hammer!“

Weil im Rieckhof nämlich wegen der Nachbarn um Mitternacht Schluss sein muss – zumindest mit lauter Musik – waren die Bluesrocker ohne Mikrofone zum Bühnenrand gekommen und hatten das Publikum animiert, ein konsumkritisches Weihnachtslied der Blues-Ikone Janis Joplin mitzusingen. Der Herr wird’s gehört haben. Harburg machte einen drauf.