Zivilcourage

Kindesentführung verhindert

| Lesedauer: 3 Minuten
Eine Frau aus Hollenstedt hat womöglich eine Kindesentführung verhindert

Eine Frau aus Hollenstedt hat womöglich eine Kindesentführung verhindert

Foto: Patrick Pleul / dpa

Hollenstedterin beobachtete, wie ein Mann ein Mädchen ansprach und alarmierte die Polizei – Festnahme am nächsten Tag

Eine 25-jährige Hollenstedterin hat durch ihr beherztes Eingreifen möglicherweise eine Kindesentführung verhindert. Sie hatte beobachtet, wie ein Mann ein siebenjähriges Mädchen ansprach und zu seinem Auto mitnahm, und daraufhin die Polizei alarmiert.

Die Polizeiinspektion Harburg schilderte den Fall, der sich am vergangenen Donnerstag gegen 16.15 Uhr ereignet hatte, gestern so: Das Mädchen lief zu Fuß die Wohlesbosteler Straße entlang, als der Mann plötzlich vor ihr stand und sie unter einem Vorwand zu ihrem Auto lockte. Der Wagen stand in einer nahegelegenen Stichstraße.

Die 25-Jährige war auf den Vorfall aufmerksam geworden, als sie im Garten war. Sie hatte sich gewundert, dass der Mann abrupt in der Stichstraße angehalten hatte und schnell zurück zur Wohlesbosteler Straße lief. Als er mit dem Mädchen zu seinem Wagen zurückkam, sprach sie ihn an. Zur Verstärkung hatte sie ihren Vater geholt.

Der Unbekannte stieg daraufhin in sein Auto und fuhr davon. Allerdings gelang es der 25-Jährigen, mit dem Handy Fotos zu machen. Sie brachte das Kind nach Hause und informierte die Polizei.

Anhand der Fotos konnten die Beamten das Kennzeichen und den Fahrzeugtyp aufnehmen, und es gelang ihnen schon am nächsten Tag, den Täter zu identifizieren. Demnach handelte es sich um einen 20 Jahre alten Mann aus dem Raum Stade. Er wurde umgehend festgenommen, seine Wohnung und sein Auto wurden durchsucht. Bei seiner Vernehmung bestritt der 20-Jährige die Vorwürfe. Weil keine Haftgründe vorlagen, musste er nach dem Abschluss der erkennungsdienstlichen Maßnahmen aus dem Gewahrsam wieder entlassen werden.

Gleichwohl gehen die Polizeibeamten davon aus, dass der Mann das Kind entführen wollte und seine Tat einen sexuellen Hintergrund hatte. Gegen ihn wird wegen versuchter Kindesentziehung und Freiheitsberaubung ermittelt. Die Polizei machte keine Angaben dazu, ob der Täter früher schon einmal auffällig geworden war.

In jedem Fall lobt die Polizei das schnelle Eingreifen der Hollenstedterin. „Die Zeugin hat in dieser kurzen Situation intuitiv absolut vorbildlich gehandelt,“ so ein Polizeisprecher. „Sie hat Zivilcourage gezeigt und damit ein womöglich bevorstehendes Verbrechen in letzter Sekunde vereitelt. Wir erweisen ihr für das beherzte Einschreiten unseren Respekt und sind uns sicher, dass sie dadurch viele andere zum couragierten Handeln ermutigt.“ Wie der Polizeisprecher weiter mitteilt, geht es dem Mädchen gut.

Wie sollen sich Eltern und Kinder in Gegenwart eines „Mitschnackers“ oder nach solch einem Vorfall verhalten? Karl-Heinz Langner, Außenstellenleiter Landkreis Harburg für die Opferhilfsorganisation Weisser Ring, rät Eltern, aufmerksam zu sein, ob das Kind im Nachhinein Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Der Weisse Ring könne psychologische Hilfe vermitteln. Eltern sollten dem Kind nicht detailliert schildern, was alles hätte passieren können: „Das Kind soll nicht das Gefühl haben, für den Vorfall selbst verantwortlich zu sein.“ Zur Prävention rät Langner: „Eltern sollten das Kind anleiten, wachsam zu sein und niemals Fremden ins Auto zu folgen. Wenn möglich, sollten sie andere Erwachsene zu Hilfe holen. Dadurch lernen sie auch die Grundzüge der Zivilcourage.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg