Harburg
Hittfeld

Heimatverein kämpft um den „100-Jährigen“

Vereinsarchivar Sören Sahling, Vorsitzender Henning Drewes und stellvertretender Vorsitzender Klaus Prigge (von links)

Vereinsarchivar Sören Sahling, Vorsitzender Henning Drewes und stellvertretender Vorsitzender Klaus Prigge (von links)

Foto: Christiane Tauer / HA

Seit 25 Jahren setzen sich die Mitglieder für den Erhalt der historischen Häuser in Hittfeld ein. Auch den Meyermannshof wollen sie retten.

Hittfeld.  Die Arbeit begann zwar mit einer Niederlage, doch das hat die Mitglieder des Hittfelder Heimatvereins nicht abgeschreckt. 25 Jahre ist es her, dass sich engagierte Bürger zusammentaten, um gegen den geplanten Abriss des historischen Kortsehlschen Hauses an der Hittfelder Kirchstraße zu kämpfen. Fünf Jahre später, im August 1995, wurde das Haus schließlich doch abgerissen. Der Heimatverein, damals noch unter dem Namen „Hittfelder Arbeitskreis für Heimatpflege“, setzte seine Arbeit trotzdem fort.

„Unser Problem ist, dass wir fast immer von den Entscheidungen von Privatleuten abhängig sind“, umschreibt Henning Drewes, seit 2011 erster Vorsitzender, das Dilemma des Vereins, der mittlerweile 152 Mitglieder zählt. „Gutes erhalten – Neues gestalten“ lautet das offizielle Motto, doch letztlich liegt es fast immer an den Besitzern der historischen Bauten, was sie mit ihrem Eigentum machen. „Wir als Verein können nur unsere Hilfe anbieten, aber niemanden verpflichten, etwas in unserem Sinne zu tun“, bedauert Drewes.

Beispiele kann er genügend nennen. Da wäre etwa das Gasthaus „Zum 100-Jährigen“ an der Harburger Straße, eine über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Hittfelder Institution, im 15. Jahrhundert als Hofstelle gegründet und seit 1814 in Besitz der Familie Steinwehe.

Hittfeld habe früher sieben große Gasthöfe gehabt, berichtet Vereinsarchivar Søren Sahling. Aufgrund der Mauritiuskirche sei sonntags im Ort immer viel los gewesen, da die Menschen aus den umliegenden Dörfern zum Gottesdienst strömten. Einer dieser Gasthöfe war der „100-Jährige“, der nicht zuletzt dank seiner Bratkartoffeln Berühmtheit erlangte.

Vor zwei Jahren gab die Familie Steinwehe den Betrieb der Gaststätte auf, und seither wartet das denkmalgeschützte Fachwerkhaus auf eine neue Bestimmung. Im Raum steht zwar eine Nutzung des Geländes durch Aldi und Edeka, einhergehend mit einem Erhalt der Gaststätte, doch Drewes ist skeptisch, ob und wie das funktionieren soll.

„Wir finden, die Pläne haben nur Sinn, wenn die Gaststätte tatsächlich weiterhin genutzt wird, vielleicht auch als Veranstaltungsort oder Begegnungsstätte“, sagt er. Das sei nun mal das Einzige, was zu der Einrichtung passe.

Dass der Heimatverein selbst die Initiative ergreift und den Gasthof rettet, hält der Vorsitzende für unwahrscheinlich. „Uns fehlt dazu die Mannschaft, es müssten jüngere Leute sein, die voll dahinter stehen.“ Sein Stellvertreter Klaus Prigge verweist auf die Karoxbosteler Wassermühle, bei der sich ein höchst engagierter gemeinnütziger Verein unter der Regie von Emily Weede für den Erhalt einsetzt. So ähnlich müsste es beim „100-Jährigen“ ebenfalls laufen, findet er. Nur wer soll das Ruder in die Hand nehmen?

Vor diesem Hintergrund stellt sich der Heimatverein die grundsätzliche Frage, wie das 1107 erstmals urkundlich erwähnte Hittfeld mit seinen wenigen noch erhaltenen Wahrzeichen umgeht. „Wir als Heimatverein wollen uns für den Erhalt des dörflichen Charakters einsetzten, aber bei einem Ort am Rande Hamburgs ist das natürlich schwierig“, sagt Drewes.

Sicher, ein Vorzeigedorf mit Reetdächern war Hittfeld nie. Und auch die Kirchstraße war nie eine echte Dorfstraße, sondern schon immer eine Straße mit Kaufhäusern. „Trotzdem war sie aus unserer Sicht eine besondere Straße, die es zu erhalten lohnt“, sagt er.

Erst kürzlich wollte sich der Verein zum Beispiel für den Schutz des Hauses an der Ecke Kirchstraße/Schulstraße einsetzen, das mittlerweile ein kleines Möbelgeschäft beherbergt und zuvor eine Buchhandlung beheimatete. „Da haben wir aber erfahren, dass es nicht als denkmalgeschützt eingestuft werden kann, weil es zu verbaut ist“, berichtet Drewes.

Ein weiteres Beispiel sind die sechs zentralen Hittfelder Bauernhöfe. Hof Hilken an der Mühlenstraße, Hof Bartels direkt daneben, Hof Mattens an der Jesteburger Straße, Hof Peets und Hof Goltermann ebenfalls daneben sowie Hof Meyer am Meyermannsweg – hier schlug das Herz des Ortes.

Wenn nun die Gemeinde in einem Nebensatz erwähnt, dass man den ehemaligen Hof am Meyermannsweg, seit 1978 im Besitz der Gemeinde und eine Außenstelle des Hittfelder Rathauses, möglicherweise für einen Neubau des Feuerwehrgerätehauses abreißen könnte, merkt der Heimatverein auf.

„Das Gebäude ist 1900 nach einem Brand neu erbaut worden und eher uninteressant“, räumt Søren Sahling ein. Doch das Grundstück mit seinen alten Bäumen ist eben ein Teil des alten Hittfeld, das nach und nach verschwindet.

Apropos Bäume. Die mehr als 100 Jahre alte Kaisereiche an der Kreuzung Kirchstraße/Friedhofstraße soll das nächste größere Thema des Heimatvereins werden. „Wir kämpfen dafür, dass nur noch eine Straße an dem Baum vorbeiführt, damit er sich erholen kann“, sagt Prigge. Lediglich die Kirchstraße solle für den Verkehr geöffnet bleiben.

Vor zwei Jahren war festgestellt worden, dass die Wurzeln der Eiche dauerhaft geschädigt sind und der Baum dadurch krank ist. Am 21. Januar, 19.30 Uhr, ist ein Treffen im Gasthaus zur Linde geplant, bei dem ein Arbeitskreis gegründet werden soll, der sich darum sowie um die Verschönerung der Kirchstraße allgemein kümmern möchte. Der Heimatverein heißt dazu alle interessierten Bürger willkommen.