Harburg
Banden

Zahl der Einbrüche im Landkreis Harburg steigt

Einbrecher versuchen, schnell in Häuser und Wohungen zu kommen. Sind Türen und Fenster durch entsprechende Schlösser gesichert, geben sie in der Regel ihren Plan auf

Einbrecher versuchen, schnell in Häuser und Wohungen zu kommen. Sind Türen und Fenster durch entsprechende Schlösser gesichert, geben sie in der Regel ihren Plan auf

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Landkreis Harburg leidet unter einer Vielzahl von Einbrüchen. Mehrere Banden scheinen unterwegs zu sein. Und sie kommen nicht nur am Tag.

Landkreis Harburg.  Die dunkle Jahreszeit ist perfekt für Einbrecher. Jetzt, wo die Tage kurz sind und die Dämmerung Schutz vor dem Entdecken bietet, steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche drastisch an. Im Vergleich zum Sommer wird fast doppelt so oft eingebrochen. Gerade in der Vorweihnachtszeit stehen viele Häuser und Wohnungen oft für mehrere Stunden leer, das genügt den Tätern, die schnell und zielorientiert arbeiten.

Neben denjenigen, die tagsüber die Gunst der Stunde nutzen, ist rund um Hamburg außerdem eine zweite Tätergruppe unterwegs, die nachts in Einfamilienhäuser einsteigt: „Diese Personengruppe nutzt offenbar die Großstadt um unterzutauchen. Der Landkreis Harburg ist besonders betroffen, weil es hier durch die Infrastruktur, vor allem die Autobahnen, viele Möglichkeiten gibt, schnell zu entkommen“, sagt Polizeikommissar Lars Nickelsen von der Polizeiinspektion Harburg.

Je nach Tageszeit sind die Vorgehensweisen unterschiedlich: Während die Täter tagsüber oftmals Fenster und Terrassentüren, die auf Kipp stehen, aufhebeln, werden nachts, wenn die Bewohner scheinbar sicher in ihren Betten schlummern, Hauszugänge und Fensterrahmen aufgebohrt. Genaue Zahlen für dieses Jahr möchte Nickelsen noch nicht nennen. „Sie werden aber auf einem vergleichbar hohem Niveau liegen, wie in den Vorjahren“, vermutet er.

727 Einbruchsfälle wurden im vergangenen Jahr bearbeitet, 2013 waren es 1029. Allein die Meldungen der Polizei der letzten zwei Wochen machen Hausbesitzer unruhig. Am vergangenen Freitag stand offenbar Fleestedt im Fokus der Täter. Zwei Mal waren sie erfolgreich, bei vier weiteren Eigenheimen blieb es beim Einbruchsversuch.

Die Kriminellen wurden entweder gestört oder scheiterten an gut gesicherten Zugängen. Eine Nacht später wurde Neu Wulmstorf heimgesucht. Dreimal konnten die Täter in Wohnungen eindringen, nachdem sie Löcher in die Terrassentürrahmen gebohrt und die Griffe umgelegt hatten. In Wistedt wurde in der Nacht zum Sonntag einmal eingebrochen.

Auch tagsüber war der Landkreis am vergangenen Wochenende besonders stark von Einbrüchen betroffen. Am Freitag in Buchholz, Tostedt, Tespe, Stelle und Fleestedt, am Samstag in Jesteburg sowie am Sonntag in Neu Wulmstorf und Westerhof. Hierbei setzten die Täter Hebelwerkzeuge ein, um gewaltsam Türen oder Fenster zu öffnen. An dem Wochenende davor sah es ähnlich aus, hier waren die Täter in Ohlendorf, Maschen, Stelle, Hittfeld und Eddelsen unterwegs.

Neben Bargeld haben es die Täter auf Dinge abgesehen, die sich schnell versilbern lassen. Dazu gehören Schmuck, Laptops, Kameras und hochwertige Kleidung.

Es kann also jeden treffen – aber es gibt Möglichkeiten, es den Tätern so schwer wie möglich zu machen, denn einbrechen ist ein schnelles Geschäft. Dauert es länger als fünf Minuten, eine Tür oder ein Fenster aufzubekommen, lassen sie meist von ihrem Vorhaben ab. Gefeit ist allerdings keiner: „Einhundertprozentige Sicherheit gibt es leider nicht“, sagt Lars Nickelsen. Er rät zu abschließbaren Griffen für Fenster und Terrassentüren, die für die Täter, die mit Bohrern anrücken, eine Herausforderung sind.

Ein weiterer Einbruchsschutz sind Pilzkopfverriegelungen, die das gewaltsame Öffnen erschweren und sich leicht nachrüsten lassen. Bauherren empfiehlt Nickelsen von vornherein Rollläden mit Diebstahlschutz einbauen zu lassen. Hier sollte man nicht am falschen Ende sparen, denn einfache Rollläden lassen sich mühelos hochschieben.

Ein weiterer Tipp des Kriminalisten: Eine Außenbeleuchtung, die über Bewegungsmelder gesteuert wird: „Dabei sollte man beachten, dass die Melder nicht in Griffhöhe angebracht sind, damit sie nicht weggedreht oder abgedeckt werden können“, gibt Nickelsen zu bedenken.

Verlässt man auch nur für kurze Zeit das Haus, sollte die Haustür immer doppelt abgeschlossen werden: „Die Schließriegel fahren weiter aus und erschweren das Aufbrechen.“ Dass man auch während der Gartenarbeit so vorgehen sollte, hört sich zunächst übervorsichtig an: „Solche Taten haben wir aber leider auch zu verzeichnen“, sagt Nickelsen. Je unübersichtlicher ein Grundstück sei, desto attraktiver sei es für die Täter, also sollte man für Einblicksmöglichkeiten auf das eigene Grundstück sorgen, sagt er weiter.

Ist man im Urlaub, sollte man über Zeitschaltuhren Rollläden und Beleuchtung steuern, außerdem gibt es Leuchten, die das Fernsehlicht imitieren. Wer sich mit seinen Nachbarn gut versteht, kann sie bitten, den Briefkasten regelmäßig zu leeren. Sollte einem fremde Leute verdächtig vorkommen, sei es richtig, auf sein Bauchgefühl zu hören und den Polizeinotruf 110 zu wählen, empfiehlt Nickelsen.

„Auf jeden Fall immer den Fahrzeugtyp, Farbe und Kennzeichen notieren.“ Denn gerade beim Thema Einbruch ist die Polizei auf Hinweise und die Hilfe aus der Bevölkerung angewiesen: „Wir kommen lieber einmal zuviel, als einmal zuwenig.“ Einen Fahndungserfolg konnte Nickelsen aber auch vermelden: Bei einer Fahrzeugkontrolle am Mittwoch in Egestorf stießen Beamte auf vier Chilenen, die versucht hatten, in ein Haus in Nindorf einzusteigen.

Nach einem Fluchtversuch konnten zwei der Männer auf der A7 vorläufig festgenommen werden, ein dritter wurde in Hamburg Altona geschnappt. Nun wird ermittelt, ob die Männer für weitere Einbrüche in Hamburg und Umland verantwortlich sind.